In Berlin ist der Wohnraum für Studierende rar gesät. Das zeigt sich besonders am Campus der Technischen Universität Berlin, wo Universitätsgebäude wie das Mathematikgebäude seit geraumer Zeit leer stehen. Um auf den Widerspruch zwischen dem Leerstand und der akuten Wohnungskrise aufmerksam zu machen, haben Studierende aus den Bereichen Architektur, Stadtplanung und Urban Design das Projekt „Campus as Commons“ ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist es, temporäre Nutzungsmöglichkeiten dieser Flächen zu untersuchen und damit einen Beitrag zur Diskussion über studentisches Wohnen zu leisten. Das Mathematikgebäude, erbaut in den 1970er-Jahren, ist als gläserne High-Tech-Struktur konzipiert, hat jedoch bauliche Mängel wie Wasserschäden, und eine umfassende Sanierung ist bislang nicht finanziert worden. Trotz der vergabebasierten Wohnstipendien in Zusammenarbeit mit Airbnb, die 2025 an internationale Studierende vergeben wurden, bleibt das strukturelle Problem der Wohnungsnot bestehen.
Das Projekt „Campus as Commons“ beschäftigt sich mit der Wiederverwendung untergenutzter Universitätsgebäude und betrachtet studentisches Wohnen als sozio-räumliches und politisches Problem. Hierbei werden verschiedene Ansätze kombiniert: Architektonisches Design, Design-Bau-Experimente, urbane Forschung und commons-basierte Perspektiven auf Selbstorganisation, Erschwinglichkeit und kollektive Fürsorge. Im Mathematikgebäude haben die Studierenden vier Seminarräume im siebten Stock in ein begehbares Testmodell für temporäres Wohnen umgewandelt. Der Prototyp beinhaltet ein Doppelzimmer, einen Wohnraum mit Bad, eine kleine Küche und einen Ausstellungsraum.
Innovative Ansätze zur Wohnraumnutzung
Die mobile Holzeinbauten, modularen Möbel und Vorhänge strukturieren die Räume und setzen farbige Akzente in Blau, Gelb und Rot, um an die ursprüngliche Architektursprache des Gebäudes anzuknüpfen. Alle Einbauten sind reversibel, was bedeutet, dass sie entfernt werden können, sollte eine tatsächliche Wohnnutzung möglich werden. Momentan ist dies jedoch nicht der Fall, da das Grundstück als Sondergebiet für Hochschulnutzung gilt. Für eine dauerhafte Wohnnutzung wären formelle Nutzungsänderungen erforderlich, die baurechtliche Prüfungen umfassen.
Das Projekt gliedert sich in vier miteinander verbundene Komponenten: ein Semester langes Studienprojekt an der TU Berlin, ein internationales Blended Intensive Programme mit Partneruniversitäten aus Mailand und Danzig, transdisziplinäre Labs sowie ein Citizen Science Real-Lab. Diese Struktur soll die Ergebnisse in praxisbasierte Kenntnisse über adaptive Wiederverwendung, kollektives Wohnen und institutionelle Transformation übersetzen. Wichtige Outputs des Projekts sind ein Dokumentarfilm, ein Policy Brief und ein How-to-Dossier für Universitäten, Kommunen und Wohnakteure.
Der anhaltende Bedarf an bezahlbarem Wohnraum
Die aktuelle Situation verdeutlicht den hohen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für junge Menschen in Deutschland. Eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigt, dass bis 2040 bundesweit rund 200.000 zusätzliche Wohnheimplätze für Studierende benötigt werden. Derzeit stehen lediglich etwa 241.000 öffentlich geförderte Plätze zur Verfügung, was darauf hinweist, dass die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt. Verena Hubertz, die Bundesministerin für Wohnen, kündigte an, dass das Programm „Junges Wohnen“ ab 2027 auf 1 Milliarde Euro jährlich verdoppelt werden soll, um die Länder bei der Schaffung und Modernisierung bezahlbarer Wohnheimplätze zu unterstützen.
Die Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat ergeben, dass zwei Drittel der befragten Studierenden sich eine eigene Wohnung wünschen, während 72 Prozent mit ihrer Wohnsituation zufrieden sind. Allerdings äußern 11 Prozent Unzufriedenheit aufgrund hoher Mieten und kleiner Wohnflächen. In vielen Städten liegen die Mieten für kleine Wohnungen oder WG-Zimmer über der BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro, was die Situation zusätzlich verschärft.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Projekt „Campus as Commons“ nicht nur innovative Ansätze zur Nutzung von Leerstand aufzeigt, sondern auch die dringenden Bedürfnisse und Herausforderungen des studentischen Wohnens in Berlin thematisiert. Die Studierenden zeigen, dass kreative Lösungen und gemeinschaftliche Ansätze für eine bezahlbare Wohnsituation von großer Bedeutung sind, während die Politik gefordert ist, strukturelle Probleme anzugehen und zukunftsfähige Wohnkonzepte zu entwickeln. Weitere Informationen zu diesem spannenden Projekt und den daraus resultierenden Erkenntnissen sind unter diesem Link und den Details des Projekts auf dieser Seite zu finden.