Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf hat mit der Entwicklung eines neuen touristischen Leitbildes begonnen, das die Sichtbarkeit und Weiterentwicklung der touristischen Angebote im Bezirk zum Ziel hat. Die Initiative umfasst eine Online-Umfrage auf mein.berlin.de, die bis zum 30. Juni 2025 geschaltet ist und Bürger sowie Interessierte zur Beteiligung einlädt. Durch diese Umfrage sollen Ideen, Wünsche und Anregungen zur Schaffung einer bezirklichen Tourismusmarke gesammelt werden. Die Zusammenarbeit mit der Tourismusgesellschaft visitBerlin und der Kreativagentur iideenreich spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Ergebnisse der Umfrage werden direkt in die Entwicklung des neuen Leitbilds einfließen. Informationen zum Projektfortschritt werden auf den entsprechenden Online-Plattformen bereitgestellt, die Finanzierung erfolgt durch Fördermittel der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe.
Zusätzlich wird das neue Tourismuskonzept in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf erörtert. Unter der Leitung von Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann wird gemeinsam mit der Agentur Gröschel Branding eine Bestandsaufnahme erstellt und Potenziale ermittelt. Im Rahmen von Interviews und Onlinebefragungen mit Hotels und Gastronomiebetrieben sollen auch die Stimmen der Bürger gehört werden, die nach dem ersten Zwischenbericht Vorschläge einbringen können.
Anliegen und Initiativen der Fraktionen
Die SPD-Fraktion sieht in dem neuen Konzept die Chance zur Entzerrung der Tourismusströme und zur Profilierung des Bezirks. Ein Beispiel hierfür ist der „Pfad der Erinnerung“ in der Gedenkregion Charlottenburg. Kritisch äußert sich die CDU-Fraktion über die intransparente Arbeitsweise des Bezirksamts und fordert Unterstützung für die von der Krise betroffenen Hotelbetreiber und Gastronomen. Auch die FDP-Fraktion setzt sich für eine verbesserte touristische Infrastruktur ein und fordert einen Erlass der City Tax, während die erfolgreiche Initiative des gebührenfreien Aufstellens von Gastronomieplätzen hervorgehoben wird.
Die B‘90/Grünen-Fraktion freut sich über einen Förderbetrag von 40.000 Euro vom Senat für das Tourismuskonzept und fordert die konkrete Umsetzung von Leitlinien für einen nachhaltigen Tourismus. Hierbei sind Fragen zur Verwendung der Mittel und zur Unterstützung von Unternehmen in der Coronakrise jedoch noch nicht ausreichend geklärt. Die AfD-Fraktion wiederum hebt die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für Gastronomie, Hotels und Einzelhandel hervor und demandiert bessere Rahmenbedingungen sowie mehr Sicherheit und Sauberkeit im öffentlichen Raum.
Nachhaltigkeit im Tourismus
Die Linksfraktion erkennt sowohl die positiven als auch die negativen Auswirkungen des Tourismus auf den Bezirk und fordert ein nachhaltiges Konzept, das in Zusammenarbeit mit den Anwohnern entwickelt wird. Die Problematik der Zweckentfremdung von Wohnraum sowie Lärmbelästigung und Luftverschmutzung wird ebenfalls thematisiert. Diese Anforderungen stehen im Einklang mit den allgemeinen Überlegungen zur Nachhaltigkeit im Tourismus, die eine Vielzahl von Dimensionen wie Umwelt, Soziales und Wirtschaft berücksichtigen sollten. Laut dem Umweltbundesamt sind komplexe Modelle und Konzepte notwendig, um die Auswirkungen des Tourismus zu messen und nachhaltig zu steuern.
Die Entwicklung eines neuen Tourismusleitbildes könnte somit nicht nur zur Steigerung der Attraktivität Charlottenburg-Wilmersdorfs beitragen, sondern auch wichtige Impulse für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Tourismuspolitik im Bezirk geben.