Der Bau des großen Wohnprojekts am Pankower Tor in Berlin steht vor erheblichen Schwierigkeiten. Der Senat von Berlin hat den bereits genehmigten Baubescheid für das Stadtviertel, das bis zu 2.500 Wohnungen, zwei Kindertagesstätten, eine Grundschule sowie einen Stadtpark und Einzelhandelsflächen umfassen soll, zurückgezogen. Dieses rechtliche Vorgehen ist vor allem auf die Schutzbedenken der Kreuzkröte zurückzuführen, einer gefährdeten Art, die in dem betroffenen Areal lebt. Laut mosaic sind bereits mehrere Jahre Konflikte um das Gelände am ehemaligen Rangierbahnhof Pankow bekannt.
Das Baugelände, das sich über etwa 40 Hektar erstreckt und östlich des S- und U-Bahnhofs Pankow liegt, ist durch ein fehlendes Regenwassermanagement massiv blockiert. Der Regenwasserkanal auf dem Gelände muss umverlegt werden, was sich als langwierig erweist und damit den Fortschritt der Bauarbeiten erheblich behindert. Verkehrssenatorin Ute Bonde hatte zwar eine Ausnahmegenehmigung für den Bau einer Umgehungsstraße und einer Baustelleneinrichtungsfläche erteilt, doch der Naturschutzbund (NABU) klagte gegen diese Genehmigung. Der NABU befürchtet, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen den Lebensraum der Kreuzkröte und weiterer geschützter Arten stören. Wegen dieser rechtlichen Auseinandersetzungen zog die Senatsverwaltung Ende September 2025 den Baubescheid zurück, um weitere Konflikte zu vermeiden.
Der Einfluss der Kreuzkröte auf das Bauprojekt
Der NABU hat nicht nur gegen die Umverlegung des Regenwasserkanals, sondern auch gegen die Umsiedlungspläne für die Kreuzkröte geklagt, die seit 2011 unter Schutz steht. Der Rückzug des Bescheids wurde von NABU-Geschäftsführerin Melanie von Orlow als Erfolg im Natur- und Artenschutz gewertet. „Dieser Schritt zeigt, dass der Schutz von Lebensräumen und Arten Vorrang haben muss“, erklärte sie. Rainer Altenkamp, der 1. Vorsitzende des NABU Berlin, bezeichnete die Entscheidung als wichtigen Sieg für die Kreuzkröte, die in Berlin zu den letzten ihrer Art zählt. Die Population ist stark gefährdet und benötigt spezielle Lebensräume, um fortbestehen zu können, wie sie muna beschreibt.
Die Kreuzkröte ist vor allem in sandigen Dünenlandschaften verbreitet und benötigt vegetationsfreie Gewässer zur Fortpflanzung. Diese Bedingungen sind für die Art entscheidend, da Kaulquappen in ungeschützten Gewässern hohe Überlebensraten haben müssen. Trotz ihrer Toleranz gegenüber mechanischer Bodenbearbeitung und Pestiziden ist die Kreuzkröte auf geschützte und regelmäßig gewartete Lebensräume angewiesen, um ihre Fortpflanzung und den Fortbestand der Art zu sichern. Experten müssen die neuen Habitate, die Kurt Krieger, der Investor des Projekts, bereitgestellt hat, sorgfältig prüfen, bevor eine neue Ausnahmegenehmigung erteilt werden kann. Dies könnte den Baustart bis Ende 2026 weiter verzögern, da die laufenden Fragen zum Naturschutz und zur Infrastruktur nach wie vor erhebliche Hindernisse darstellen.
Die politische Auseinandersetzung und künftige Perspektiven
Die Auseinandersetzungen um das Bauprojekt reflektieren einen breiteren Konflikt zwischen Bauinteressen und dem Anspruch an nachhaltigen Naturschutz in urbanen Räumen. Kritiker sehen die Priorität eines Möbelmarkts auf dem Gelände als problematisch an, während die Senatsverwaltung für Klimaschutz und Umwelt vor der Herausforderung steht, einen Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Schutz bedrohter Arten zu finden. Der NABU hat gefordert, dass ein nachhaltiges Artenschutzkonzept entwickelt wird, das sowohl den Bedürfnissen der Bewohner als auch dem Erhalt der Artenvielfalt Rechnung trägt.
Die Entwicklung der Situation rund um das Pankower Tor wird weiterhin aufmerksam verfolgt, da die Ergebnisse der juristischen Auseinandersetzung und die Entscheidung über den künftigen Umgang mit der Kreuzkröte fundamentales Einfluss auf die Stadtentwicklung in Berlin haben könnten.