Berlin

Kostenlose Tablets für alle Berliner Schüler?: „Das ist weder sozial gerecht noch ökologisch“

Herr Krüger, was haben Rot-Grün-Rot mit der Schuldigitalisierung vor? Im Haushalt 2022/23 stehen 24 Millionen Euro, da tut sich nichts. Oder ist es?
Wir wollen Schülerinnen und Schülern digitales Lernen in der Schule ermöglichen. Neben Mitteln für Weiterbildung und Medienkompetenzzentren haben wir 2022 insgesamt neun Millionen Euro für digitale Endgeräte bereitgestellt, 2023 werden es sogar 15 Millionen sein. In diesem Jahr konnte das Geld für die Endgeräte nicht ausgegeben werden, jetzt müssen wir alles dafür tun, dass die geplanten Millionen auch im nächsten Jahr noch ausgegeben werden können.

Wovon hängt es ab?
Die Bildungsverwaltung muss dieses Jahr ein Konzept vorlegen, wie das Geld ausgegeben werden soll. Ein solches Konzept wurde bereits im März vorgestellt, hatte aber deutliche Mängel, sodass wir als Koalition eine Überarbeitung forderten. Erst im August wurde uns ein neuer Vorschlag vorgelegt, der sich zu meiner großen Enttäuschung nicht wesentlich von dem im März unterbreiteten unterscheidet. So haben wir ein halbes Jahr verloren.

Viele Studenten besitzen bereits ein digitales Gerät.

Ludwig Krüger

Sie sprechen von klaren Mängeln. Kannst du genauer sein?
Das Konzept der Bildungsverwaltung sah eine 1:1-Ausstattung aller Schüler mit Endgeräten vor. Was zunächst gut klingt, entpuppt sich auf den zweiten Blick als unvollständig. Dies liegt vor allem daran, dass viele Studierende bereits über ein digitales Gerät verfügen, darunter auch finanziell benachteiligte Kinder und Jugendliche, die bereits Geräte durch das Bildungs- und Teilhabepaket erhalten haben. Darüber hinaus haben viele Schulen Geräte aus ihren eigenen Finanzierungsquellen angeschafft. Bei einer Strategie der 1:1-Ausstattung würden wir die Studierenden doppelt mit Geräten ausstatten. Das ist weder sozial gerecht noch ökologisch.

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Für eine 1:1 Ausstattung müssten 350.000 Geräte beschafft werden. Reicht das Geld dafür aus?
Nein, und darin liegt das zweite Problem. Mit den 15 Millionen Euro im Jahr 2023 könnten bei einer 1:1-Ausstattung rund zwei bis drei Jahrgänge beliefert werden. Alle anderen Schüler würden nichts bekommen. Zudem fehlt es an Mitteln für Informatiker und Medienpädagogen.

Wenn Ihnen der Vorschlag der Bildungsverwaltung nicht gefällt, welchen Weg schlagen Sie vor?
Wir Grüne plädieren für eine Poollösung. Das bedeutet, dass jede Schule zum Beispiel halb so viele Geräte bekommt, wie sie Schüler hat. Wie die Geräte dann in der Schule verteilt werden, sollte jede Schule eigenständig und nach pädagogischen Maßstäben entscheiden.

Wie könnte das konkret aussehen? Welche Optionen gibt es?
Das kann bedeuten, dass in jeder Klasse die Hälfte der Schüler die Geräte von der Schule bekommt und die andere Hälfte ihre eigenen Geräte mitbringt. Oder dass es in der Schule eine Ausleihstation gibt, die jeder nach Bedarf nutzen kann. So könnten statt nur zwei bis drei Jahren alle Gemeinschaftsschulen, Integrierten Realschulen und Gymnasien auf einmal ausgestattet werden.

Wegen der Pandemie hatte die SPD-geführte Bildungsverwaltung in der vergangenen Legislatur 50.000 Tablets für Lehrer und andere Beschäftigte angeschafft. Einige wurden nie eingeschaltet. Bedroht dies auch Schülergeräte?
Wenn Sie es falsch machen: unbedingt! Deshalb müssen wir uns immer wieder fragen: Wie ist die Situation in den Schulen? Und ich kann Ihnen sagen, dass viele Schulen bereits große Anstrengungen unternommen haben, eigene Systeme aufzubauen. Wenn wir darauf aufbauen, stehen die Chancen gut, dass die Geräte auch zum Einsatz kommen.

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Aber dann hätte jeder andere Geräte. Wäre das in Ihrem Interesse?
Exakt. Wir wollen den Schulen den größtmöglichen Freiraum lassen. Nicht nur bei der Distribution, sondern auch bei der Auswahl der Geräte – etwa zwischen Apple, Microsoft und einer Linux-basierten Lösung. Die Senatsverwaltung für Bildung wünscht sich ein System für alle. Darauf baut ihr ganzes Konzept auf. Ich bin damit nicht einverstanden.

Berlin muss bald wieder wählen: Wie groß ist die Gefahr, dass die SPD mit Geschenken wie Gratisgeräten alle Wähler anlockt?
Ich denke, Krisenzeiten sind schlechte Zeiten für Wahlkampfgeschenke. Aber auch wenn Sie so denken wollen, mit unserem Modell können Sie mit dem gleichen Geld deutlich mehr Studierende erreichen. Das dürfte Raed Saleh und den Steuerzahlern auch gefallen.

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