Berlin

Fahrzeugzulassungen in Berlin und Brandenburg: Tesla ist eine Randerscheinung rund um die Gigafactory

Die Tesla-Filiale in Schönefeld ist nicht leicht zu finden. Keine Wegweiser, kein über die Dächer ragendes Werbeemblem. Verkaufssalon und Werkstatt sind in einem schlichten Gewerberiegel integriert, ein kaum erkennbarer „Sales“-Schriftzug deutet den Eingang an.

Drinnen sitzt ein Mitarbeiter am Computer und wartet auf Interessenten, das übrige Mobiliar beschränkt sich auf eine Konsole mit Werbevideos und eine Kaffeemaschine, dazwischen viel Leerraum. „Die Autos stehen draußen.“

Tesla-Kandidaten dürfen nur kurzzeitig in einem der fünf Modelle Platz nehmen, die anderen kann der freundliche Verkäufer derzeit nicht freischalten. Es ist das kleine SUV „Y“ für rund 54.000 Euro, das in Grünheide vom Band läuft. Innen wirkt das Auto spartanisch, fast alle Funktionen werden über den großen Computerbildschirm gesteuert.

Tesla-Gründer Elon Musk legt großen Wert darauf, seine „Gigafactory Berlin“ weltweit als neuen Goldstandard für die Autoproduktion zu promoten, bewirbt die dort produzierten Autos aber kaum. Auch sein Mitarbeiter in Schönefeld versucht nicht, die Autos als „Made in Germany“ zu verkaufen. Tesla als Marke steht für Elon Musk und seinen Ehrgeiz, etwas völlig Neues in die Welt zu bringen. Es scheint egal zu sein, wo die Autos produziert werden.

Bisher sind die Verkaufszahlen in Berlin und Brandenburg nur geringfügig höher als in anderen Regionen Deutschlands. Tesla veröffentlicht keine Verkaufszahlen, aber die Zulassungszahlen deuten darauf hin. Von Januar bis Ende August 2022 wurden in Berlin 1.003 Tesla-Fahrzeuge neu zugelassen, wie die Senatsverwaltung für Verkehr auf Anfrage mitteilt, ein Anteil von 2,8 Prozent. Schließlich.

Bundesweit lag die Tesla-Aktie in diesem Zeitraum bei 1,5 Prozent. Im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree, zu dem die Gigafabrik in Grünheide gehört, waren es 62 Neuzulassungen, 1,5 Prozent, und in Märkisch-Oderland 50 Neuzulassungen, ein Anteil von knapp 1,2 Prozent. In der Stadt Potsdam sind derzeit 200 Tesla zugelassen, weitere Angaben konnte die Stadtverwaltung nicht machen.

2021 lag der Tesla-Anteil in Berlin bei 2,2 Prozent, in Brandenburg bei 1,8 Prozent und deutschlandweit bei 1,5 Prozent. Zum Vergleich: In Stuttgart, der Heimatstadt von Mercedes-Benz, waren von Januar bis August 2022 rund 150 Tesla zugelassen, aber 5986 Mercedes, der Marktanteil von Daimler liegt dort bei rund 26 Prozent. Das liegt natürlich auch daran, dass Daimler-Mitarbeiter günstige Konditionen für ihren Privatwagen erhalten und eine große Dienstwagenflotte unterwegs ist.

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Ähnlich sieht es bei Wolfsburg und VW oder München und BMW aus, sagt Alfred Paul vom Center Automotive Research in Duisburg. Zwischen dem Werk und regionalen Kunden haben sich langjährige Beziehungen entwickelt. BMW sponsert das Tennisturnier BMW Open und Mercedes ist Hauptsponsor des VfB Stuttgart.

Händler machen mit der Umweltprämie gute Geschäfte

Ähnliche Sponsoring-Ambitionen sind von Tesla noch nicht bekannt. Allerdings erwartet Alfred Paul, dass Teslas Beziehungen zu Berlin und Brandenburg bald enger werden. „Mit der Zeit wird sich das ändern.“

Bisher seien Elektroautos trotz der hohen Förderung für viele „immer noch ein Luxusprodukt“ und die Elektromobilität in den östlichen Bundesländern immer noch weniger vertreten als in den einkommensstärkeren Regionen im Westen der Republik.

Dennoch kann sich das Fahren eines Teslas auch für Menschen lohnen, die sparsamer unterwegs sind. Das „Online-Autohaus“ Schmitz aus Mönchengladbach und weitere Händler werben online mit dem Slogan: Tesla Model Y – jetzt sechs Monate kostenlos fahren.

30.000 Elektroautos wurden von Januar bis September 2021 in Deutschland zugelassen, dann aber offenbar ins Ausland weiterverkauft

Das Angebot gelte bundesweit, sagt Inhaber Sascha Schmitz. Das Geschäft funktioniert in Deutschland nur mit dem hohen Umweltbonus von 6000 Euro für reine Elektroautos. Schmitz kauft die Neuwagen nach einer Mindestlaufzeit von sechs Monaten zum Neupreis abzüglich Umweltprämie und verkauft die Autos dann in skandinavische Länder wie Dänemark.

Das Geschäftsmodell laufe schon länger recht erfolgreich, die Mengen seien aber nur im dreistelligen Bereich, sagt Schmitz, der Staat werde also nicht ausgeplündert, wie manche behaupten.

Allerdings ist nicht bekannt, wie viele Tesla-Käufer den Deal mit der Umweltprämie privat durchziehen werden. Auch mit anderen hochpreisigen Elektroautos floriert das Geschäft. Laut einem „Zeit“-Bericht verschwanden zwischen Januar und September 2021 fast 30.000 Elektroautos aus der deutschen Fahrzeugflotte, das sind gut zwölf Prozent der E-Neuzulassungen. Bei Tesla betraf der Rückgang fast ein Fünftel der neu zugelassenen Fahrzeuge.

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Die meisten Autos gehen nach Dänemark, weil dort Neuwagen hoch besteuert werden. Das Geschäft mit der E-Auto-Prämie dürfte im kommenden Jahr etwas schwieriger werden. Der Umweltbonus soll auf 4500 Euro gekürzt werden. Die Mindesthaltedauer bleibt jedoch bei sechs Monaten.

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