Berlin

Prävention von sexuellem Missbrauch: Das Theaterstück „Trust You“ soll Berliner Schülerinnen und Schülern Selbstvertrauen geben

Vladimirs Großmutter geht es gut, sie hat immer Schwarzwälder Kirschtorte und Eis. Aber die Tatsache, dass sie ihn jedes Mal mit schlampigen Küssen überschüttet, wenn er ihn begrüßt, ist wirklich nervig. Mit zehn muss man das wirklich nicht mehr haben. Andererseits ist Vladimir auch verdammt schüchtern, er traut sich nicht, seiner Großmutter zu sagen, dass sie Abstand halten soll. Was tun in so einem Fall?

Diese Frage stellten die Schauspieler der „Kompanie Kopfstand“ am Montag rund 80 Schülern. Sie saßen im Zuschauerraum eines Theaters im Wedding, hatten gerade das Stück „Trau Dich“ gesehen und sollten nun Antworten geben.

Es gab originelle („Man sagt, du hast Corona“) und pragmatische („Du schreibst deiner Oma einen Brief über deine Probleme“ oder „Du bittest deine Mutter um Hilfe“), aber es ging immer in die richtige Richtung: Lösungen , äh Gefühle ausdrücken, Grenzen setzen, notfalls jemanden zur Hilfe holen.

Der erste, wichtige Baustein für das eigentliche, große Thema dieses Stücks – die Prävention von sexuellem Missbrauch – ist die Entwicklung von Selbstbewusstsein, aber auch die Sensibilisierung von Lehrern und Eltern für die Alarmsignale von Kindern.

„Vertraue dir selbst“ ist eine Initiative des Bundesfamilienministeriums und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Seit 2011 können die Bundesländer dieses Projekt in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale an ihren Schulen umsetzen. Elf Länder haben es bereits übernommen, sechs davon dauerhaft.

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Berlin ist seit Montag eines dieser sechs Bundesländer. „Trust You“ wird seit 2017 in der Hauptstadt aufgeführt, bisher hat die Bundeszentrale den Großteil der Kosten übernommen. Seit Montag finanziert Berlin das Projekt allein mit 90.000 Euro pro Jahr.

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Es ist damit dauerhaft in der Stadt etabliert. Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) war bei der Lizenzübergabe im Theater anwesend. „Nun werden die bestehenden Präventionsangebote für sexuellen Missbrauch im Land um eine weitere Komponente erweitert“, sagte sie.

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Das Projekt umfasst auch Schulungen für Lehrer und andere pädagogische Fachkräfte. Vor den Vorstellungen erhalten die Eltern außerdem Informationen zum Stück und Tipps für das Gespräch mit ihren Jungen und Mädchen.

Ziel ist es immer, Kindern das Selbstvertrauen zu geben, sich Lehrern, Eltern oder Hilfestellen anzuvertrauen, wenn sie sexuelle Belästigung oder gar Missbrauch erleben.

„Leck Oma einfach ab, dann weiß sie, wie es ist.“

Bisher haben 6.784 Schüler „Trust You“ bei 28 Vorstellungen in Berlin gesehen. Zielgruppe sind Jungen und Mädchen im Alter von acht bis zwölf Jahren. An dem Projekt sind Fachabteilungen wie „Wildwasser“, „Berliner Jungs“ oder „Strohhalm“ beteiligt.

Bisher haben 652 Lehrkräfte und andere pädagogische Fachkräfte an 31 Fortbildungen teilgenommen. 39 Elternabende wurden von 669 Erziehungsberechtigten besucht.

Ein Student auf dem Podium lieferte die wohl überzeugendste Lösung für Vladimirs Problem: „Schleck mal Oma, dann weiß sie, wie es ist.“

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