Zum Weltjugendtag: Neue Studie beleuchtet Barrieren für die Selbstbestimmung junger Menschen in Afrika
In Afrika wächst die größte Jugendgeneration der Welt heran. Drei von fünf Menschen auf dem Kontinent sind jünger als 25 Jahre. Eine aktuelle Studie des Berlin-Instituts hat nun Schlüsselbereiche für die sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung von Jugendlichen in Afrika beleuchtet und dabei die größten Versorgungslücken identifiziert.
Die Studie zeigt, dass Jugendliche in vielen Ländern Afrikas keine umfassende Sexualaufklärung erhalten. Dies führt dazu, dass sie keine informierten Entscheidungen bezüglich ihrer Sexualität und des Kinderwunschs treffen können. Zusätzlich weist die Gesundheitsversorgung in vielen Regionen große Lücken auf. „Gesundheitseinrichtungen müssen sich verstärkt auf die Bedürfnisse junger Menschen konzentrieren“, betont Studienautorin Colette Rose. „Um die Gesundheitsversorgung jugendfreundlich zu gestalten, sollten junge Menschen aktiv in die Gestaltung und Umsetzung einbezogen werden. Dies betrifft beispielsweise die Öffnungszeiten und die Privatsphäre während der Behandlung.“
Besonders junge Menschen mit Behinderungen sowie HIV-infizierte Jugendliche und LSBTIQ*-Jugendliche erleben häufig Diskriminierung, wenn sie in Gesundheitszentren behandelt werden möchten. Oft müssen sie stundenlang warten, da „dringendere“ Fälle Vorrang haben. Eine Untersuchung im Behandlungsraum kann dann von demütigenden Kommentaren und unangenehmen Fragen begleitet sein. „Respektlose Behandlungen in Gesundheitseinrichtungen können dazu führen, dass junge Menschen nicht wiederkommen, selbst wenn sie gesundheitliche Beschwerden haben. Dies kann dazu führen, dass sexuell übertragbare Krankheiten unbehandelt bleiben“, erklärt Mitautorin Kristin Neufeld.
Auch Armut stellt eine zusätzliche Barriere dar. „Junge Menschen müssen erst einmal ihren Lebensunterhalt sichern können, bevor sie ihre Leben selbstbestimmt gestalten können“, betont Kristin Neufeld. Für viele sind Kondome oder die Kosten für den Transport zur nächsten Klinik schlicht zu teuer. Zudem können sich viele Familien die Anschaffung von Menstruationsprodukten für ihre Töchter nicht leisten.