Berlin

Bus statt Bahn im Berliner Norden: Die U6 ist zur ersten Hauptverkehrszeit teilweise gesperrt

Alt-Tegel ist die nördliche Endstation der U6 – eigentlich, denn nun ist die U-Bahn-Strecke von dort bis zum Kurt-Schumacher-Platz bis 2025 gesperrt. Stattdessen verkehren Busse zwischen den sechs Haltestellen entlang der Seidelstraße. Laut BVG sollen es bei der U6 genauso viele Busse wie Züge geben. Ein Selbsttest.

Die Bushaltestelle befindet sich direkt neben dem dauerhaft verschlossenen Eingang zur Alt-Tegeler Unterwelt. Laut BVG fährt die U6 zu Stoßzeiten im Vier-Minuten-Takt – von 7 bis 9.30 Uhr und von 15 bis 18.30 Uhr. Das kann der Bus auch. Allerdings sind Wartezeiten von ein bis drei Minuten beim Boarding am Morgen eher die Regel als die Ausnahme.

Eine Busspur wurde eingerichtet, um Pendlern freie Fahrt zu ermöglichen. Größere Probleme gibt es damit nur am Kurt-Schumacher-Platz (Kutschi), der südlichen Endstation des Ersatzverkehrs. Durch das erhöhte Busaufkommen kommt es hier teilweise zu größeren Staus – Pendler sollten also mehr Zeit auf der Strecke einplanen. „Mit Warten dauert es etwa 20 Minuten in eine Richtung“, erklärt BVG-Mitarbeiter Marco, der den Neuankömmlingen den Weg zur U-Bahn-Weiterfahrt weist. Die Nord-Süd-Fahrt im Test dauerte ohne Wartezeit genau 20 Minuten.

Dass man für den Streckenabschnitt derzeit mit sieben Minuten Fahrzeit der U6 nicht mithalten kann, versteht sich von selbst. Auch die BVG verweist auf den fehlenden Fahrradtransport. Insgesamt sehen es die Pendler im ÖPNV aber gelassen. „Man muss nur etwas mehr Zeit einplanen“, erklärt ein Mann seinem Nachbarn. Solange es morgens noch hell und halbwegs warm ist, überlegt er, sein Faltrad mitzunehmen. Das würde auch im Bus funktionieren.

Der Rückweg nach Alt-Tegel erfolgt über die A111, bevor der Bus an der Scharnweberstraße wieder auf die gewohnte Route trifft. Die Route kann sogar in 14 Minuten absolviert werden, das sind zwei Minuten schneller als mit Google Maps. Das BVG-Kundenzentrum befindet sich ebenfalls direkt an der Bushaltestelle. Allerdings gebe es hier derzeit keine Erreichbarkeit, warnt die Reinickendorfer SPD in einer Pressemitteilung.

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Auch von Pendlern gibt es vereinzelte Kritik. „Es ist wirklich schlecht ausgeschildert, es sind eigentlich zu wenig Leute da“, schnauzt ein Pärchen Marco an. Es ist nicht seine Schuld, aber Sie wollen sich trotzdem bei der BVG beschweren. „Es gibt immer ein paar Leute mit schlechter Laune, aber insgesamt sind wir zufrieden“, fasst der Helfer den ersten Morgen zusammen. Er will einer Frau mit zwei Kindern, die nach dem Weg fragt, etwas schenken. Er kramt in seiner Tasche und reicht ihr einen Minipfannkuchen in BVG-Verpackung. „Für die Kleinen auf der Reise.“ Auch der Ersatzservice lässt sich so versüßen.

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