Im März 2012 besuchte der US-Multimillionär und verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zum ersten Mal Berlin. Seine Ankunft am Flughafen Berlin-Schönefeld am 21. März 2012 markierte den Beginn eines Aufenthalts, der von einem Treffen mit dem damaligen israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak geprägt war. Diese Informationen wurden aus den Epstein-Files entnommen, die Ende Januar 2023 vom US-Justizministerium veröffentlicht wurden. Während seines Aufenthalts unternahm Epstein eine Stadtrundfahrt mit einer befreundeten deutschen Unternehmerin, bei der er unter anderem den Reichstag besichtigte und Berlin mit einem „Red light district“ (Rotlichtviertel) assoziierte, was Fragen über seinen tatsächlichen Besuch in einem solchen Viertel aufwarf.

Am Abend des 21. März traf Epstein sich im Restaurant „Hugo’s“ mit Ehud Barak und dessen Ehefrau Nili Priel-Barak. Diese Verabredung wurde von Priel-Barak und Epsteins Assistentin Sarah K. organisiert. Barak war zu diesem Zeitpunkt Staatsgast in Berlin und hatte gerade einen Vertrag über eine U-Boot-Lieferung unterzeichnet. Epstein, der im Hotel Intercontinental an der Budapester Straße logierte, war von der Polizei-Eskorte des Verteidigungsministers beeindruckt. Zudem hatte Sarah K. Flüge und Hotels für Epstein organisiert und eine junge Frau aus St. Petersburg nach Berlin einfliegen lassen, die in einem finanziellen Abhängigkeitsverhältnis zu Epstein stand und Teil seines Systems zur Rekrutierung und Ausbeutung junger Frauen war. Diese Russin reiste später mit Epstein und Sarah K. nach Paris weiter.

Verwicklungen und Bedauern

Die Verbindungen zwischen Ehud Barak und Epstein ziehen sich über Jahre hinweg. Barak, der von 1999 bis 2001 Ministerpräsident Israels war, entschuldigte sich kürzlich für seine Freundschaft mit dem verurteilten Sexualstraftäter und bedauerte, ihn kennengelernt zu haben. In einem Interview mit Israel’s Channel 12 äußerte Barak, dass er früher gründlicher hätte urteilen müssen und dass er Verantwortung für seine Entscheidungen trage. Trotz seiner häufigen Besuche in Epsteins Manhattan-Wohnung und auf dessen privater Insel betonte Barak, dass er nie an illegalen Aktivitäten teilgenommen habe und keine Vorwürfe gegen ihn im Zusammenhang mit Epstein bestehen.

Barak hatte bereits 2019 die Beziehungen zu Epstein abgebrochen, als das volle Ausmaß von Epsteins Verbrechen ans Licht kam. Er war sich zwar über Epsteins frühere rechtliche Probleme bewusst, glaubte jedoch, dass dieser seine Schulden gegenüber der Gesellschaft bezahlt hatte. Diese Verwicklung und die im Nachhinein bedauerten Entscheidungen wurden während Baraks gescheiterten politischen Comebacks vor sieben Jahren hervorgehoben.

Öffentliche Wahrnehmung und Reaktionen

In den letzten Jahren wurde Barak zunehmend in die Diskussion um Epstein verwickelt. Er erhielt von der Wexner Foundation, bei der Epstein als Treuhänder fungierte, rund 2 Millionen Dollar an Stipendien. Während Baraks öffentliche Äußerungen oft als defensiv wahrgenommen werden, erklärte er, dass er während seiner 15-jährigen Bekanntschaft mit Epstein keine problematischen Verhaltensweisen beobachtet habe. Dies steht im Kontrast zu den schwerwiegenden Vorwürfen gegen Epstein, der 2008 wegen Anwerbung Minderjähriger zur Prostitution verurteilt wurde und 2019 in Haft starb.

Die Verbindungen zwischen Epstein und anderen prominenten Persönlichkeiten werfen Fragen über die gesellschaftliche Verantwortung und die Wahrnehmung von Macht und Einfluss auf. Neu veröffentlichte Dokumente zeigen, dass Epstein Barak mit Steve Bannon verband, einem bekannten politischen Strategen, der jedoch nicht in die Verbrechen von Epstein verwickelt ist. Die öffentliche Debatte über solche Bekanntschaften und deren Auswirkungen auf die gesellschaftliche Wahrnehmung von Politikern bleibt angesichts der jüngsten Enthüllungen weiterhin brisant.

Für weitere Informationen zu diesem Thema klicken Sie bitte auf die Quelle: Tagesspiegel, CBC, und Jüdische Allgemeine.