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Verdeckte Geschäftsführer: Das schockierende Ausmaß der Kriminalität mit Strohleuten in Deutschland

Tausende Scheingeschäftsführer aus Osteuropa im Dienst der Unterwelt: Milliardenschäden für Deutschland

Die Organisierte Kriminalität nutzt in Deutschland tausende Menschen aus Osteuropa als Strohleute, ohne dass sie davon Kenntnis haben. Diese Scheinführungskräfte werden von Kriminellen als Geschäftsführer und Gesellschafter eingesetzt, um illegale Geschäfte zu betreiben. Die daraus resultierenden Schäden belaufen sich jährlich auf einen zweistelligen Milliardenbetrag. Dies geht aus exklusiven Recherchen des rbb hervor, welche vom Zollkriminalamt bestätigt wurden.

Die Strohleute sind oft obdachlose und suchtkranke Menschen, die von den Hintermännern der Organisierten Kriminalität missbraucht werden. Durch ihre Mitwirkung gelingt es den Kriminellen, ihre Verantwortung zu verschleiern und komplexe Firmennetzwerke zu etablieren. Über diese Netzwerke werden schwere Straftaten wie Geldwäsche, Schmuggel, Sozialversicherungsbetrug und Steuerbetrug in Millionenhöhe begangen.

Das Zollkriminalamt berichtet von einer Professionalisierung des Strohmann-Einsatzes und einem florierenden Markt für die Vermittlung von Scheingeschäftsführern. Sogar Notare und Wirtschaftsberater sind Teil dieses kriminellen Dienstleistungsbereichs. Alle relevanten kriminellen Organisationen in Deutschland greifen auf Strohleute zurück, und ihr Einsatz nimmt seit Jahren zu. Die Kriminellen untergraben damit die Integrität der Gesellschaft und stellen eine ernsthafte Bedrohung dar.

Die Europäische Staatsanwältin Annegret Ritter-Victor warnt vor den Auswirkungen der Wirtschaftskriminalität, die sich in solchen Ausmaßen als gesellschaftszersetzend erweist. Der Einsatz von Strohmännern gefährdet die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaats und schädigt das Vertrauen in den Geschäftsverkehr. Dies kann ganze Branchen nachhaltig beeinträchtigen.

Angesichts dieser alarmierenden Entwicklungen fordert der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Florian Köbler, eine bessere Ausstattung der Steuerfahndungen. Jährlich entstehen durch systematischen Steuerbetrug Milliardenschäden, während die Steuerfahndungsstellen chronisch unterbesetzt sind. Köbler betont, dass jeder Steuerfahnder dem Staat durchschnittlich über eine Million Euro einbringt und es daher höchste Zeit ist, in Personal und IT zu investieren.

Die ARD wird am 30.07.2024 um 22.50 Uhr die Dokumentation „Das Strohmann-Kartell. Dienstleister für die Mafia“ ausstrahlen, welche Einblicke in das System der Strohmann-Rekrutierung gibt.

NAG Redaktion

Versierte Journalisten mit einer starken Affinität für Wirtschaftsthemen. Arbeiteten seit mehr als einem Jahrzehnt in den Medien. Haben für verschiedene große Tageszeitungen und Online-Plattformen geschrieben und sind bekannt für tiefgründige Analysen und klare Darstellungen komplexer Sachverhalte.

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