Der Bezirk Lichtenberg in Berlin ist nicht nur ein Wohnort, sondern auch ein Ort von historischer Bedeutung, besonders wenn es um die Zeit des Kalten Krieges und die Geschichte der DDR-Geheimpolizei, der Stasi, geht. Die Stasi-Zentrale am U-Bahnhof Magdalenenstraße und das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen sind dabei zentrale Punkte, die unzählige Geschichten erzählen könnten. Diese Orte sind Zeugen einer Zeit, in der das Leben der Menschen durch Überwachung und Kontrolle geprägt war. Stasi-Unterlagen belegen sogar das Vorhandensein konspirativer Objekte, einschließlich einer Stasi-eigenen Feuerwehr.
Im Jahr 1985 wurde die Bezirksverwaltung der Stasi nach Lichtenberg verlegt, von wo aus sie die gesamte Stadt Ost-Berlin überwachte. Besonders interessant sind die Erlöserkirche in Rummelsburg und die Glaubenskirche am Roedeliusplatz, die als wichtige Treffpunkte für DDR-Regime-Kritiker dienten und im Fokus der Stasi-Beobachtung standen. Um das Wissen über diese dunkle Zeit aufzuarbeiten, wird ein dreitägiger Kurs angeboten, der den Teilnehmenden die Möglichkeit gibt, Episoden der Geschichte des Bezirks nachzuspüren. Die Geschichte ist im Bundesarchiv-Stasi-Unterlagen-Archiv gut dokumentiert und bietet eine fundierte Grundlage für die Bildungszeit, die Gelegenheit gibt, die Geschichte des Stadtbezirks im Kalten Krieg zu erforschen. Der Kurs umfasst die Arbeit mit Stasi-Akten, Exkursionen zu historischen Orten und Gespräche mit Experten.
Einblicke in die Stasi-Akten
Die Stasi war nicht nur für ihre Überwachungsmethoden bekannt, sondern auch für die massive Dokumentation ihrer Aktivitäten. Gedächtnisprotokolle aus Lichtenberg dokumentieren Übergriffe staatlicher Organe, insbesondere am 7. und 8. Oktober 1989 in Ost-Berlin. Diese Ereignisse sind Teil eines größeren Berichts über die Formierung von Oppositionsbewegungen in der DDR im September und Oktober 1989. Stasi-Berichte informierten das SED-Politbüro über die Erstürmung öffentlicher Gebäude, darunter Gefängnisse und SED-Bezirksleitungen.
Ein bemerkenswerter Einsatzplan der MfS-Bezirksverwaltung Berlin regelte die Sicherheit für ein Konzert von Udo Lindenberg und Harry Belafonte, das am 25. Oktober 1983 im Palast der Republik stattfand. Hierbei durften 3824 ausgewählte DDR-Bürger teilnehmen, was die Kontrolle und Einflussnahme der Stasi auf kulturelle Veranstaltungen unterstreicht. Die Stasi war nicht nur ein Instrument der Repression, sondern auch eng in das gesellschaftliche Leben integriert.
Die Nachwirkungen der Stasi-Vergangenheit
Die Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit ist in Deutschland nach wie vor ein wichtiges Thema. Joachim Gauck, der ehemalige Bundespräsident, bezeichnete die DDR als „sehr entschiedene, langlebige Diktatur“. Die Stasi, offiziell als Ministerium für Staatssicherheit (MfS) bekannt, wurde 1950 gegründet und agierte als Geheimdienst und Geheimpolizei ohne rechtsstaatliche Kontrolle. Sie war direkt dem SED-Generalsekretär unterstellt und führte massive Menschenrechtsverletzungen durch. Ihre Auflösung begann im Dezember 1989 und endete offiziell am 15. Januar 1990.
Die Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU) wurde 1992 gegründet und verwaltet über 111 Kilometer Akten sowie zahlreiche Karteikarten und Fotos. Bis Anfang 2017 gab es über 7 Millionen Anfragen an die BStU, darunter 3,1 Millionen zur Akteneinsicht. Das Stasi-Unterlagen-Gesetz regelt den Zugang zu diesen Akten und schützt die Persönlichkeitsrechte der Opfer. Die Aufarbeitung und Diskussion über die Stasi-Vergangenheit wird auch weiterhin geführt, um die Lehren daraus für zukünftige Generationen zu vermitteln.
Wer mehr über die Geschichte der Stasi erfahren möchte, kann sich über die Webseite der VHS-Lichtenberg für den Kurs anmelden und einen tiefen Einblick in die Geschichte des Kalten Krieges in Lichtenberg gewinnen. Weitere Informationen sind auch im Bundesarchiv sowie in der Stasi-Mediathek zu finden.