Fachleute der Technischen Universität Berlin haben den Bau- und Planungsstopp für neue Radwege in Berlin kritisiert. Die Wissenschaftler sind der Meinung, dass die meisten geplanten Änderungen positiv für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer sind. Insbesondere der Wirtschaftsverkehr und der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) würden laut den Experten davon profitieren.
Ein Hauptbeispiel für die Analyse der Experten ist die Hauptstraße in Schöneberg, wo ein geschützter Radweg geplant war. Durch die Einrichtung des Radwegs würden sich Verbesserungen ergeben, wie beispielsweise schnellere Lieferzeiten und geringere Verkehrsrisiken, da regelwidriges Parken verhindert werden könne.
Die Leistungsfähigkeit des Autoverkehrs würde zwar durch die Halbierung der Autospuren verringert, aber durch den Wegfall von Fahrspurwechseln, die durch Zweitreihenparker und Busverkehr ausgelöst werden, würde sich dies abmildern. Laut den Experten würde die Leistungsfähigkeit der neu geplanten Hauptstraße sogar erhöht, da ein Radweg eine Kapazität von 14.000 Menschen pro Stunde hätte, im Vergleich zu 9.000 Menschen pro Stunde auf einer Busspur und nur 2000 Menschen pro Stunde auf einer Autospur.
Die CDU-Verkehrssenatorin Manja Schreiner hatte in einer Pressemitteilung einige Gründe gegen Radwege genannt, wie z.B. den Verlust von Autoparkplätzen. Die TU-Experten haben die dünnen Angaben der Verkehrsverwaltung überprüft und kamen zu dem Schluss, dass ein Planungs- und Baustopp „aus fachlicher, verkehrswissenschaftlicher Perspektive nicht nachvollziehbar oder begründbar“ ist.
Das genaue Auswahlverfahren für die gestoppten Projekte und ob die Fachleute der Verkehrsverwaltung tatsächlich eingebunden waren, bleibt allerdings unklar. Die grüne Verkehrsstadträtin Saskia Ellenbeck ist sauer und enttäuscht über den Stopp der Projekte in Schöneberg und betont, dass es hier nicht nur um ein paar Radwege geht, sondern um den Umbau ganzer Straßenzüge zu modernen Hauptstraßen.
Insgesamt zeigt die Analyse der TU-Experten, dass die geplanten Radwege in Berlin sowohl die Sicherheit als auch die Effizienz des Verkehrs verbessern würden. In Schöneberg sind vor allem die Projekte auf der Hauptstraße und der Grunewaldstraße betroffen. Die Industrie- und Handelskammer bedauert den Bau- und Planungsstopp besonders, da die Grunewaldstraße als Modellprojekt ausgewählt wurde, um eine gerechte Neuaufteilung des Straßenraums zu erforschen.