Berlin Aktuell

Ungerecht und absurd: Alleinerziehende erhalten oft keinen Unterhalt und werden auch noch beim Kindergeld benachteiligt

Kindergeld für alle Kinder! Keine Abzüge für Kinder Alleinerziehender!

Im vergangenen September erhielt Delia Keller einen Brief von ihrem Ex-Partner. Darin teilte er mit, dass er seinen Job gewechselt habe und deshalb weniger Unterhalt für ihre gemeinsamen Kinder zahlen könne. Keller, selbst berufstätig als Designerin, Künstlerin und Dozentin, beantragte daraufhin einen sogenannten Unterhaltsvorschuss beim Jugendamt. Dieser wird Alleinerziehenden gewährt, wenn der andere Elternteil keinen oder zu wenig Unterhalt zahlt.

Leider ist die Situation von Delia Keller keine Ausnahme in Deutschland, sondern die Regel. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erhalten die Hälfte aller Alleinerziehenden hierzulande keinen Unterhalt vom anderen Elternteil. Weitere 25 Prozent bekommen weniger, als ihnen zusteht.

Als Keller schließlich den ersten Unterhaltsvorschuss erhielt, bemerkte sie, dass im Vergleich zum Mindestunterhalt, der Kindern in Deutschland zusteht, 125 Euro pro Kind und Monat fehlten. Sie fand heraus, dass diese Differenz daher rührt, dass seit 2008 das gesamte Kindergeld von der Summe des Unterhaltsvorschusses abgezogen wird. Dadurch erhalten Alleinerziehende und ihre Kinder kein Kindergeld.

Delia Keller empfindet diese Regelung als ungeheuerlich. Sie ist der Meinung, dass der Staat Alleinerziehende, die keinen Unterhalt vom Ex-Partner erhalten, finanziell nochmals bestraft. Diese Regelung führe dazu, dass Familien, die ohnehin schon wenig haben, noch weniger bekommen. Aus diesem Grund startete Keller eine Petition mit dem Titel "Kindergeld für alle Kinder! Keine Abzüge für Kinder Alleinerziehender!". Bisher haben bereits über 13.000 Menschen die Petition unterschrieben, das Ziel sind 50.000 Unterschriften.

Die Regelung betrifft mehr als 830.000 Kinder in Deutschland, deren Mütter oder Väter Unterhaltsvorschuss erhalten. Laut einem Sachverständigenausschuss des Bundestags, der im Juni vergangenen Jahres tagte, sollte diese Regelung dringend abgeschafft werden.

Neben dieser konkreten Regelung ärgert sich Delia Keller auch darüber, dass der Staat das unrechtmäßig nicht gezahlte Geld nur selten von den Nichtzahlern zurückholt. Der sogenannte Rückgriff, also die Rückzahlung des Unterhaltsvorschusses, erfolgt in der Regel nur zu einem geringen Teil. Laut Zahlen des Bundesfamilienministeriums haben lediglich 20 Prozent der Unterhaltspflichtigen den Vorschuss an den Staat zurückgezahlt. Dabei könnten laut Berechnungen des Ifo Instituts München 70 bis 80 Prozent der Unterhaltspflichtigen zahlen.

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Der Prozess des Rückgriffs ist allerdings kompliziert, da hierfür Länder und Kommunen zuständig sind und viele Einzelvorgänge wie Zahlungsvereinbarungen und Vollstreckungsmaßnahmen nötig sind. Drei Viertel des Verwaltungsaufwands im Zusammenhang mit Unterhaltsvorschüssen entfallen auf Rückgriffe. Zudem reichen die Kommunen 40 Prozent des zurückgeholten Geldes an den Bund weiter.

Delia Keller findet diese Situation untragbar. Sie kritisiert, dass der Staat einfach auf dieses Geld verzichtet und stattdessen bei den Alleinerziehenden gespart wird, die ohnehin die größte von Armut bedrohte Bevölkerungsgruppe darstellen.

Aus diesem Grund hat Delia Keller 2016 gemeinsam mit anderen den Verein "Fair für Kinder" gegründet. Der Verein setzt sich für die steuerliche und finanzielle Entlastung von alleinerziehenden Familien ein, da im deutschen Steuersystem die klassische Ehe als Familienform bevorzugt wird und Alleinerziehende benachteiligt werden. Keller ist der Meinung, dass Kinder statt Trauscheinen finanziell begünstigt werden sollten und fordert eine Reform dieser Ungerechtigkeiten.

Daniel Wom

Der in Berlin geborene Daniel Wom ist ein versierter Journalist mit einer starken Affinität für Wirtschaftsthemen. Er hat an der Freien Universität Berlin Journalistik und Wirtschaftswissenschaften studiert und arbeitet seit mehr als einem Jahrzehnt in den Medien. Daniel hat für verschiedene große Tageszeitungen und Online-Plattformen geschrieben und ist bekannt für seine tiefgründigen Analysen und klaren Darstellungen komplexer Sachverhalte. Er ist Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband und hat mehrere Auszeichnungen für seine exzellente Berichterstattung erhalten. In seiner Freizeit erkundet Daniel gerne die vielfältige Kulturszene Berlins und ist leidenschaftlicher Webentwickler.

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