Abiturienten in Berlin: Orientierungslos vor dem Berufsstart!
In Berlin sind viele Abiturienten, wie Lana, unsicher über ihre Zukunft. Der Bedarf an besserer Berufsorientierung wächst.

Abiturienten in Berlin: Orientierungslos vor dem Berufsstart!
Am 23. Juli 2025 hat die 18-jährige Lana aus Berlin ihr Abitur abgeschlossen und sieht sich nun mit einer wachsenden Unsicherheit über ihre berufliche Zukunft konfrontiert. Mit ihrem Abschluss gehört sie zu den immer mehr werdenden Abiturient:innen, die in der modernen Bildungslandschaft Orientierung suchen. Eine Auswertung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zeigt, dass die Zahl der unentschlossenen Abiturient:innen von 13 % im Jahr 2012 auf 16 % im Jahr 2022 gestiegen ist. Diese Entwicklung spiegelt die allgemeine Unsicherheit wider, die viele junge Menschen empfinden, wenn es um ihre berufliche Orientierung geht.
Lana fühlt sich in ihrer Suche nach einer beruflichen Perspektive alleingelassen, da sie keine ausreichende Unterstützung beim Übergang in den Beruf erhalten hat. Ihr Wunsch nach mehr Orientierung seitens der Lehrkräfte und Schulen wird durch eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2024 verstärkt. Diese zeigt, dass 43 % der Abiturient:innen mit den Beratungsangeboten zur Ausbildung unzufrieden sind, während 42 % die Unterstützung bei der Studienwahl als ungenügend empfinden. Jennifer Zwiebel, Beraterin bei der Berliner Jugendberufsagentur, berichtet von zahlreichen Jugendlichen, die sich aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten überfordert fühlen.
Berufliche Orientierung an Schulen
Die Umsetzung der beruflichen Orientierung an Schulen in Berlin und Brandenburg gestaltet sich unterschiedlich. Während einige Schulen über Lehrkräfte für berufliche Orientierung verfügen, die eng mit Berufsberater:innen zusammenarbeiten, variieren andere in ihrer Herangehensweise. Andrea Zimmermann vom Netzwerk Zukunft hebt die Notwendigkeit einer systematischen beruflichen Orientierung im Lehrplan hervor. In diesem Kontext äußert sich auch die Schülerin Ada aus Pankow, die mehrere Praktika absolviert hat und aktiv Hilfe bei der Berufsberatung suchte, weil sie die schulische Berufsorientierung als unzureichend empfand.
Es stellte sich heraus, dass die Berufswahl junger Menschen von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) sind insbesondere Entscheidungen über Ausbildungsberufe sowie soziale Erwartungen entscheidend für den Ausbildungserfolg. Oftmals müssen Abiturient:innen Kompromisse eingehen, was das Risiko eines vorzeitigen Ausbildungsabbruchs erhöhen kann. So sind beispielsweise junge Frauen in männlich dominierten Berufen überdurchschnittlich von vorzeitigen Ausbildungsabbrüchen betroffen, oft bedingt durch eine mangelnde soziale Einbindung.
Ausbildungswege und soziale Faktoren
Lana hat nach einem dreiviertel Jahr der Suche schließlich ein duales Studium zur Finanzwirtin bei der Berliner Steuerverwaltung begonnen. Sie rät anderen Abiturient:innen, sich frühzeitig mit ihrer beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen. Wie das BIBB anmerkt, spielen soziale Bezugsgruppen eine entscheidende Rolle bei der Ausbildungswahl. Der Einfluss von Eltern und Freunden kann dabei entscheidend für den Abschluss der Ausbildung sein. Auszubildende, die glauben, dass ihre Nähe zu familiären Erwartungen einen hohen Stellenwert hat, sind eher dazu geneigt, erfolgreich abzuschließen.
Insgesamt zeigt sich, dass eine Vielzahl an Faktoren die Ausbildungs- und Studienentscheidung junger Menschen prägt. Zukünftige Forschungen sollten sich intensiv mit diesen Aspekten befassen, um gezielte Unterstützung für eine erfolgreiche Ausbildung zu entwickeln und die hohe Zahl der unentschlossenen Abiturient:innen zu verringern.
Für weitere Informationen besuchen Sie die Artikel auf RBB24 und BIBB.