Berlin

Operation Wrath of God: Israels Jagd auf die Münchner Terroristen

Für die palästinensischen Attentäter war es ein Putsch. Elf israelische Sportler vor den Augen der Weltöffentlichkeit entführt, die Sorge der Terroristen auf allen Titelseiten.

Für Israel bedeuteten die Entführung und Ermordung der Athleten jedoch nicht nur Schmerz, sondern auch Schande. Eine, die der junge Staat nicht auf sich sitzen lassen wollte.

Nur wenige Tage nach dem Attentat von München berief Israels damalige Ministerpräsidentin Golda Meir einen Sonderausschuss von Sicherheitsexperten ein. Diese geheime Gruppe entwickelte Pläne für eine Spezialoperation namens „Gottes Zorn“: Alle, die direkt oder indirekt an dem Attentat in München beteiligt waren, sollten getötet werden.

Jerusalem wollte die Attentäter streng bestrafen, um Nachahmer abzuschrecken

Dahinter steckte weniger Rachegelüste als Kalkül: Angesichts des öffentlichkeitswirksamen Anschlags müsse Israel die Täter hart und spektakulär bestrafen, um potenzielle Nachahmer abzuschrecken.

Bis heute sind viele Details der geheimen Operation unbekannt. Werke wie Steven Spielbergs Film „München“ mögen zwar der Unterhaltung dienen, aber nicht der historischen Bildung. Allerdings haben verschiedene Autoren im Laufe der Jahre versucht, der Wahrheit zumindest nahe zu kommen.

Für die Durchführung der Morde wurde ein Team zusammengestellt, dem neben Agenten des Auslandsgeheimdienstes Mossad auch Spezialeinheiten der Armee angehören sollen. Ihre erste Aufgabe war es, die Schuldigen zu finden.

Drei der ursprünglich acht Attentäter hatten den erfolglosen Versuch deutscher Polizisten, die Geiseln zu befreien, überlebt; nur kurze Zeit nach dem Münchner Attentat entließ die Bundesregierung sie aus der Haft, nachdem andere Terroristen eine Lufthansa-Maschine entführt hatten, um sie zu befreien.

Israel identifiziert 20-30 Palästinenser als Ziele

Zudem identifizierten die Israelis rund 20 bis 30 weitere Palästinenser, die an der Planung des Anschlags beteiligt gewesen sein sollen, Mitglieder der Terrororganisation „Schwarzer September“ sowie Vertreter der PLO.

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Ihr erstes Opfer war Abdel Wael Zwaiter, Vertreter der PLO in Italien. Mossad-Agenten brachen in sein Haus ein und schossen mehrmals auf den Mann. In den folgenden Monaten folgten weitere Attentate in verschiedenen europäischen Ländern sowie waghalsige Attentatsversuche auf führende Mitglieder des Schwarzen Septembers und der PLO im Libanon.

1973Israelische Agenten einen unschuldigen marokkanischen Kellner töten

Im Sommer 1973 unterlief den Agenten jedoch ein tragischer Fehler. In Norwegen sollten sie Ali Hassan Salameh, den Anführer des „Schwarzen Septembers“, liquidieren. Stattdessen erschossen sie den marokkanischen Kellner Ahmed Bouchiki; ein Informant hatte den Mann offenbar fälschlicherweise als den Gesuchten identifiziert.

Sechs Mitglieder des Killerkommandos, vier Männer und zwei Frauen, wurden daraufhin in Norwegen festgenommen und zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Premierministerin Golda Meir kündigte das Ende der Operation an.

Dies stellte sich jedoch als vorübergehend heraus. Fünf Jahre später beschloss ihr Nachfolger Menachem Begin, die Aktion fortzusetzen. Nach mehreren gescheiterten Versuchen gelang es israelischen Agenten 1979, den echten Hassan Salameh in Beirut mit einer Autobombe zu eliminieren.

Doch der Preis war hoch: Die Explosion tötete und verletzte mehrere Passanten. In den folgenden Jahren kam es zu weiteren Angriffen auf palästinensische Führer; Allerdings ist bis heute unklar, ob der Mossad, andere Geheimdienste oder gar interne Rivalen dahintersteckten.

Inwieweit die Aktion der nationalen Sicherheit Israels diente, ist bis heute umstritten. Jedenfalls hat sie maßgeblich zum Ruf des Mossad als besonders wagemutiger, fähiger, vielleicht auch skrupelloser Geheimdienst beigetragen.

Bis heute schreckt der Geheimdienst vor gezielten Tötungen nicht zurück

Soweit wir wissen, hat der Dienst seitdem nie wieder eine vergleichbare Kampagne durchgeführt; Bis heute schreckt er jedoch nicht vor gezielten Liquidationen zurück, wie der Fall des Hamas-Funktionärs Mahmoud al Mabhuh nahelegt, der 2010 von mutmaßlichen Mossad-Agenten in einem Hotel in Dubai getötet wurde.

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Kürzlich brachte der Mossad Nachrichten ganz anderer Art: Seine Frauen machen Karriere. Ein Agent leitet nun den internen Aufklärungsdienst des Mossad, ein zweiter die so wichtige Iran-Abteilung.

Israels Feinde sollten sich keineswegs beruhigen: Golda Meir brach endlich mit dem Klischee weiblicher Sanftmut – sie gab grünes Licht für die Operation „Gottes Zorn“.

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