Berlin

Galeria Karstadt Kaufhof: Was die Pleite für die Berliner Warenhäuser und die Hochhauspläne von Signa bedeutet

Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof hat ein Schutzschirm-Insolvenzverfahren beantragt – zum zweiten Mal innerhalb von nur zwei Jahren. Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kündigte CEO Miguel Müllenbach knallharte Einsparungen an: Mindestens ein Drittel der bundesweit 131 Filialen könnten demnach geschlossen werden. Die Gruppe betreibt elf Warenhäuser in Berlin und zwei in Brandenburg. Inwieweit diese Häuser betroffen sind, war am Dienstagnachmittag noch nicht bekannt.

Die Warenhausgruppe gehört zur Signa Holding, die vom österreichischen Investor und Multimilliardär René Benko kontrolliert wird. 2019 wurden die ehemals eigenständigen Unternehmen Galeria Kaufhof und Karstadt verschmolzen. Die Filialen werden nun unter der Marke „Galeria“ geführt.

In Berlin befinden sie sich im Ring-Center (Friedrichshain/Lichtenberg), am Alexanderplatz (Mitte), Hermannplatz (Kreuzberg/Neukölln) und am Kurfürstendamm (Charlottenburg), in der Müllerstraße (Wedding), Schloßstraße (Steglitz) und Carl-Schurz – Straße (Spandau).

Erst im Oktober eröffnete eine Filiale in der Gorkistraße in Tegel. Die Zukunft des Kaufhauses an der Wilmersdorfer Straße (Charlottenburg) ist seit langem ungewiss, denn dort läuft der Mietvertrag Anfang 2024 aus. Nach Informationen des Tagesspiegels läuft der Vertrag für das Kaufhaus am Tempelhofer Damm (Tempelhof) endet im Folgejahr. In Potsdam steht ein Haus in der Brandenburger Straße und in Cottbus eines in der August-Bebel-Straße.

Es ist bereits der zweite Schutzschild für Galeria

Bereits im April 2020 musste das Unternehmen während des ersten Corona-Lockdowns ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragen, das dann Ende September abgeschlossen wurde. Bei dieser speziellen Variante des Insolvenzverfahrens soll die Zahlungsfähigkeit erhalten bleiben.

Voraussetzung dafür ist, dass eine grundsätzliche Aussicht auf eine erfolgreiche Restrukturierung besteht. Im Gegensatz zu einer regulären Insolvenz wird das Schutzschirmverfahren vom Unternehmen eigenverantwortlich durchgeführt. Die Geschäftsführung bleibt im Amt, bekommt aber einen Treuhänder zugeteilt, der Sanierungsmaßnahmen einleitet.

An der erneuten Schieflage sei die Galeria-Geschäftsführung nicht schuld, sagt Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Der gesamte Einzelhandel habe seit Beginn der Corona-Pandemie eine „unglaubliche Zeit des Aderlasses“ erlebt, mit Schließungen und Lieferengpässen, die die Unternehmen treffen. Besonders betroffen waren die Warenhäuser, weil sie – anders als der Lebensmitteleinzelhandel – von der Bundespolitik nicht als systemrelevant eingestuft wurden.

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Galeria Karstadt Kaufhof hat im Januar 2021 ein Darlehen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in Höhe von 460 Millionen Euro erhalten, mit dem die Bundesregierung die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abfedern wollte. Im Januar 2022 wurde ein zweites WSF-Darlehen in Höhe von 250 Millionen Euro gewährt.

Beides waren nachrangige Darlehen. Das bedeutet, dass im Insolvenzfall zuerst die Forderungen anderer Gläubiger und Kreditinstitute bedient werden. Der Staat ging also ein vergleichsweise hohes Risiko ein, um den Warenhauskonzern zu retten.

„Jetzt sind wir schon in der nächsten globalen Krise“, sagt Busch-Petersen. „Das Konsumklima ist am Sinken.“ Der Einzelhandel erlebt einen seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebten Einbruch.

Auch hier sind die großen Kaufhäuser besonders von hohen Energiepreisen und den Folgen der Inflation betroffen. Doch das Kaufhauskonzept sei „nicht tot“, die großen Kaufhäuser seien nach wie vor wichtig für die Wirtschaft und die Entwicklung der Städte.

Der Ökonom Jörg Rocholl, Präsident der European School of Management and Technology Berlin (ESMT), geht hingegen davon aus, dass Galeria nur mit starken Einschnitten überleben kann. „Das Unternehmen kämpft seit vielen Jahren mit großen Problemen und bedarf einer intensiven strategischen Generalüberholung.“ Ein „Schwundprozess“ muss eingeleitet werden, Schließungen sind in der aktuellen Marktlage wohl unvermeidlich.

Christian Gräff, der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, sagt: „Ohne Kaufhäuser können wir deutsche Innenstädte oft komplett abschreiben.“ ‚ Also nicht unbedingt von allen.

Dem Signa-Firmennetzwerk des österreichischen Investors Benko gegenüber steht er nun skeptisch gegenüber, sagte Gräff: „Der Eigentümer ist jemand, der klar belehrt werden sollte, dass es um die Warenhäuser geht und nicht um die Immobilienentwicklung. Ich habe meine Zweifel, ob das wirklich so ist.“ ist ihm wichtig.“

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Signa beteuert die Eigenständigkeit des Immobilienbereichs

Gräff spielt damit auf die Hochhausprojekte der Signa-Gruppe am Ku’damm und am Alexanderplatz an. Dort sind mehrere Bürotürme an traditionellen Kaufhausstandorten geplant. Auch das Karstadt-Warenhaus am Hermannplatz soll zu einem multifunktionalen Gebäude mit Gewerbehöfen, Büros und Wohnungen umgebaut werden.

Zuständig ist der Immobilienbereich des Konzerns. Dass die Bauvorhaben durch die Schieflage der Warenhäuser gefährdet werden könnten, wies Signa zurück. „Die Immobiliengesellschaften von Galeria und Signa sind wirtschaftlich und rechtlich selbstständige Einheiten“, erklärt Sebastian Schmidt, Sprecher von Signa für Immobilienprojekte in Deutschland.

Die aktuellen Entwicklungen bei Galeria hätten daher keine Auswirkungen auf die Signa Real Estate und ihre Projektentwicklungen. „Wir stehen zu unseren Vereinbarungen mit dem Land Berlin und werden wie bisher alles dafür tun, diese einzuhalten.“

Als die Warenhäuser 2020 erstmals unter den Schutzschirm gingen, schloss der Senat mit Signa eine öffentliche Absichtserklärung (Letter of Intent, kurz LOI). Darin verpflichtete sich der Senat, die geplanten Bauvorhaben umzusetzen – auch gegen Widerstände innerhalb der rot-rot-grünen Koalition. Im Gegenzug will Signa die Warenhäuser mit ihren 5000 Arbeitsplätzen behalten.

Im selben Jahr wurde bekannt, dass das Land Berlin eine Bürgschaft für ein Darlehen an die rechtlich von der Galeria-Kette getrennte, aber ebenfalls zu 49 Prozent zur Signa-Gruppe gehörende KaDeWe-Gruppe übernommen hatte. Diese Bürgschaft, deren Höhe unbekannt ist, bestehe weiterhin, erklärte die Senatsfinanzverwaltung auf Anfrage.

Senat und Signa wollen an der Absichtserklärung festhalten

Obwohl die Absichtserklärung nicht rechtlich bindend ist, würde ihre einseitige Aufhebung die Position von Bausenator Andreas Geisel (SPD) erheblich schwächen. Er hatte zuletzt Sympathie für Signas Hochhauspläne gezeigt. „Wir gehen davon aus, dass Signa zu ihren Versprechen im LOI steht. Als Stadtentwicklungsverwaltung geht es uns darum, die Einzelhandelsstandorte in unserer Stadt zu stärken“, erklärte Geisel-Sprecher Martin Pallgen.

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Am späten Nachmittag kam es zu einem kurzfristigen Treffen zwischen Berlins Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos, für SPD), Signa-Immobilienchef Timo Herzberg und Nils Busch-Petersen vom Gewerbeverband. Im Anschluss erklärte Schwarz, das Gespräch sei „sehr konstruktiv“ gewesen. „Es wurde sehr deutlich, dass Berlin als Warenhausstandort großes Potenzial für die Zukunft hat. Sowohl Signa Real Estate als auch der Senat glauben an die Zukunft der Berliner Warenhäuser und halten an den Zielen des gemeinsamen LOI fest.“

Conny Weißbach von der Gewerkschaft Verdi bezweifelt, dass Signa seinen Teil der Abmachung eingehalten hat. Sie fordert eine erste Bilanz, ggf. müssten die LOI-Vorgaben verbessert werden. „Wo ist der Besitzer?“ fragt Weißbach. Investoren müssen nun ihr eigenes Geld in die Warenhäuser investieren, um sie wieder attraktiver und rentabler zu machen.

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