Berlin

Lieferservice für asiatische Lebensmittel: So will sich das Berliner Start-up GoTiger behaupten

Das Berliner Start-up GoTiger liefert Wasabi-Nüsse, Algenchips und japanisches Bier bis vor die Haustür. Aber es gibt auch Fleisch, Fisch und Tofu zum Kochen. Zum Gründungsteam gehören mehrere ehemalige Gorillas-Manager. Doch anders als die Konkurrenz sei das Geschäftsmodell nicht auf schnelles Wachstum ausgerichtet, sagt Mitgründer Yang Zou.

Als Teenager habe er in asiatischen Lebensmittelgeschäften eingekauft, sagt Zou. Geboren ist er in China, doch die Zunge verrät es: Aufgewachsen ist der heute 30-Jährige im Ruhrgebiet, genauer gesagt in Essen. Als Migrant der zweiten Generation ging es ihm beim Blick auf die Verpackung wie den meisten anderen Deutschen: „Ich habe kaum etwas verstanden.“

Ein Angebot für alle, nicht nur für Genießer

Rund 80 Asia-Läden gebe es in Berlin, sagt Zou. Aber ihr Angebot richtet sich in erster Linie an die asiatischen Communities. Daher werden Kenntnisse über die Produkte und deren Anwendung vorausgesetzt, die Kunden ohne diesen Hintergrund nicht haben.

Zou findet das seltsam, denn das Interesse an asiatischem Essen ist sehr groß. Fast ein Drittel der Restaurants in Berlin bieten asiatische Speisen an, rechnet er vor. Es müsse also viel Potenzial bei Menschen geben, die zu Hause asiatisch kochen wollen, sagt er. Aus dieser Beobachtung entstand die Idee zu GoTiger.

Yang Zou studierte in Köln, Mannheim und New York. Er hat als Investor gearbeitet, unter anderem beim Risikokapitalgeber Speedinvest, und auch mehrere Start-ups mitgegründet. GoTiger gründete er Anfang 2022 zusammen mit Cathal Corcoran, Moritz Fritzen, David Damjakob und James Vosper Robinson.

Wir verkaufen keine Hühnerfüße oder Entenblut.

Yang Zou, Mitbegründer von GoTiger

Einzelhandelsexpertin Cathal Corcoran war zuvor Commercial Director beim Schnelllieferdienst Gorillas. Zuvor war er 19 Jahre für den Discounter Lidl tätig, zuletzt in Führungspositionen in den USA und Irland.

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Auch Marketingspezialist Moritz Fritzen und James Vosper Robinson waren vor der Gründung von GoTiger bei Gorillas tätig. Dort leitete Robinson den Logistikbereich im deutschsprachigen Raum. David Damjakob ist offenbar der Experte für Finanzen, hatte zuvor Stationen bei der Unternehmensberatung McKinsey und Econos, einer Plattform für grüne Investments.

Fahrzeuge und Lager wurden von Bring.de übernommen

GoTiger ist seit Juli für Kunden in Berlin verfügbar. Der Lieferdienst für asiatische Lebensmittel war zuvor in einer Testphase aktiv. Zunächst wurde die Geschäftsidee mit einem browserbasierten Shop für Smartphones erprobt – mit Testkunden und begrenztem Sortiment. Für die Lieferungen war zunächst der Dienstleister Dropp zuständig.

Ende Juni kaufte GoTiger seinen Online-Supermarkt Bring.de vom Berliner Unternehmer Orhan Mertyüz. Es ging nur um die Logistik, sagt Yang Zou. Mertyüz, der aus dem Taxigewerbe kommt, hat ein professionelles Liefersystem von Elektroautos und -rollern aufgebaut, doch die Marke Bring.de war Endkunden kaum bekannt.

GoTiger profitiert nun vom bestehenden Logistiknetzwerk. Die Lieferung erfolgt nicht sofort wie bei Flink oder Gorillas, sondern in Zeitfenstern. Auf diese Weise können mehrere Kunden nacheinander beliefert werden. Das senkt die Kosten.

Auch der Konkurrent Yababa, der türkische und arabische Lebensmittel liefert, setzt auf ein solches System. Weil es keine schnelle Lieferung mit Fahrradkurieren gibt, braucht es auch keine Filialen in der Nachbarschaft. Das erspart GoTiger auch Ärger mit der Nachbarschaft. Schnelle Lieferdienste erhalten oft Beschwerden über Lärm und Räder auf dem Bürgersteig.

Der Hauptsitz von GoTiger befindet sich in der Nähe des Großmarktes Beusselstraße, von wo das Start-up auch einen erheblichen Teil seiner Waren bezieht. GoTiger hat nach eigenen Angaben fast 1.000 Artikel im Sortiment, die größtenteils von asiatischen Herstellern und spezialisierten Importeuren stammen. Frische Ware wird auch von großen Playern geliefert, wie Fleisch von der Rewe Group und Fisch von der Deutsche See GmbH.

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Lernen Sie mit GoTiger zu kochen

Der Fokus liegt auf Lebensmitteln, die für die Kunden leicht zugänglich sind: „Wir verkaufen keine Hühnerfüße oder Entenblut“, sagt Yang Zou und lacht. Sein Unternehmen hingegen möchte den Menschen Rezepte für leckere Gerichte zeigen, die sie ohne großen Aufwand selbst zubereiten können. „Asiatisches Kochen ist keine Raketenwissenschaft.“

In der App lassen sich beispielsweise Rezepte wie „vietnamesisch inspirierte Sommerrollen“ oder „klassisches Pad Thai“ abrufen. Die Zutaten dafür werden direkt unten angeboten.

Derzeit experimentiert sein Team mit kurzen Videos im Stil des sozialen Netzwerks TikTok, nicht länger als eine Minute. Ziel ist es, Kochtipps leicht verständlich und unterhaltsam zu vermitteln.

GoTiger hat es nicht eilig zu wachsen, wenn man dem Gründer glaubt. Das vorläufige Ziel sei ein monatlicher Umsatz von rund 100.000 Euro bei gleichzeitiger Profitabilität und hoher Kundenbindung, sagt Yang Zou. Wenn man in diesem Sinne erfolgreich sei, würden Investoren von selbst kommen, etwa weil sie die Expansion in andere Märkte für erfolgversprechend halten, glaubt er.

Tatsächlich hat das Gründerteam kaum eine Wahl. Der Markt hat sich in den letzten Monaten grundlegend verändert. Aufgrund höherer Leitzinsen ist es für Start-ups deutlich schwieriger geworden, an Geld von Investoren zu kommen. Und Lieferdienste kämpfen mit einer geringeren Nachfrage, da die Verbraucher aufgrund der Inflation sparsamer geworden sind.

Deshalb klingt Zou weniger wie ein Start-up-Überflieger als wie ein klassischer Handelsunternehmer, wenn er sagt: „Ich möchte in ein paar Jahren zurückblicken und sehen, dass ich etwas aufgebaut habe.“

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