In Mecklenburg-Vorpommern wird seit Mitte August 2025 ein besorgniserregender Ausbruch von EHEC-Infektionen (Enterohämorrhagische Escherichia Coli) verzeichnet. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) hat die Situation als Ausbruch klassifiziert, wobei die Zahl der Infektionen kürzlich auf 43 gestiegen ist. Unter den Erkrankten befinden sich auch zwölf Personen mit dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), einer schwerwiegenden Komplikation, die zu Nierenversagen führen kann. Bislang werden 15 Patienten stationär behandelt, ihr Zustand ist jedoch stabil. Die Behörden versuchen weiterhin, die Infektionsquelle zu ermitteln, wobei erste Laboruntersuchungen bereits einen möglichen Zusammenhang bei drei Fällen aufzeigten. Die endgültigen Untersuchungsergebnisse werden in der kommenden Woche erwartet. Experten betonen, dass die Häufung schwerer Krankheiten nach 2011 besonders auffällig ist. Im Jahr 2011 führte ein großer EHEC-Ausbruch in Deutschland zu Tausenden von Erkrankungen und über 50 Todesfällen, ausgelöst durch verunreinigte Bockshornkleesamen.

Die Ansteckung mit EHEC erfolgt in der Regel durch Kontakt mit infizierten Tieren oder über verunreinigte Lebensmittel, wie etwa rohe oder nicht ausreichend erhitzte Produkte. Häufige Lebensmittel, die EHEC-Bakterien übertragen können, sind Rohmilchprodukte, Hackfleisch, Rohwurst, Salat sowie Obst und Gemüse. Die Symptome einer EHEC-Infektion sind vielfältig und reichen von wässrigem Durchfall über Bauchschmerzen bis hin zu schwereren Verläufen mit blutigem Durchfall und Fieber. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kinder, ältere sowie abwehrgeschwächte Menschen, bei denen das Risiko für schwere Komplikationen, wie das Hämolytisch-urämische Syndrom, bei 5-10 % der Fälle besteht. Es gibt keine spezielle Therapie gegen die Infektion, die Behandlung erfolgt durch Unterstützung der Körperfunktionen.

Aktuelle Lage in Deutschland

Laut dem Robert Koch Institut (RKI) wurden im Jahr 2024 in Deutschland insgesamt 4.570 EHEC-Erkrankungen dokumentiert, was einen Anstieg im Vergleich zu 3.440 Fällen im Jahr 2023 darstellt. In diesem Kontext forderte die CDU-Landtagsfraktion die Prüfung einer Krisenstab-Einrichtung sowie eine Sondersitzung des Landtags zur aktuellen EHEC-Lage. Erste Befragungen zur Identifizierung der Infektionsquelle erbrachten bislang keine eindeutigen Aussagen, weshalb das RKI einen neuen standardisierten Fragebogen einsetzt, um die Qualität der Erhebungen zu verbessern.

Die Suche nach der Infektionsquelle gestaltet sich als Herausforderung, da die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln oft schwierig ist. Eine aktuelle Rückrufaktion betrifft Zwiebelmettwurst der Schleizer Fleisch- und Wurstwaren GmbH, bei der toxinbildende EHEC-Bakterien in einer Charge nachgewiesen wurden. Diese Wurst, die in Mecklenburg-Vorpommern und zehn weiteren Bundesländern erhältlich war, ist jedoch nicht zwingend mit den aktuellen EHEC-Fällen in Verbindung zu bringen, da der Zusammenhang noch unklar ist. In der Region Vorpommern-Greifswald wurden ebenfalls Fälle von EHEC-Infektionen gemeldet, die 10 Kinder und Jugendliche sowie 2 Erwachsene betreffen.

Es bleibt zu hoffen, dass die laufenden Bemühungen der Gesundheitsbehörden zur Eindämmung des Ausbruchs schnell zu einer Klärung der Informations- und Sicherheitslage führen können, um die Bevölkerung vor weiteren Infektionen zu schützen und die Gesundheit der Betroffenen bestmöglich zu gewährleisten.

Für weitere Informationen zu EHEC und dessen Symptomen wird auf die detaillierte Erklärung von rbb24 verwiesen, die umfassend über die Infektion berichtet. Auch NDR bietet aktuelle Updates zur Lage in Mecklenburg-Vorpommern und den Entwicklungen rund um den Ausbruch.

rbb24 | NDR