In Deutschland zeigt eine aktuelle Studie, der Deutschland-Monitor, besorgniserregende Trends hinsichtlich der Akzeptanz von Demokratie und autoritären Ideen. Die Ergebnisse, die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser in Berlin präsentierte, basieren auf einer Umfrage mit etwa 8.000 Befragten und weisen auf ein signifikantes Ungleichgewicht zwischen Ost- und Westdeutschland hin. So sind rund 20% der Menschen in Deutschland empfänglich für autoritäre Ideen, wobei dieser Wert in Ostdeutschland sogar auf 25% ansteigt.

Die Umfrage deckt verschiedene Dimensionen der politischen Stimmung ab. So stimmen 31% der Befragten bundesweit der Aussage zu, dass Deutschland eine starke Partei braucht, die den Willen des Volkes verkörpert. In Ostdeutschland sind es sogar 35%. Ein alarmierender Aspekt ist die Unterstützung für eine starke Führungspersönlichkeit: 11% der Befragten bundesweit und 15% in Ostdeutschland befürworten Entscheidungen, die ohne parlamentarische Zustimmung getroffen werden. Immerhin 4% bundesweit und 6% in Ostdeutschland glauben, dass unter bestimmten Umständen eine Diktatur die bessere Staatsform sein könnte. Trotz dieser Tendenzen befürworten 98% der Befragten die Idee der Demokratie, während 89% eine Diktatur unter allen Umständen ablehnen.

Unzufriedenheit mit der Demokratie

Die Unzufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland ist alarmierend hoch. Laut der Studie ist die Zufriedenheit bundesweit bei 60%, in Ostdeutschland jedoch nur bei 51%. Insgesamt sehen 71% der Befragten eine negative Entwicklung der Demokratie in Deutschland. In Ostdeutschland äußern 49% Unzufriedenheit, davon 14% sogar „sehr unzufrieden“. Im Vergleich dazu liegt die Unzufriedenheit in Westdeutschland bei 38%, wobei nur 8% „sehr unzufrieden“ sind. Diese Ergebnisse verdeutlichen die tieferen Sorgen, die viele Menschen in Ostdeutschland plagen.

Die Studie zeigt auch, dass 58% der Befragten es ablehnen, länger für die gleiche Rentenhöhe zu arbeiten, was als große Zumutung empfunden wird. Diese Faktoren tragen zu einem Gefühl des Kontrollverlustes und der Angst vor einem sozialen Abstieg bei, was in vielen Fällen mit der Unterstützung autoritärer Ideen korreliert.

Gesellschaftlicher Wandel und Herausforderungen

Die Menschen in Deutschland sind jedoch nicht nur passiv. 23% der Befragten sind offen für gesellschaftlichen Wandel, während 52% diesen teils positiv, teils negativ sehen. Die restlichen 26% äußern sich kritisch. Besonders in strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands zeigt sich, dass 33% der Menschen Unterstützung für diktaturaffine Einstellungen äußern, während in wirtschaftlich stärkeren Kreisen nur 21-24% diese Ansichten vertreten.

Die Ergebnisse werden durch die Leipziger Autoritarismus-Studie 2024 gestützt, die einen Rückgang der Zustimmung zur Demokratie auf nur noch 42,3% dokumentiert. Besonders stark sinkt diese Zustimmung im Osten Deutschlands, von 53,5% im Jahr 2022 auf 29,7% in 2024. Dies sind die niedrigsten Werte seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2006. Die Wahrnehmung einer schlechten Wirtschaftslage und Ängste vor dem Statusverlust sind zentrale Faktoren für diese Entwicklungen.

Ein Blick in die Zukunft

Die Studienautoren warnen davor, dass der Wunsch nach autoritären oder extrem-rechten Lösungen möglicherweise langfristig bestehen bleibt. Die Angleichung der Einstellungen zwischen Ost- und Westdeutschland könnte auf eine gesellschaftliche Entwicklung hinweisen, die weitreichende Konsequenzen für die politische Landschaft Deutschlands hat. Die Herausforderung besteht darin, den Menschen in beiden Teilen des Landes eine positive Perspektive zu bieten und die sozialen Aspekte, wie faire Löhne und gute Bildung, stärker in den Fokus zu rücken. Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser betont die Notwendigkeit eines starken Sozialstaates, um der Unzufriedenheit entgegenzuwirken und den sozialen Zusammenhalt zu fördern.

Für weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und den Ergebnissen der Umfrage, können die vollständigen Berichte unter Radio Bielefeld, Stern und Zeit eingesehen werden.