Berlin

Rieckhallen am Hamburger Bahnhof: Jetzt muss entschieden werden – Abriss oder nachhaltiges Modellprojekt

Der Hamburger Bahnhof samt Rieckhallen könnte ein Modellprojekt für nachhaltigen Museumsbetrieb werden. Oder: ein Paradebeispiel für Ressourcenverschwendung und politisches Versagen. Es ist noch in der Luft.

Die Verhandlungen zwischen der Berliner Senatsverwaltung und CA Immo, dem Eigentümer der Rieckhallen, laufen auf Hochtouren. Beide Seiten sind bereit, Grundstücke auszutauschen, um die Hallen als etablierte und international renommierte Kulturstätte zu erhalten. Ordnet das Verfassungsgericht in Berlin eine Neuwahl an, drängt die Zeit. Niemand weiß, wie leistungsfähig das Parlament vor den Neuwahlen im Februar 2023 wäre. Müsste die Entscheidung in die neue Legislaturperiode verschoben werden, wären bisherige Erfolge sehr wahrscheinlich weg.

Kultursenator Klaus Lederer und Berlins Altbürgermeister Michael Müller hatten in den vergangenen Jahren für die Rieckhallen gekämpft. Auch seine Nachfolgerin und SPD-Parteikollegin Franziska Giffey setzt sich für eine einvernehmliche Lösung ein. CA Immo erhält im Austausch für die Rieckhallen Grundstücke. Im Gespräch sind ein Grundstück in der Nähe des Hauptbahnhofs und das ehemalige Landeslabor in der Invalidenstraße 60.

Nur die Hälfte der Ausstellungsfläche

Der Tausch selbst war bereits beschlossen und ein „Momorandum of Understanding“ zwischen Senat und CA Immo öffentlichkeitswirksam unterzeichnet. Aber der Teufel steckt im Detail. Und in den Reihen der Fraktion herrscht Skepsis. Immobilien aufzugeben ist in Berlin mittlerweile tabu. Eines der Tauschgrundstücke wird für ein Verwaltungsgebäude benötigt.

Die Alternative wäre bitter für die Kunststadt Berlin. „Der Abriss der Rieckhallen bedeutet den Verlust der halben Fläche des Hamburger Bahnhofs und damit die Notwendigkeit, neue Ausstellungs- und Lagerflächen zu bauen“, sagt Till Fellrath, Direktor des Hamburger Bahnhofs.

Die nachhaltige Nutzung bestehender Gebäude ist ein verpflichtender Bestandteil einer umweltgerechten Stadtentwicklung.

Till Fellrath, Direktor des Hamburger Bahnhofs

In der vergangenen Woche sollte der Stand der Verhandlungen mit CA Immo dem Unterausschuss Vermögensverwaltung im Abgeordnetenhaus präsentiert werden. Der Tagesordnungspunkt wurde jedoch kurzfristig verschoben. Zuvor hatten sich Franziska Giffey, die Berliner Senatorinnen für Kultur, Finanzen und Bauen, und Kulturstaatsministerin Claudia Roth im Kanzleramt getroffen. Giffey hatte angekündigt, dass die Rieckhallen und der Hamburger Bahnhof zusammengehören.

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Auch der Hamburger Bahnhof muss gesichert werden

Das ist wichtig, denn: CA Immo gehören nicht nur die 250 Meter langen Rieckhallen, sondern auch das Hauptgebäude des Hamburger Bahnhofs. Beide zusammen bilden Berlins Museum für zeitgenössische Kunst. Der Bund muss nun auch den Hamburger Bahnhof sichern, einen Ankauf parallel zu den Bemühungen Berlins um den Erwerb der Rieckhallen einleiten. Die Probleme sind hausgemacht: Berlin erklärte das einst im Eigentum der Bundesbahnfonds stehende Grundstück vor rund zehn Jahren zum Bauland, was seinen Wert in die Höhe trieb. Eine falsche Entscheidung.

„Der Bausektor ist für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs und 60 Prozent der Abfallproduktion verantwortlich. Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Klimakrise ist die nachhaltige Nutzung des Gebäudebestands ein wesentlicher Bestandteil einer umweltgerechten Stadtentwicklung“, sagt Till Fellrath. Mit Co-Direktor Sam Bardaouil stellte er ein Konzept zur nachhaltigen Nutzung der Rieckhallen vor.

Ihre Idee ist es, die Rieckhallen in ein passiv klimatisiertes, energieeffizientes und treibhausgasneutrales Museumsgebäude mit begrünter Fassade und Solarkollektoren auf dem Dach zu verwandeln. Sie müssen nicht einmal große Summen investieren. Darüber hinaus schwebt den Museumsleitungen vor, das Ausstellungsprogramm den jahreszeitlich bedingten klimatischen Bedingungen anzupassen und damit die konservatorischen Anforderungen gering zu halten. Auch das spart Energie. Die Museen des 21. Jahrhunderts müssen sich an neue Bedingungen und Ressourcenknappheit anpassen. Berlin könnte hier ein Modellprojekt starten.

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