Friedrichshain-Kreuzberg

Zustand der Stadtbäume im Kreis: Rund 2.000 Holzeinschläge im nächsten Jahr

Zustand der Stadtbäume im Kreis: Rund 2.000 Holzeinschläge im nächsten Jahr

Pressemitteilung Nr. 251 vom 15.09.2021

Der Zustand der Stadtbäume in Friedrichshain-Kreuzberg ist dramatisch. Vor allem die rund 16.000 Straßenbäume leiden unter der Klimakatastrophe und ungünstigen Lagen auf öffentlichen Straßen. Der Klimawandel mit vermehrten Hitzetagen, langen Trockenperioden und gelegentlichen Starkregenereignissen verursacht enorme Schäden an der urbanen grünen Infrastruktur. Trotz der Baumbewässerung durch das Landratsamt und engagierte Bürger kann nicht jeder Baum vor den Folgen des Klimawandels geschützt werden. Das Baummanagement des Straßen- und Grünflächenamtes geht davon aus, dass allein im kommenden Jahr knapp 2.000 der 42.000 Bäume im Gesamtbestand des Landkreises gefällt werden müssen.

Die Zahl der heißen Tage in Berlin hat in den letzten 30 Jahren deutlich zugenommen. Gab es von 1961 bis 1990 durchschnittlich 6,5 Tage mit über 30 Grad pro Jahr, waren es zwischen 1990 und 2019 bereits durchschnittlich 11,5 heiße Tage, mit einem Rekord von 28 heißen Tagen im Sommer 2018. Diese klimatischen Veränderungen machen die Stadt Natur zu erfüllen.

Auf den öffentlichen Straßen, aber auch auf den Grünflächen müssen in diesem Jahr bereits jede Woche mehrere Bäume gefällt werden, da die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben ist. Im Jahr 2019 fanden im Landkreis weniger als 400 Baumfällungen statt, in diesem Jahr werden knapp 800 Baumfällungen erwartet. Diese Bäume werden oft von Pilzen oder anderen Schädlingen befallen oder sind bereits abgestorben. Der schlechte Zustand des Baumes ist für Bürger nicht immer erkennbar, insbesondere wenn Fäulnis im Boden oder im Inneren der Bäume so ausgeprägt ist, dass ein Fällen nicht verhindert werden kann. Äußerlich wirken diese Bäume grün und vital, da die Versorgungsleitungen der Bäume im Außendurchmesser der Bäume verlaufen und oft nicht von holzzersetzender Fäulnis betroffen sind.

Von den Jungbäumen, die zwischen 2000 und 2020 im Landkreis gepflanzt wurden, sind nur 34 Prozent vollkommen gesund. 42 Prozent dieser Bäume sind beschädigt, 24 Prozent mussten bereits wieder gefällt werden. Das urbane Umfeld am Straßenrand bringt zahlreiche Stressfaktoren für die Bäume mit sich. Im Boden, der von Schutt und Rohren durchzogen ist, haben sie wenig Platz zum Anwurzeln. Die kleine Baumscheibe und die umgebende Versiegelung erschweren die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen. Die Bäume verbrauchen all ihre Ressourcen, um Stress abzuwehren und werden so anfällig für Krankheiten und Schädlinge.

Die Bäume nutzen ihre letzten Reserven, um den Schaden zu begleichen. Sie entwickeln Totholz, weil sie es nicht mehr schaffen, sich um alle Äste zu kümmern und einen Teil ihrer Blätter vorzeitig abwerfen, weil sie eingesehen haben, dass sie die Blätter zur Photosynthese brauchen, aber nicht mehr die Kraft haben, sie zu erhalten.

Zukünftig muss sich das Landratsamt mit seinen begrenzten Ressourcen darauf konzentrieren, bei Neupflanzungen die Baumstandorte festzulegen, damit junge Bäume eine Überlebenschance haben. Dies ist nicht an allen Standorten möglich. Ziel ist es, langfristig eine robuste grüne Infrastruktur zu errichten.

„Es ist schmerzlich zu sehen, wie es unseren Stadtbäumen während der Klimakatastrophe ergeht. Aber angesichts der klimatischen Entwicklungen der letzten Jahre müssen wir uns eingestehen, dass wir einen Teil unseres Baumbestandes auf öffentlichen Straßen nicht retten können, auch wenn wir in Trockenzeiten mehr gemeinsam gießen. Unser Baummanagement muss derzeit immer mehr Ressourcen aufwenden, um Bäume am Leben zu erhalten, die an den heutigen Standorten unter den gegebenen Bedingungen mittelfristig nicht überleben werden. In Zukunft müssen wir unseren öffentlichen Raum so gestalten, dass dem dortigen Stadtgrün über und unter der Erde der nötige Raum gegeben wird. Außerdem brauchen wir als Kreis deutlich mehr Geld, um eine klimaresiliente Stadtgestaltung und den Erhalt unserer Stadtnatur umzusetzen. Die Mittel, die wir derzeit vom Land Berlin für die Grünpflege erhalten, reichen nicht aus, um der Baumpflege gerecht zu werden“, erklärt Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann.

Um die Folgen des Klimawandels abzumildern und das Stadtgrün zu erhalten, achtet das Straßen- und Grünraumamt bei der Neubepflanzung auf klimaangepasste Standorte und klimaresistentere Baumarten. Entscheidend ist nicht die Neubepflanzung an sich, sondern der sichere Standort. Je mehr unversiegelte Fläche ein Stadtbaum hat und je mehr Platz er zum Wurzeln hat, desto wahrscheinlicher wird der Baum eine lange Lebensdauer haben. Entscheidend sind auch der Rückbau der Mischwasserentwässerung und die Sicherung des Grundwasserspiegels. Qualität (der Standorte) geht vor Quantität (der Bäume). Um die Wasser- und Nährstoffversorgung der Stadtbäume zu verbessern, sollen sie künftig deutlich größere Pflanzgruben erhalten.

Die Kreisräte wurden im August in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Verkehr, Klimaschutz und Immobilien aus dem Amt für Straßen und Grünflächen in einer Präsentation über den Zustand der Bäume und die notwendige Fällung informiert.

Kontaktpersonen

Sara Lühmann
Pressesprecher
Telefon: (030) 90298-2843

Dominik Krejsa
Mitarbeiter-Pressestelle
Telefon: (030) 90298-2418

    .

Inspiriert von Berliner Pressemitteilung.

Kommentar verfassen

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"

Adblock erkannt!

Adblocker speichern und verwenden Ihre personenbezogenen Daten und verkaufen diese u.U. an Dritte weiter. Schalten Sie in Ihrem und unserem Interesse den Adblocker aus. Keine Angst, wir verwenden keine Popups oder Umleitungen. Ein paar kleine, unauffällige Banner finanzieren uns einen Kaffee. Sonst gibt's hier keine Werbung.