Berlin

Klettern vor Havelkulisse: Neue Boulderhalle in Werder (Havel) eröffnet

Während draußen Boote auf dem Havelwasser kreuzen, werden in der neuen Boulderhalle auf dem Gelände der Vulkan-Faser-Werke nahe dem Bahnhof Werder (Havel) die letzten Klettergriffe angezogen. Daniel Krüger, der gemeinsam mit seiner Frau Kristin Krüger die Halle betreibt, hat es eilig. Er geht von rechts nach links, raus auf den Flur und wieder rein. „Der Elektriker kommt gleich“, sagt er. Morgen muss alles passen: Erstmals öffnet die „Boulder Werft“ ihre Pforten für Besucher.

In den beiden Hallen mit einer Gesamtfläche von rund 960 Quadratmetern im ersten Stock des alten Fabrikgebäudes mit großen Sprossenfenstern und einem Oberlicht wurden in den letzten Wochen reichlich Griffe in die Holzwände geschraubt. Es gibt rund 100 Kletterrouten. Allein im Kinderbereich, der sich in der hinteren Halle befindet, gibt es 30 Möglichkeiten, die Wand mit unterschiedlich farbigen und geformten Griffen zu erklimmen. Mitarbeiter Nikolai Gusev rechnet nach. „Das müssten rund 1.500 Griffe sein, die wir verbaut haben.“

„Crimp“ und „Sloper“

Damit es an der Wand nicht zu langweilig wird, wollen die Mitarbeiter wöchentlich die Strecken abschnittsweise ändern. Dann werden Griffe wie „Crimp“, der nur die Fingerspitzen aufnimmt, und „Sloper“, ein breiterer Griff, oft in Form einer Halbkugel, an dem Sie sich mit Ihrer Handfläche festhalten, neu kombiniert. Die Wände in der „Boulder-Werft“ sind gerade oder bis zu 55 Grad geneigt – eine 90-Grad-Wand, also einen echten Überhang, sucht man hier vergebens.

Beim Bouldern sind die Wände bis zu 4,50 Meter hoch. Da Sie ohne Seil klettern, kann es weh tun, wenn Sie von oben fallen. Vor der Wand werden daher weiche Matten ausgelegt, die das Fallen etwas angenehmer machen.

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Bouldern boomt

Bouldern boomt. Vor zehn Jahren sei der Sport weit verbreitet und habe auch Menschen angezogen, die vorher nichts mit Klettern zu tun hatten, sagt Thomas Bucher, Sprecher des Deutschen Alpenvereins (DAV). Die Kletterszene in Deutschland ist laut Verband in den vergangenen 30 Jahren stark gewachsen. 1990 gab es schätzungsweise 70.000 aktive Kletterer, bis 2021 werden es voraussichtlich mehr als 600.000 Kletterer in Deutschland sein. Der Verband geht von mehr als 300.000 Findlingen aus. „Das Bouldern hat sich wahnsinnig entwickelt“, sagt Bucher. Allein im Zeitraum von 2013 bis 2017 hat sich die Zahl der Aktiven laut Umfrageergebnissen verdoppelt.

Bouldern hat sich wahnsinnig entwickelt

Thomas Bücher

Seit 2012 kommen jährlich rund 20 Kletter- und/oder Boulderhallen deutschlandweit hinzu. Nach Schätzungen des DAV gibt es rund 535 künstliche Boulder- und Kletteranlagen, darunter 181 Boulderhallen. Allein in Berlin gibt es mehr als zehn Boulderhallen. In Brandenburg gibt es einige in Potsdam und Oranienburg. Eine weitere Halle in Potsdam-Mittelmark, in Wiesenburg/Mark, umfasst 190 Quadratmeter.

Braucht es noch eine Halle in Werder? Definitiv aus Sicht von Daniel und Kristin Krüger. „Die Hallen in Berlin sind völlig überfüllt, vor allem in den Abendstunden muss man lange anstehen“, sagt Kristin Krüger, die seit rund zwei Jahren bouldert. Vor allem für Boulderkurse hättest du schon viele Anfragen bekommen. Leider fehlten den beiden noch Trainer, um solche Kurse anbieten zu können.

Laut DAV ist ein Kurs zu Beginn nicht zwingend erforderlich. Einfach an bequeme Kleidung und Kletterschuhe denken und schon kann es losgehen. Kletterer können Schuhe bei der Boulder-Werft ausleihen. Dasselbe gilt für Kreide, das weiße Magnesiumcarbonat-Pulver, das Sie auf Ihre Hände auftragen, bevor Sie zu den Griffen kommen. Es bindet Schweiß. Das gibt Bouldern mehr Grip.

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In der Boulder-Werft können schon die Kleinen an den Griffen greifen. Der Kinderbereich der Halle steht jungen Kletterern ab sechs Jahren offen. Auch Kindergeburtstage können dort gefeiert werden. Ein Erwachsener sollte jedoch in der Lage sein, bis zu zwei Kinder zu betreuen. Ab 14 Jahren kannst du mit Erlaubnis deiner Eltern alleine kommen.

Spezialität: Therapeutisches Klettern

Eine Besonderheit, die die Halle an der Havel von vielen Boulderhallen in Deutschland unterscheidet: In der zweiten Halle, im Trainings- und Aufwärmbereich, gibt es eine Medical Wall und eine sieben mal drei Meter große Kletterwand. Hier soll Klettertherapie angeboten werden. Silas Dech, Bewegungs- und Gesundheitswissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Regulationsphysiologie und Prävention der Universität Potsdam, freut sich, eine Halle gefunden zu haben, die er mitgestalten konnte.

Die Klettertherapie, eine Form der Physiotherapie, soll unter anderem Menschen mit rheumatischen Erkrankungen, chronischen Rückenschmerzen und Fehlhaltungen helfen. Es wird in der Kinderheilkunde, Orthopädie, Sporttherapie und sogar als Wirkstoff in der Psychotherapie eingesetzt, zum Beispiel bei der Behandlung von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung).

An der Universität Potsdam läuft derzeit eine Studie, in der eine Gruppe junger Menschen mit Skoliose, einer Verkrümmung der Wirbelsäule, eine normale Physiotherapie erhält, während die andere Gruppe eine Klettertherapie erhält. „Die Ergebnisse sind noch nicht endgültig. Aber für die Klettertherapie sieht es gut aus“, sagt Dech.

Die Halle ist sonntags bis donnerstags von 9 bis 22 Uhr und freitags und samstags bis 23 Uhr geöffnet. An zwei Tagen in der Woche, voraussichtlich mittwochs und freitags, wollen Daniel und Kristin Krüger um 6 oder 6.30 Uhr die Halle öffnen – und testen, ob Menschen kommen vor der Arbeit.

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