Gedenken in Hohenschönhausen: Ehrung der Opfer von 1945/46
Am 15. Oktober 2025 gedenkt Berlin der Opfer des Speziallagers Nr. 3 in Hohenschönhausen mit einer Gedenkveranstaltung.

Gedenken in Hohenschönhausen: Ehrung der Opfer von 1945/46
Heute, am 2. Oktober 2025, gedenken das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Lichtenberg der Menschen, die zwischen 1945 und 1946 im Speziallager Nr. 3 des NKWD in Hohenschönhausen starben. Diese jährliche Gedenkveranstaltung findet am Mittwoch, den 15. Oktober 2025, um 15:30 Uhr am DENKOrt auf dem städtischen Friedhof Hohenschönhausen (Gärtnerstraße, Ecke Rhinstraße, 13055 Berlin) statt. Die Zeremonie besteht aus dem Niederlegen von Blumen am Denkstein und auf dem Denksteinfeld. Anschließend sind Angehörige und Interessierte eingeladen, die Gedenkstätte am Standort Genslerstraße 66 zu besuchen, wo Kaffee und Kuchen angeboten werden.
Das Speziallager Nr. 3, das die Sowjets im Mai 1945 einrichteten, war dem Moskauer Volkskommissariat für Inneres (NKWD) unterstellt. Auf dem zuvor von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt genutzten Gelände wurden während seiner Betriebszeit etwa 20.000 Menschen interniert. Schätzungen zufolge starben mehr als 1.000 Häftlinge an Hunger, Kälte und Krankheiten und wurden in Massengräbern beigesetzt. Diese Gebeine der namenlosen Toten wurden 1995 im Rahmen von Suchgrabungen im Umfeld des Lagers gefunden und auf dem städtischen Friedhof bestattet.
Lebensbedingungen im Speziallager
Die Lebensbedingungen im Speziallager waren katastrophal. Zeitweise waren über 4.200 Menschen unter engsten Verhältnissen auf einem kleinen Raum zusammengepfercht. Mangelhafte Hygiene und unzureichende medizinische Versorgung trugen dazu bei, dass viele Insassen verstarben. Der Befehl 00315 vom 18. April 1945 führte zur Internierung zahlreicher NSDAP-Mitglieder, Polizeiangestellten und Verwaltungsoffizieren. Auch Jugendliche ab zwölf Jahren, die aufgrund angeblicher Untergrundtätigkeiten als „Werwölfe“ eingestuft wurden, fanden sich in dem Lager wieder. Oftmals war Denunziation die Grundlage für die Inhaftierung.
Ab 1946 nahm die Zahl der Gegner der sowjetischen Besatzungsmacht zu, die im Lager interniert wurden. Im November 1946 wurde das Speziallager Nr. 3 schließlich aufgelöst und die verbliebenen Gefangenen in andere Lager verlegt. Über die gesamte Zeit hinweg waren in insgesamt zehn Speziallagern mehr als 122.000 Personen inhaftiert, von denen mehr als ein Drittel die Haft überlebte nicht. Die meisten Internierten wurden jahrelang ohne Gerichtsverfahren festgehalten.
Der DENKOrt und seine Bedeutung
Der DENKOrt in Hohenschönhausen, der am 24. Oktober 1998 eingeweiht wurde, erinnert an die Opfer des Speziallagers und wurde nach einem Entwurf des Diplom-Designers Manfred Höhne gestaltet. Zu den Elementen des DENKOrtes gehört ein mit Feldsteinen belegtes Gräberfeld sowie ein Denkstein mit einer gusseisernen Tafel und Inschrift, eingebettet in einen labyrinthartigen Eingangsbereich aus Eichenbohlen mit dornigen Sträuchern.
Die destabilisierenden Effekte der damaligen politischen Situation und die immense humanitäre Krise im Kontext der Nachkriegszeit lassen die Gedenkveranstaltungen zu einem wichtigen Akt des Erinnerns werden. Für viele Angehörige der Opfer ist dies eine Möglichkeit, ihrer verstorbenen Angehörigen zu gedenken und die grausamen Umstände, unter denen sie litten, in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.