Berlin

Neues BVG-Pilotprojekt in Berlin: Kann Wärme aus der U-Bahn ein Kaufhaus beheizen?

Die BVG will die Wärme der U-Bahn nutzen. Die Berliner Verkehrsbetriebe prüfen derzeit an zwei Standorten, ob und wie die Wärme in ihren Tunneln genutzt werden kann. Dazu wurden Partnerschaften mit zwei großen Energieunternehmen vereinbart. Am Hermannplatz könnte die Hitze das Karstadt-Kaufhaus beheizen, das direkt neben dem Bahnhof liegt.

Im Mai 2022 hat die BVG bei Vattenfall am Bahnhof Turmstraße eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um das Potenzial einer Wärmepumpe zu evaluieren. Auf Anfrage des Tagesspiegels bestätigte die BVG damit einen Hinweis im „Berliner Verkehrsblatt“.

Das bestätigte auch eine Eon-Sprecherin, wollte aber keine weiteren Details nennen, da die Verträge noch nicht unterzeichnet seien. Die Sprecherin betonte jedoch, dass Eon an mehreren Orten in Berlin in der Produktion alternativer Energien aktiv sei. So soll das neue Estrel-Hochhaus in Neukölln unter anderem mit Wärme aus einer Kanalisation versorgt werden.

In der kalten Jahreszeit sei es in einer U-Bahn-Station etwa drei bis vier Grad wärmer als draußen – das reiche aus, um mit einer Wärmepumpe „klimafreundlich regenerative Heizenergie“ zu erzeugen, sagte ein BVG-Sprecher. Die Bedingungen am Hermannplatz sind günstig: So gibt es neben den Gleisen eine größere Aufstellfläche für sogenannte Vertikaltischkühler. Damit könnte die Wärmepumpe im Sommer auch in zweiter Funktion für Kühlung sorgen – denn in heißen Sommern ist es in den Tunneln kühler, das wissen auch die Fahrgäste.

Ein ähnliches Projekt scheiterte 2013

Wie ein BVG-Sprecher sagte, werden die Ergebnisse beider Studien nun ausgewertet. Gegenüber Kanalisationen haben U-Bahn-Tunnel einen Vorteil: Die fahrenden Züge schieben die warme Luft vor sich her und damit zu den „Tischkühlern“. Diese Geräte werden in der Industrie eingesetzt, um überschüssige oder technisch nicht mehr nutzbare Wärme durch Wärmeaustausch zu nutzen.

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Ganz neu ist die Idee nicht, auch nicht bei der BVG. Vor zehn Jahren entstand die Idee, die Paulskirche am Gesundbrunnen mit Wärme aus dem U-Bahnhof Pankstraße zu versorgen. Das Projekt scheiterte 2013, weil das Zentralamt Tiefbau es kategorisch ablehnte, wie der Tagesspiegel damals berichtete.

Die Behörden wollten keine „fremden“ Pfeifen – nämlich solche aus der Kirche – in der Straße haben. Wie der ehemalige Pfarrer von St. Paul, Andreas Hoffmann, berichtete, gab es noch einen Vermittlungsversuch des damaligen Stadtrats Ephraim Gothe, dass die Leitungen von Vattenfall verlegt werden könnten. Vergeblich.

Seitdem sind zehn Jahre vergangen, und die Bedingungen haben sich vor allem in den letzten Monaten radikal verändert. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat die bisherige Energieversorgung erschüttert, erneuerbare Energien gelten als Rettung. Erleichtert wird die Nutzung durch das neue Berliner Gebäudeenergiegesetz (GEG) vom November 2020. Neben der Fernwärme sollen bis 2035 auch alle anderen Formen der Wärmeerzeugung klimaneutral werden.

Als vor wenigen Wochen neben dem gleichnamigen Hotel das Hochhausprojekt „Estrel Tower“ vorgestellt wurde, lobte der Energiekonzern Eon, dass „Berlin die ambitionierteste Klimaschutzstrategie Deutschlands verfolgt“. Deshalb sei Berlin „ein wichtiger und äußerst interessanter Markt“ für Eon, formulierte Manager Stefan Håkansson. Bis 2025 plant Eon den Start neuer Energieinfrastrukturprojekte mit einem Volumen von bis zu 80 Megawatt Leistung, genug, um 16.000 Haushalte mit grüner Energie zu versorgen.

Auch das neue Hochhaus am Alexanderplatz gilt als Leuchtturmprojekt, wo Eon allein mit Erdwärme 300 Kilowatt Wärme und 240 Kilowatt Kälte erzeugen will. Dafür werden 57 Pfähle in den Boden gebohrt, die dann der Erde Wärme entziehen.

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Ähnliches wird in der Stuttgarter U-Bahn getestet. Dort wurden in die Betonröhren eines neuen Tunnels sogenannte Absorberrohre integriert, die der Erde Wärme entziehen sollen. In die BVG-Tunnel soll es Berliner Luft bringen. Das älteste Projekt kommt von der BVG selbst: Seit gut zehn Jahren wird warme Luft in die Betriebsleitzentrale an der Turmstraße gepumpt.

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