Berlin

Weniger Entzugs- und Entgiftungsfälle: Die Zahl der Drogentoten in Berlin ist auf den höchsten Stand seit 20 Jahren gestiegen

In Berlin ist die Zahl der Drogentoten erneut gestiegen – auf den höchsten Stand seit 20 Jahren. Im vergangenen Jahr starben 223 Männer und Frauen am Konsum illegaler Betäubungsmittel, gegenüber 216 im Vorjahr und 114 Fällen vor zehn Jahren.

Die meisten Toten wurden in Mitte gefunden, wo das Landeskriminalamt im vergangenen Jahr 28 Drogentote zählte. Es folgen Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg mit jeweils 24, Neukölln und Pankow mit jeweils 22 und Charlottenburg-Wilmersdorf mit 20 Fällen. Das geht aus einer Antwort von Gesundheitsstaatssekretär Thomas Götz (Grüne) auf eine Anfrage des FDP-Gesundheitsexperten Florian Kluckert hervor, die dem Tagesspiegel vorab vorliegt.

Welche Drogen wie oft zum Tode führten, sagte der Senat nicht. Die Antwort offenbart auch nicht die Rolle, die Verunreinigungen und Streckmittel spielen. Notärzte und Mitarbeiter von Suchthilfeeinrichtungen sagten dem Tagesspiegel, dass hohe Dosen von handelsüblichem Heroin und Opiaten immer noch die häufigste Todesursache seien. Viele der Betroffenen kommen aus Osteuropa und Zentralasien nach Berlin.

Die Todesfälle durch Heroin und Opiate nehmen landesweit stark zu

Wie berichtet, stieg die Zahl der drogenbedingten Todesfälle 2021 bundesweit im Vergleich zum Vorjahr um 15,5 Prozent auf 1826. Haupttodesursachen waren laut Bundesdrogenbeauftragter Heroin und Opiate. Heroin-Überdosierungen töteten im vergangenen Jahr 195 Menschen, 50 Prozent mehr als im Jahr 2020. Am Missbrauch von Opioid-Substitutionsdrogen starben 88 Menschen, ein Anstieg von 167 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Letzteres bezeichnet Betäubungsmittel, die Heroinsüchtigen häufig ärztlich verschrieben, aber auch auf dem Schwarzmarkt gehandelt und im riskanten Mischkonsum verwendet werden. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Amphetamin stieg um 149 Prozent auf 92, während Todesfälle im Zusammenhang mit Methamphetamin, Kokain und Crack landesweit zunahmen.

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In dem Senatsschreiben geht es auch um die Zahl der behandelten Fälle wegen Verhaltensstörungen durch „psychotrope Substanzen“ in einer Berliner Klinik bis 2019. Dazu wurden Verhaltensstörungen nach Konsum aller illegalen Drogen, aber auch nach Alkohol- und Lösungsmittelmissbrauch zusammengefasst . Die Fallzahlen sind über die Jahre weitgehend stabil und liegen bei durchschnittlich 16.500 Fällen pro Jahr.

Rot-Grün-Rot muss in der Drogenpolitik neue Wege gehen.

FDP-Gesundheitsexperte Florian Kluckert

Die FDP fragte auch nach den Patienten in Drogenentzugsprogrammen für Berlin. Aus statistischen Gründen seien die Zahlen erst ab 2017 vergleichbar, schreibt Staatssekretär Götz. Demnach gab es 2017 noch 782 Fälle von „Entzug und Entgiftung aufgrund des Konsums illegaler Substanzen“, danach sank die Zahl jedes Jahr, 2021 waren es nur noch 565 Fälle, die in Krankenhäusern, Hilfsprojekten und Reha-Einrichtungen behandelt wurden.

Der FDP-Abgeordnete Kluckert bezeichnete die Drogenpolitik des Senats als gescheitert: „Die Zahl der drogenbedingten Todesfälle in Berlin steigt kontinuierlich, während die Zahl der Behandelten stark zurückgeht.“ Rot-Grün-Rot muss in der Drogenpolitik neue Wege gehen.

FDP fordert Drogenpolitik nach portugiesischem Vorbild

Die FDP befürwortet das portugiesische Modell: Wer mit harten Drogen zum Eigengebrauch erwischt wird, kommt nicht vor Gericht, sondern vor eine Kommission aus Psychologen, Ärzten und Sozialarbeitern. Dort werden die Risiken des Konsums besprochen, Therapien angeboten und teilweise auch Sanktionen verhängt. Wer mit größeren Mengen Drogen erwischt wird, gilt als Dealer und wird bestraft.

Auch Berliner Drogenfahnder plädierten für eine Eigengebrauchsregelung für harte Drogen nach portugiesischem Vorbild. Bisher galt dies nur für Cannabis in Berlin. Zudem begrüßen die Behörden die medizinische Behandlung mit Diamorphin, also den Verkauf von medizinischem Heroin an schwer Abhängige.

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Berlins rot-grün-roter Senat eröffnet demnächst eine Stelle für das sogenannte Drug-Checking. Dort geben Interessenten anonym Pillen und Pulver ab, bevor sie die Medikamente konsumieren wollen. Die Proben werden auf Dosis, Verdünnungsmittel und Kontamination geprüft. Da illegale Drogen keiner Qualitätskontrolle unterliegen, schwankt der Wirkstoffgehalt – die Konzentration kann daher unerwartet höher sein, als es der jeweilige Konsument gewohnt ist. Dem Verbraucher wird immer eine Erklärung angeboten.

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