Berlin

Tierische Helfer für die Förster: In den Berliner Wäldern kommen 800 Kilo schwere Zugpferde zum Einsatz

Es war schwierig, die Stellen zu besetzen. Die Arbeitsbedingungen sind attraktiv: werktags 8 bis 14 Uhr, Wochenende frei, Sommerferien auf Brandenburger Reiterhöfen, kein Papierkram, Vollverpflegung, Unterkunft wird gestellt. Doch der Markt für Arbeitspferde ist winzig, weshalb die Berliner Forsten lange nach Nachwuchs suchen mussten.

Jetzt sind sie da: Pauli, gebürtiger Nordrhein-Westfalen, und Bubi aus Bayern, die seit kurzem im Kreisförster Dreilinden wohnen und für den Grunewald zuständig sind. Nach bundesweiter Suche wurde Henry im vergangenen Herbst im Forstamt Grünau eingestellt. Dort bildet er mit Feger das Köpenicker Team. Und Ivan und Gasso sind im Kreisforstamt Spandau stationiert, das zum Forstamt Tegel gehört. Nur in der Ausbildung des Forstamtes Pankow gibt es keine Pferde.

Während die letzten Berliner Polizeipferde vor Jahren in die Wüste – genauer: zur Bundespolizei – geschickt wurden, leisten sich die Förster noch sechs sogenannte Packpferde: 800 Kilo schwere Kaltblüter, die ebenso schwere Stämme ziehen ein Doppelteam, dh sie bewegen kann. Im Beisein von Umweltstaatssekretärin Silke Karcher wurde ihre Arbeit am Freitag in Dreilinden im Zehlendorfer Forst präsentiert.

An einem Ledergeschirr ist eine Stahlkette befestigt, die abseits des Weges um einen drei Meter langen und 50 Zentimeter dicken Buchenstamm geschlungen wird. Ein Mensch konnte es kein Stück bewegen, und eine Forstmaschine würde den Waldboden und junge Bäume zerstören, um an den Stamm zu gelangen. So kann es der Förster einfach mit dem Kranarm auf den Rückeanhänger laden, den die Pferde auch gezogen haben.

Eine Karotte fürs Pferd: „Das ist Volker, mein Schatz“

Während ein Kollege die Arbeit demonstriert, gibt ein anderer ein paar Meter entfernt einem braunen Pferd, das an einen Baum gebunden ist, eine Karotte und fährt sich liebevoll mit der Hand durch die Mähne. „Das ist Volker“, sagt er, „mein Schatz.“ Der Mann ist Dennis Gwiasda, „hier der dienstälteste Förster“, und Volker ist mit fast 24 Jahren längst in den Ruhestand getreten, den er und sein Kollege Pünktchen bald in einem idyllischen Refugium antreten können.

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Pünktchen ist erst 17, aber die beiden Pferde sind ein altes Paar, das sich nur schwer trennen würde. Deshalb übernehmen zwei neue Leute den Job. Sie sind zu fünft und wurden als untrainierte Kutschenpferde gekauft. Ein Schnäppchen, rund 4000 Euro pro Exemplar, zuzüglich Risiken und Nebenkosten. Doch die beiden hätten sich als Glücksfall entpuppt, sagen ihre Vorgesetzten: fügsam und stark.

Dennis Gwiasda ist kein Teamleiter. „Ich liebe diese Pferde“, sagt er, aber ihnen den ganzen Tag hinterherzujagen, wäre ihm zu langweilig. Er baut und repariert lieber ihr Zuhause, wenn sie etwas kaputt machen, was bei 800 Kilo leicht passieren kann.

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Wie sehr die Teamleiter – Förster mit Zusatzausbildung – ihre Pferde lieben, zeigt sich am freundlichen Umgang und zeigt sich auch beim Blick auf die sonstigen Ausgaben: Die Tiere müssen auch am Wochenende versorgt werden, das sonst arbeitsfrei wäre . Überhaupt der Aufwand: Paddock, Stall, Heulager, Pferdeanhänger, Transportanhänger – alles wegen der Tiere. Ist das angemessen für eine aus dem Staatshaushalt finanzierte Behörde?

„Das können wir uns leisten“, sagt Gunnar Heyne, Leiter der Berliner Forstwirtschaft. Die Tagesleistung der Pferde von 20 Kubikmetern bewegtem Holz ist bei weitem nicht die von Maschinen, aber die Pferde sind wirklich schonend für den Wald, besonders auf nassem Untergrund und an Hängen. Außerdem erreichen sie jede Stelle im Wald, können auch pflügen und helfen, den 40-Meter-Abstand zwischen zwei „Schleuderspuren“, also den Fahrwegen für die Maschinen, einzuhalten. Die 40-Meter-Regel setzt die Gütesiegel FSC und Naturland voraus, mit denen die Berliner Wälder zertifiziert sind.

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Der Staatssekretär setzt sich auch für die Pferde ein: Sie steigern die Attraktivität des Berufs und passen zum Primat der Berliner Wälder für Erholung und Bildung, zum Beispiel in den Waldschulen. Sie reicht Volker auch eine Karotte, die er vorsichtig nimmt. Man muss ihn einfach mögen.

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