Am Sonntag hat Nordrhein-Westfalen (NRW) einen bedeutenden Schritt in Richtung Olympiabewerbung für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 gemacht. Bei einem Volksentscheid stimmten rund zwei Drittel der Bürger in 17 Städten für die Bewerbung. Damit ist NRW nach München der zweite Bewerber mit breiter Unterstützung aus der Bevölkerung. In Berlin hingegen gibt es keinen Volksentscheid, doch Umfragen zeigen, dass etwa 60 Prozent der Berliner der Olympiabewerbung positiv gegenüberstehen.

Die Begeisterung für die Olympischen Spiele scheint über die Grenzen NRWs hinaus zu strahlen. Kaweh Niroomand, Berlins Olympiabeauftragter, gratulierte NRW und hob die bundesweite Unterstützung für die Spiele hervor. Dies könnte ein Rückenwind für die Berliner Bewerbung sein, besonders im Hinblick auf die Winterspiele in Italien, die die Sportbegeisterung in Deutschland neu entfacht haben. Während in Köln die Zustimmung mit 57,4 Prozent vergleichsweise niedrig war, zeigt die Rhein-Ruhr-Region mit ihrer Vielzahl an attraktiven Austragungsorten wie dem Schwimmen auf Schalke, Reiten in Aachen und Fußball in Dortmund, dass sie mit einer starken Bewerbung aufwartet.

Der Wettbewerb um Olympia

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) registriert einen deutschlandweiten Stimmungsumschwung in Richtung Olympia. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) bezeichnete das Ergebnis in NRW als „starkes Zeichen“, welches für den DOSB entscheidend ist, um beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eine realistische Chance zu haben. Während die CDU- und SPD-Spitzenkandidaten sich klar für die Spiele aussprechen, steht die Linkspartei traditionell dem Vorhaben skeptisch gegenüber.

In Berlin werden Kieztouren, Bürgerforen und ein Kuratorium organisiert, um die Bürger frühzeitig in den Prozess einzubinden. Allerdings besteht das Risiko, dass die Gruppe Nolympia mit ihrer Volksinitiative Erfolg hat, was das Berliner Abgeordnetenhaus beschäftigen könnte. Die Haltung zur Olympiabewerbung wird auch im kommenden Wahlkampf von Bedeutung sein, da die Verantwortung in Regierungsfragen oft differenzierter betrachtet wird.

Ein Blick auf die deutsche Olympia-Geschichte

Die letzten Olympischen Spiele in Deutschland fanden 1972 in München statt. Deutschland hat in den letzten 20 Jahren insgesamt sieben fehlgeschlagene Bewerbungen erlebt, darunter die letzte Rhein-Ruhr-Initiative für die Spiele 2032, die nicht in die Endrunde kam. Die vergangenen Olympiabewerbungen in München (Winterspiele 2022) und Hamburg (Sommerspiele 2024) scheiterten am Widerstand der Bevölkerung. Der DOSB verfolgt nun eine neue Strategie, die verstärkt auf Bürgerdialog und Beteiligung setzt.

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Die Entscheidung über den deutschen Bewerber soll Ende 2026 fallen, wobei die vier Kandidaten München, Berlin, Hamburg und die Rhein-Ruhr-Region sich am Pariser Modell orientieren, das bestehende Infrastruktur und städtische Integration priorisiert. Diese Entwicklungen zeigen, dass die Bewerbungen nicht nur um den sportlichen Ruhm, sondern auch um die Impulse für Stadtentwicklung und Sportinfrastruktur gehen.

Ein „Nein“ in München hätte die Bewerbung dort beendet, während das Münchener Votum am 26. Oktober mit 66,4 Prozent Zustimmung ein positives Zeichen sendete. Die Diskussion um die Olympiabewerbung bleibt spannend, und während Deutschland international nicht als Favorit gilt, zeigt sich, dass die Chancen für 2040 oder 2044 realistischer eingeschätzt werden.