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Schwächstes Genehmigungsniveau seit 2010: Wohnungsmangel in Ballungsgebieten wird zur sozialen Sprengstoff

Baugenehmigungen: Starker Rückgang im Wohnungsbau setzt sich fort

In den Ballungsgebieten Deutschlands und ihren Speckgürteln bleibt der Wohnungsmangel ein akutes Problem. Die aktuellen Genehmigungszahlen des Statistischen Bundesamts für den Monat Juni verdeutlichen den andauernden Rückgang im Wohnungsbau und stellen das schwächste Genehmigungsniveau seit 2010 dar. Diese Entwicklung ist besorgniserregend, da sie den Wohnungsmangel in den Ballungsgebieten weiter zementiert und den Druck auf den Wohnungsmarkt erhöht.

Im Juni wurden insgesamt nur 17.600 Wohnungen im Neu- und Umbau genehmigt, was einem Rückgang von 19,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. Über das erste Halbjahr betrachtet, liegt der Rückgang bei 21,1 Prozent. Eine Belebung der Situation ist bisher nicht in Sicht, wie Tim Oliver Müller, der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, betont.

Besonders betroffen ist der Bau von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, welcher etwa zwei Drittel des Neubaus ausmacht. Hier ist das Genehmigungsvolumen von Januar bis Juni um weitere 20,8 Prozent eingebrochen, nachdem bereits im Vorjahr ein Rückgang um ein Viertel verzeichnet wurde. Die Lage im Bereich des klassischen Eigenheimbaus ist noch schlechter. Wenn die aktuelle Genehmigungsflaute anhält, wird im Jahr 2024 mit einem Tiefpunkt von rund 45.000 Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern gerechnet, was die bisherige Tiefstmarke aus dem Jahr 2008 um die Hälfte unterbietet.

Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind vielfältig. Zum einen werden potenzielle Eigenheimbauer davon abgehalten, in den Bau eigener Häuser zu investieren und bleiben stattdessen in ihren Mietwohnungen. Dadurch werden diese Wohnungen nicht für andere Mieterinnen und Mieter frei. Zum anderen verschärft der anhaltende Wohnungsmangel den sozialen Sprengstoff in den Ballungsgebieten und ihren Speckgürteln. Es ist daher von großer Bedeutung, dass Politik, Wohnungsbaugesellschaften und Bauindustrie gemeinsam Maßnahmen ergreifen, um den Wohnungsbau anzukurbeln.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sieht hier insbesondere die Bundesländer in der Pflicht. Diese sollten ihre Landesbauordnungen entschlacken und somit die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau verbessern. Zudem ist es wichtig, auf industrielle Bauweisen zu setzen, um effizienter und kostengünstiger zu bauen. Bereits jetzt zeigen sich positive Ergebnisse durch diese Vorgehensweise, wie Mietensenkungen von über 20 Prozent. Neue staatliche Anforderungen und Vorgaben hingegen helfen nicht weiter und werden von der Bauindustrie kritisch betrachtet.

Die aktuelle Situation im Wohnungsbau zeigt deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Der anhaltende Rückgang bei den Baugenehmigungen darf nicht ignoriert werden, da er nachhaltige Auswirkungen auf die Wohnsituation in Deutschland hat. Es ist notwendig, dass alle beteiligten Akteure ihre Verantwortung erkennen und Maßnahmen ergreifen, um den Wohnungsbau anzukurbeln und den Wohnungsmangel in den Ballungsgebieten zu bekämpfen.

Pressekontakt:
Britta Frischemeyer
Leitung Presse & Kommunikation
Kurfürstenstraße 129, 10785 Berlin
Telefon: 030 21286-229
E-Mail: britta.frischemeyer@bauindustrie.de
Website: www.bauindustrie.de

NAG Redaktion

Versierte Journalisten mit einer starken Affinität für Wirtschaftsthemen. Arbeiteten seit mehr als einem Jahrzehnt in den Medien. Haben für verschiedene große Tageszeitungen und Online-Plattformen geschrieben und sind bekannt für tiefgründige Analysen und klare Darstellungen komplexer Sachverhalte.

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