Berlin

Neuer Lieferservice aus Berlin: „Alpakas“ will auf Plastik verzichten

Eine einschlägige Suchmaschine weiß es: „Alpakas sind eine domestizierte Kamelart aus den südamerikanischen Anden. Wie alle Kamele sind sie soziale Tiere und kommen am besten in Gruppen zurecht.“ Seit knapp einem Jahr hat der Name „Alpakas“ in Berlin eine andere Bedeutung. Er steht für Deutschlands ersten Lieferservice für unverpackte Lebensmittel.

Wir wollen ein kooperatives Arbeitsumfeld schaffen, sozusagen eine Herde

Alpaka-Co-Gründer Simon Chorzelski

„Um den Namen Alpaka ranken sich viele Geschichten. Zunächst einmal steht es für alternative Verpackungen“, erklärt Gründer Simon Chorzelski. „Gleichzeitig soll es unsere Unternehmensstrategie widerspiegeln. Wir wollen ein kooperatives Arbeitsumfeld schaffen, sozusagen eine Herde.“ Das angenehme Arbeitsklima beziehe sich insbesondere auf die Arbeitsbedingungen der Fahrer, sagt Chorzelski.

Damit soll man sich deutlich vom Wettbewerb abheben. Der Gorillas-Lieferdienst wurde mehrfach für die harten Arbeitsbedingungen kritisiert. Endlich soll dort ein System eingeführt werden, das schnellere Fahrer bevorzugt, berichtete Der Spiegel: Martin Bechert, gesetzlicher Vertreter des Gorillas-Betriebsrats, kritisierte dieses Vorhaben als „asozial“. Die Alpaka-Fahrer hingegen sitzen auf E-Lastenrädern mit Regenschutz und verdienen mehr als Mindestlohn plus Trinkgeld, bestätigt Chorzelski.

Der Versuch des Unternehmens, Nachhaltigkeit durch biozertifizierte Produkte und Mehrwegsysteme ganzheitlich zu denken, ist die Fortführung der Idee der Unverpackt-Läden. „Mit einem unverpackten Lieferservice vereinfachen wir die Prozesse für Kunden. Im Unverpackt-Laden muss man seine eigenen Behälter mitbringen und die Lebensmittel selbst abfüllen – bei manchen Kunden ist die Hemmschwelle hoch.“ Bei Alpakas hingegen soll es ganz einfach sein.

Sie bestellen über die App oder den Webshop, wählen eine Lieferzeit und lassen sich die Lebensmittel per E-Bike direkt vor die Haustür liefern, zu Preisen wie im Bio-Laden. Die Lieferung funktioniert nach dem bewährten Milchmann-Prinzip: Bei Bestellung bis 17 Uhr erhalten Sie Ihre Ware noch am selben Abend. Die Mehrwegbehälter werden wieder abgeholt und das Pfand dem Kunden gutgeschrieben.

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„Zu Hause habe ich früher Nudeln, Reis und Linsen aus Plastikbehältern in alte Gurken- und Einmachgläser gefüllt“, sagt Chorzelski. Als während der Pandemie die ersten Lieferdienste aus dem Boden schossen, sah er eine Marktnische und beschloss, diese zusammen mit Tomy Eitner und Antony Roczek zu gründen.

Die Mittzwanziger bis Mitte Dreißiger sind keineswegs unerfahren, in ihren Lebensläufen stehen Stationen bei Amazon, Lidl, KPMG und The Boston Consulting Group. „Wenn man sich andere Lieferdienste anschaut, ist das einzige Unterscheidungsmerkmal: Die gleiche Ware kommt wie bei Rewe, nur schneller.“ Alpakas hingegen decken möglichst viele Stufen der Wertschöpfungskette selbst ab. „Wir beziehen die Ware von unseren Lieferanten und füllen selbst nach. Bei fast keinem dieser Schritte wird Plastik verwendet.“

Das Projekt ist langfristig angelegt, Chorzelski spricht von mindestens zehn Jahren. Der Markt: „Deutschland reicht uns erstmal. Wenn wir alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern abdecken wollen, haben wir noch einige Zeit Arbeit vor uns.“ Im Durchschnitt geben deutsche Haushalte rund 15,4 Prozent ihrer Konsumausgaben für Lebensmittel und Getränke aus. Online-Verkäufe sind noch gering, 2020 machten sie zwei Prozent des Lebensmittelumsatzes in Deutschland aus. Für Chorzelski bietet der Wert genügend Wachstumspotenzial. Auch die Investoren sind vielversprechend: Neben den Business Angels Verena Pausder und Nils Herrmann (Deutschland-Chef von HelloFresh) investieren institutionelle Investoren wie Vorwerk Ventures, FoodLabs & Blue Impact Ventures in das Start-up.

2 Prozent des Lebensmittelumsatzes werden online generiert.

Angefangen hat alles mit der ersten Finanzierungsrunde im September vergangenen Jahres, zunächst mit knapp einem Dutzend Mitarbeitern und einem sehr kleinen Sortiment. Mittlerweile hat das Unternehmen einen weiteren Standort in München und deckt die meisten Berliner Stadtteile mit Lieferungen ab. „Insgesamt arbeiten mehr als 80 Menschen für uns, der Großteil davon im operativen Bereich – also beim Verpacken und bei der Warenauslieferung. Unser Hauptaugenmerk liegt auf der reibungslosen und liebevollen Zustellung“, so Chorzelski.

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Auch das Sortiment ist sehr schnell auf mehrere hundert Produkte angewachsen, im Lager reihen sich Nüsse, Basisprodukte wie Nudeln und Reis neben Schoko-Snacks und Drogerieartikeln aneinander. Avocados oder Mangos sucht man vergebens, der Fokus liegt regional – soweit möglich. „Trotz allem arbeiten wir kundenorientiert und nicht vegan, weshalb wir auch Fleisch oder das ein oder andere Tiefkühlprodukt anbieten.“

Zudem seien Fleischalternativen fest mit Plastik verheiratet, stellt Chorzelski fest. Das Unternehmen sieht dies jedoch eher als Herausforderung und sucht aktiv nach Tofu in Gläsern, auch von kleinen Manufakturen. Gegen 16:30 Uhr surrten die ersten Fahrer auf ihren E-Cargo-Bikes vor der Lagerhalle vorbei, die kleinen Vehikel erinnerten an den Italian Ape, einen Mini-Transporter mit drei Rädern statt Fahrrädern. Marketingleiter Maik Welland erinnert sich an seine Anfänge im Unternehmen. „Ich bin schon sehr früh ins Team eingestiegen, unter anderem weil mich das Konzept überzeugt hat und weil mir ein junges Unternehmen gute Aufstiegschancen bietet.“

Am meisten liebt und pflegt Welland den Kundenkontakt. „Wir bitten um Feedback, wir führen jede Woche lange Telefonate mit unseren Kunden.“ Alle Rückmeldungen werden intern kommuniziert und in einen Slack-Kanal gestellt. „Dann lesen das alle, und das motiviert uns.“ Die Alpaka-Herdenmentalität breitet sich bei den Kunden aus, Sortiment, Lieferzeiten und Verpackungen werden laufend angepasst. Es gab keine klare Zielgruppe. Welland spricht von vielen jungen Familien. „Fridays for Future ist ein Dauerthema in der Schule, das merken wir hier.“ Klar ist, dass sich der Kundenstamm die Bio-Lieferungen finanziell leisten kann.

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