Am 9. September 2025 fand vor dem Rathaus Spandau eine bedeutende Aktion zum Tag des alkoholgeschädigten Kindes statt. Verantwortlich für das Event waren das Bezirksamt Spandau und der Evangelische Verein Sonnenhof. Ziel war es, auf die ernsten Folgen des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft aufmerksam zu machen. Insbesondere wurde die Fetale Alkoholspektrum-Störung (FASD) in den Mittelpunkt gerückt, die eine häufige nicht-genetische Ursache für geistige Behinderungen darstellt.
Tanja Franzke, die Bezirksstadträtin für Jugend und Gesundheit, betonte während der Veranstaltung die Gefahren, die Alkohol für ungeborene Kinder in jeder Entwicklungsphase mit sich bringt. FASD kann zu körperlichen Fehlbildungen, neurologischen Störungen und folgenschweren Entwicklungsproblemen führen. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass die Diagnosen für FASD oft ausbleiben. Dies hat weitreichende positive Effekte auf die Betroffenen und deren Lebensqualität.
Fakten über FASD
Laut einer umfangreichen Studie zum Gesundheitsverhalten in Deutschland zeigen etwa 20 % der Frauen moderaten und 8 % riskanten Alkoholkonsum während der Schwangerschaft. Die Exposition gegenüber Alkohol kann die Entwicklung aller Organe des Fötus negativ beeinflussen, besonders das kindliche Gehirn. Intrauterine Alkoholexposition hebt die Wahrscheinlichkeit für toxische Gehirnschädigungen und damit verbundene Entwicklungsauffälligkeiten, Kognitions- und Verhaltensprobleme sowie Wachstumsdefizite an, die unter dem Diagnosebild FASD subsumiert werden, wie pmc.ncbi.nlm.nih.gov berichtet.
FASD umfasst verschiedene Störungsbilder, einschließlich des fetalen Alkoholsyndroms (FAS), des partiellen fetalen Alkoholsyndroms (pFAS) und der alkoholbedingten entwicklungsneurologischen Störung (ARND). Die Diagnose von FASD in Deutschland zeigt sich aufgrund fehlender flächendeckender Prävalenzstudien als herausfordernd, wobei die Inzidenz auf etwa 1,77 Fälle pro 100 Lebendgeburten geschätzt wird. Dadurch wird die Bedeutung präventiver Maßnahmen zur Vermeidung von FASD besonders deutlich, wie etwa die universelle Aufklärung über Alkoholkonsum in der Schwangerschaft.
Langfristige Auswirkungen und Unterstützung
Die langfristigen Folgen einer FASD-Diagnose sind gravierend. Viele betroffene Kinder haben Schwierigkeiten in der Schule und zeigen Verhaltensauffälligkeiten. Es wird geschätzt, dass in Deutschland jährlich zwischen 3.000 und 4.000 Neugeborene mit einer Form von FASD zur Welt kommen. Die Herausforderung für Fachkräfte: Mütter erkennen oft nicht die Gefahren, die mit dem Alkoholkonsum während der Schwangerschaft verbunden sind. Viele Kinder leben zudem nicht bei ihren biologischen Eltern, was die Diagnosestellung zusätzlich erschwert.
Die frühzeitige Diagnose und eine anschließende interdisziplinäre Versorgung sind entscheidend, um den betroffenen Kindern die beste Unterstützung zu bieten. Eine kontinuierliche Anbindung an FASD-erfahrene Zentren, wie sie der Evangelische Verein Sonnenhof bietet, kann den Entwicklungsverlauf und die Lebensqualität dieser Kinder erheblich verbessern. Die hohe soziale und wirtschaftliche Belastung, die durch FASD entsteht, ist nicht zu unterschätzen. Ärzteblatt schätzt etwa 4 Milliarden Dollar jährlich in den USA, die durch FASD entstehen.
Die jahrelangen Bemühungen zur Aufklärung über die Gefahren des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft sind notwendig, um die Zahl der FASD-Fälle zu senken. Die Veranstaltung in Spandau war ein wichtiger Schritt in diese Richtung und trug zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit bei.