In der Reußallee in Berlin-Westend erblüht die Vorfreude auf Ostern in einer einzigartigen Form. Rund 47.000 bunte Ostereier und zahlreiche Tier- sowie Märchenfiguren verwandeln die Vorgärten in ein farbenfrohes Spektakel. Diese beeindruckende Dekoration wird von dem 62-jährigen Anwohner Dariush Dinarvandi organisiert, der seit 15 Jahren in der Gegend lebt. Die diesjährige Auflage ist bereits die achte und zieht sowohl Kinder als auch Erwachsene an, die sich an den geschmückten Bäumen und Tierfiguren erfreuen und zahlreiche Fotos machen.
Die Tradition begann vor acht Jahren, als Dinarvandi auf Anfrage einer älteren Nachbarin damit begann, Ostereier an einen Baum zu hängen. Nach dem Tod der Nachbarin entschied er sich, die Dekoration im folgenden Jahr zu erweitern. Seither sind die Menge der aufgehängten Ostereier und die Unterstützung durch Nachbarn kontinuierlich gewachsen. Dinarvandi investiert viele tausend Euro in die festliche Gestaltung und möchte mit dieser Aktion Freude und Menschlichkeit verbreiten, ohne religiöse Figuren zu verwenden, um die Dekoration für alle zugänglich zu machen.
Die Vielfalt der Dekorationen
Die bunten Ostereier werden nicht nur von Dinarvandi, sondern auch von einigen Nachbarn platziert. Die Dekoration umfasst nicht nur die Eier selbst, sondern auch eine Vielzahl von Figuren, darunter Osterhasen, -lämmer, Katzen, Hunde, Eulen, eine Giraffe, Pinguine und sogar Affen. Ein besonderes Highlight in diesem Jahr ist ein 2,20 Meter großer Osterhase, der sicherlich die Blicke auf sich ziehen wird.
Die Aktion hat zudem eine soziale Komponente: Dinarvandis Frau Manuela berichtet, dass durch die Dekorationen neue Freundschaften unter den Nachbarn entstanden sind. Viele Anwohner haben die Gelegenheit genutzt, Dinarvandi kennenzulernen, und die Gemeinschaft ist näher zusammengerückt. Ein emotionales Erlebnis war beispielsweise, als eine Nachbarin durch eine Bärenfigur an ihre eigene Kindheit erinnert wurde.
Ostern und seine Bräuche
Ostern ist ein Fest voller Traditionen, und das Färben von Eiern hat eine lange Geschichte. In frühen Kulturen galt das Ei als Symbol für Leben, Fruchtbarkeit und Neubeginn. Die Tradition des Eierfärbens reicht bis in die Antike zurück, wo bunte Eier zur Tag- und Nachtgleiche aufgehängt und verschenkt wurden. Auch im Judentum hat das hartgekochte Ei eine Bedeutung, da es zum Sedermahl an Pessach gehört. Christlich betrachtet sind die Ostereier ein Zeichen der Hoffnung, auch wenn sie kein zentraler Glaubensinhalt sind.
Ursprünglich wurden Ostereier oft rot gefärbt, als Hinweis auf das vergossene Blut Jesu. Im Laufe der Zeit kamen weitere Farben und kunstvolle Gestaltungen hinzu. In der katholischen Kirche wurden Eier geweiht, wodurch sie als „Osterei“ bekannt wurden. Auch in evangelischen Traditionen finden sich vielfältige Eierbräuche, die sich von der Fastenzeit ableiten, in der das Essen von Eiern verboten war. Viele Eier sammelten sich an und durften nach Ostern verzehrt werden.
So bringt die farbenfrohe Dekoration in der Reußallee nicht nur einen Hauch von Frühling in die Stadt, sondern hebt auch die tief verwurzelten Traditionen des Osterfestes hervor. Wer die Gelegenheit hat, diese kreative und gemeinschaftliche Aktion zu erleben, sollte sich die festlich geschmückten Vorgärten nicht entgehen lassen. Für weitere Informationen zu dieser außergewöhnlichen Tradition können Sie den Artikel im Tagesspiegel oder bei t-online nachlesen.