Berlin

Raus aus dem Alltag: Zwölf Orte in Berlin zum Entspannen

Kaum hatte sich die Pandemielage entspannt, brach mit dem aktuellen Angriffskrieg in der Ukraine die nächste handfeste Katastrophe aus. Lebensmittel- und Energiepreise steigen, viele verausgaben sich in privaten Verpflichtungen, die Nachrichtenlage ist bedrückend. Manchmal wächst einem einfach alles über den Kopf. Wer noch mit Leistungsdruck oder Alltagsstress zu kämpfen hat, Familie und Beruf unter einen Hut bringen muss oder seit Monaten keine Wohnung findet, ist am Ende des Tages oft richtig erschöpft.

An solchen Tagen ist es wichtig, Rückzugsorte zu haben, an denen man sich entspannen und neue Energie tanken kann. Das kann natürlich für jeden etwas anderes bedeuten: Der eine tankt am besten in der Natur neue Energie, der andere geht lieber fieberhaft ins Fußballstadion oder verbrennt sich in einem Techno-Club.

Wir haben Lieblingsorte der Redaktion gesammelt und für jeden Stadtteil eine Empfehlung gefunden:

Flanieren Sie wie ein König in Charlottenburg-Wilmersdorf

Schloss Charlottenburg ist nicht gerade ein Geheimtipp. Doch der wunderschöne Barockgarten dahinter wird von Touristen, die mit Sightseeing-Bussen hier herauffahren, gerne übersehen.

Im Schlosspark treffen sich die Bewohner der Nachbarschaft und schlendern durch die Gartenkunst aus über 300 Jahren oder beobachten Wasservögel und Fische im Karpfenteich. Sie joggen oder sonnen sich auf der Wiese; Für Kinder gibt es einen Spielplatz. Auf dem 55 Hektar großen Gelände kommt sich niemand in die Quere.

Hier sind nicht nur Anwohner der Nachbarschaft anzutreffen: Im Sommer weidet regelmäßig eine Schafherde auf den Wiesen. Wer möchte, kann hier eine Führung buchen und die königlichen Schaffelle streicheln oder alles über die Verarbeitung der Wolle erfahren.
(Cay Dobberke)

Tanzen Sie zur Leichtigkeit in Friedrichshain-Kreuzberg

Wegen der Pandemie war Paartanzen für gefühlte hunderttausend Jahre nicht möglich. Was war das nochmal? Die Luft ist still, erhitzt von dem, was die Nacht bringen mag oder nicht. Verschwitzte Körper, zusammen – mit dem einen oder anderen fühlt es sich leider eher an wie ein Lauf durch einen Tritt-auf-den-Zehen-Präventionskurs. Partner: Inside Austausch, und alles schwingt wieder wie von selbst.

Viele werden die Pause spüren. Der Körper ist unbeweglicher, aber alles andere ist noch da. Tanzen ist wie Fahrrad fahren. in dem Bepop in Kreuzberg Fliehkraft wirft alle Sorgen um die Pandemie und den Ukrainekrieg ziemlich weit weg. Mit dem Foxtrott kann man ein Stück Leichtigkeit wiederentdecken: Augen schließen und lächeln – das war schon immer eine Kraftquelle. Mögen sie es wieder viel öfter sein. (Annette Kögel)

Eis essen wie die Inkas – mitten in Schöneberg

An manchen Sommertagen ist es in Berlin einfach zu heiß, um irgendwohin zu gehen. Das Einzige, was hilft, sind zwei große Kugeln Eis in einer Waffel, um ein bisschen Kindheitsidylle wiederherzustellen. Wer es etwas ausgefallener mag, sollte Esmeralda’s Inka-Café einen Besuch abstatten.

Hier heißen die Sorten nicht Schokolade, Vanille, Erdbeere, sondern Algarrobina, Guanabana oder Lucuma. Die mehr als 20 verschiedenen Sorten werden in der hauseigenen Eismanufaktur aus lateinamerikanischen Früchten und Zutaten hergestellt. Lucuma beispielsweise schmeckt nussig und nach Honig – Algarrobina wird aus dem Sirup der Johannisbrotbaumschote hergestellt und hat einen karamellartigen Geschmack.

Siehe auch  Linke Attacke "Schlafkabinett Woidke": Brandenburgs Landtag streitet über Tempo der Krisenhilfe

Neben Eis bieten die peruanischen Besitzer auch eine gute Auswahl an Kuchen wie Mango Pie und herzhafte Snacks wie Inca Chicken, Tamales und Empanadas, Inca Kola und peruanischen Bio-Kaffee. (Wanderer Walter)

Sylt-Feeling in Spandau

Urlaubsstimmung? Gerne. Sonnenbrille putzen, Sonnencreme einpacken, Rad oder Pferd mitnehmen – auch das kann auf der Fähre vom Aalemannufer nach Tegelort mitgenommen werden (Person mit Rad: 1 Euro, Reiter mit Pferd: 1,40 Euro). Fast so, als würde man mit der Fähre nach Pellworm oder Amrum fahren – es riecht sogar nach Wasser und Möwen gibt es auch. Nur die Anreise dauert nicht so lange: 150 Sekunden Kurzurlaub.

Wer mag, kann vorher frischen Hering von der Frischetheke im Supermarkt holen, dicke Zwiebeln hacken und alles in ein Brötchen geben. Nordsee-Feeling! Ein tolles Picknick am Havelufer – und dank der Zwiebeln kommt dir keiner zu nahe.

Das Eis auf der sonnigen Terrasse ist super, Empfehlung: Schokolade und Joghurt. Allerdings kostet der Ball satte 1,80 Euro. Wer es eher maritim mag, kann an der Promenade entlangschlendern: Hier bereiten die Matrosen ihre Boote vor. Viel Spaß auf der Reise! (Andre Gorke)

Zurück zur Quelle: Tanken Sie am Zapfhahn in Mitte

Berlins Kneipenkultur ist dynamisch: Jeden Tag taucht eine neue Bar auf, morgen ist sie vielleicht schon wieder weg. Wenn jemand in Berlin eine gute alte Eckkneipe empfiehlt, sollte man damit vorsichtig umgehen. Was gestern noch urig und urig wirkte, ist morgen schon von Touristen überlaufen.

Eine Institution, die wie ein Wunder noch immer ungebrochenen Berliner Charme versprüht, ist die Kneipe „Zur Quelle“ in Alt-Moabit, Ecke Stromstraße. Billiges Schultheiss fließt 24 Stunden am Tag durch den Zapfhahn. Während der Pandemie gewann die Kneipe durch die klare Haltung eines Berliner Stammgasts zusätzliche Sympathiepunkte. Er entgegnete den vorbeiziehenden Querdenker-Demonstranten: „Von diesem Quatsch hier halte ich gar nichts.“

Laut eigener Beschreibung auf Facebook gab es die Kneipe schon, „als Deutschland noch ein Imperium war“. Was könnte dir mehr Kraft geben als solche Standhaftigkeit? (Wanderer Walter)

Lichtenberg: Cruisen durch den Herzbergepark

Klar, Rollschuhlaufen auf dem Tempelhofer Feld ist cool. Aber es gibt auch andere Orte, um nach der Arbeit aktiv zu werden. Wer weiter östlich wohnt – oder ohnehin lieber dort als im Westen wäre – kann sich Inline-Skates, ein Longboard oder ein Fahrrad schnappen. Denn in den Herzbergen in Lichtenberg erwartet Sie ein Kreuzfahrt-Abenteuer.

Im Park finden Sie asphaltierte Wege und minimale Steigungen, die sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen Spaß machen. Auch nach dem Sport lohnt es sich, etwas länger zu bleiben. Keine Angst vor Kitsch: Den Abend mit einem Wegbier auf einer Parkbank im Sonnenuntergang ausklingen zu lassen, ist hier einfach schön. (MW)

Siehe auch  Die Nacht gehört den Schmugglern: Auf Streife mit der Bundespolizei in der Lausitz

Lichtblicke für den Feminismus in Pankow

Auftanken – das kann auch bedeuten, Empowerment zu suchen und zu finden. Vor allem für Frauen, People of Color oder andere Randgruppen, die von den aktuellen Krisen viel stärker betroffen sind. Eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts war Audre Lorde. Mit ihren leidenschaftlichen Texten prägte die lesbisch-schwarze afroamerikanische Autorin und Dichterin maßgeblich den feministischen Diskurs der 1980er Jahre und war auch persönlich dafür bekannt, andere Frauen und People of Color in ihrem Alltag zu stärken.

Jeden dritten Montag im Monat wird im Kino Lichtblick in Prenzlauer Berg der Dokumentarfilm „Audre Lorde – Die Berliner Jahre 1984 bis 1992“ gezeigt. Der Film vermittelt Audre Lordes Beiträge zum intersektionellen Feminismus und deren Einfluss auf die deutsche Kulturlandschaft. Nach diesem Film geht man nicht nur klüger, sondern auch mit neuen Kraftreserven nach Hause.

Natürlich lohnt sich auch ein Blick auf die vielen anderen spannenden Filme im kleinen Programmkino. (Wanderer Walter)

Namasté: Hindutempel in Neukölln

Yogakurse, Meditationsworkshops und Namasté-Spruchkarten – hinduistische und buddhistische Praktiken sind in aller Munde. Die Pandemie hat den Trend deutlich verstärkt. Aber das Wissen um die spirituellen Ursprünge der Praxis ist weniger verbreitet. Zeit, das zu ändern: Denn in Berlin-Neukölln gibt es auch hinduistische Tempel zu sehen.

Neben dem seit sechzehn Jahren im Bau befindlichen Tempel in Hasenheide, der unter Anwohnern oft mit dem BER verglichen wird, gibt es in Neukölln einen weiteren hinduistischen Tempel: den Sri Mayurapathy Murugan Tempel in Britz. Das Gebäude gilt als eines der buntesten Gebäude Berlins. Hier finden Gottesdienste, Meditationen und gelegentlich Prozessionen statt. Wer sich freundlich und respektvoll verhält, kann in der Regel auch als Nichtgläubiger an allen Veranstaltungen teilnehmen. Aufgrund der etwas unübersichtlichen Website der Gemeinde weiß man jedoch selten genau, was einen hier erwartet.

Wem das alles ein bisschen zu bunt ist, der kann natürlich auch an einem der vielen Sport- und Yogakurse teilnehmen, die bei schönem Wetter fast täglich in der Hasenheide stattfinden. (Wanderer Walter)

Mechanik und Keramik in Marzahn-Hellersdorf

Alt-Marzahn gehört zu den Gegenden in Berlin, die immer wieder unterschätzt werden. Mitten in der Stadt erleben Sie Dorfromantik pur. Allein schon wegen der alten Bockwindmühle lohnt sich ein Ausflug dorthin. Bei einer Führung durch die Mühle erfahren Sie alles über den Beruf des Müllers im 19. Jahrhundert und die Grundlagen der Mechanik.

Ein paar Straßen weiter gibt es im „Schamottchen“ noch mehr altes Handwerk zu lernen: In der idyllisch gelegenen Kunst- und Keramikscheune können Besucher in verschiedenen Werkstätten den Umgang mit Ton und Keramik erlernen.

Was könnte die innere Ruhe besser zurückbringen, als die weiche Lehmmasse unter den Händen zu spüren und der Kreativität freien Lauf zu lassen? Für diejenigen unter Ihnen, die sich auch gefragt haben: „Schamotte“ bedeutet übrigens bereits gebrannter und gemahlener Ton, der mit frischem Ton vermischt wird, um ihn noch formbarer zu machen. Wieder etwas gelernt. (Wanderer Walter)

Siehe auch  Engagement herausfordern: So soll Berlin Hürden für Pflegeeltern abbauen

Surfen und Träumen in Steglitz-Zehlendorf

Als Berlin noch die Mauer durchbrach, fuhren die Westberliner zunächst durch die Transitzone und dann meist durch Westdeutschland, um zu einem Urlaubsort zu gelangen. Aber um Urlaubsfeeling zu bekommen, könnte man auch vor der Durchgangszone abbiegen: Denn diesen Ort gab und gibt es mitten im grünen Wald in Zehlendorf. Spanische Allee auf die Autobahn, die Spinnerbrücke links verlassen und dann rechts Richtung Stadtstrand abbiegen.

Hier schlüpften Wassersportler auf dem Boot der Windsurfschule am großen Fenster in ihre Neoprenanzüge und glitten dann auf dem Brett über die Havel, die sich hier ein bisschen wie Ostsee anfühlt. Stadt, Stress, alles meilenweit entfernt. Die Natur an der Havelchaussee ist trotz der sommerlichen Algenteppiche immer noch eine Großstadtoase. Perfekt für den Sonnenuntergang – einfach zum Träumen. (Annette Kögel)

Ostalgische Ansichten in Treptow-Köpenick

Es gibt wenige Orte in Berlin, an denen man weit schauen kann. Neben dem Tempelhofer Feld sind dies vor allem die Ufer der Spree – die in der Innenstadt meist weder besonders schön noch besonders ruhig sind. Der Ausflug nach Schöneweide zum ehemaligen DDR-Radiosender lohnt sich also: Hier blickt man, auf einer großen Wiese stehend, über das Wasser auf den Plänterwald oder stromaufwärts auf die Rummelsburger Bucht mit ihren kleinen Inseln und den mächtigen Industriebauten im Hintergrund . Das ist nicht gerade die klassische Bilderbuchansicht, aber gerade deswegen auch schön.

Gleichzeitig strahlt das Areal rund um das Sendezentrum eine Ruhe aus, als wäre man im vertrauten Garten der Großeltern. Ob neben Johannisbeersträuchern, an der breiten Mauer zum Fluss oder einer der Bierbänke zwischen hohen Bäumen und historischen Straßenlaternen – hier findet jeder ein Plätzchen. Dazu gibt’s gute Pizza und Weißwein. Und wenn Sie länger bleiben, können Sie sich schließlich vom sanften Plätschern der Rasensprenger in Meditation wiegen lassen. (Jana Weiss)

Über den Dingen schweben in Reinickendorf

Dieser 85,3 Meter hohe Hügel war einst eine Müllhalde – so typisch für Berlin. Und noch heute nennen ihn die Bewohner des Märkischen Viertels „Müllberg“, obwohl die Stadt Berlin 2010 einen Umbenennungswettbewerb ausgeschrieben hat. Die Lübarserhöhe ist eigentlich ein sehr abgelegenes Fleckchen in Reinickendorf. Der Gipfel ist über verschiedene leicht zu findende Wege leicht zu erreichen.

Von oben hat man einen Blick auf weite Wiesen, markante Platten, den Fernsehturm und die Arkenberge. Und vielleicht findet man hier mit etwas Abstand eine neue Perspektive auf die eigenen Probleme. Am Wochenende heben Drachen und Gleitschirme ab, Picknickdecken werden auf dem Boden ausgebreitet. (Lisa Erzsa Weil)

<

p class=“Bt“>

Kommentar verfassen

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"

Adblock erkannt!

Adblocker speichern und verwenden Ihre personenbezogenen Daten und verkaufen diese u.U. an Dritte weiter. Schalten Sie in Ihrem und unserem Interesse den Adblocker aus. Keine Angst, wir verwenden keine Popups oder Umleitungen. Ein paar kleine, unauffällige Banner finanzieren uns einen Kaffee. Sonst gibt's hier keine Werbung.