Am 25. Oktober 2025 haben der Berliner Senat und die Kirchen eine neue Initiative zur künftigen Nutzung kirchlicher Gebäude ins Leben gerufen. In einem gemeinsamen Projekt mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz soll eine Arbeitsgruppe gegründet werden, die sich mit der Nach- und Mehrfachnutzung von kirchlichen Räumen beschäftigt. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hebt hierbei die Bedeutung einer nachhaltigen Nutzung für die Stadtentwicklung hervor und verweist auf mehrere Hundert Gebäude, die in diese Planungen einbegriffen sind.

Unter den zu berücksichtigenden Immobilien befinden sich rund 120 Kirchen und etwa 180 Pfarr- und Gemeindehäuser in der Stadt. Der katholische Erzbischof Heiner Koch betont den interreligiösen Ansatz und die Verantwortung des Erzbistums. Es seien ökologische, soziale, pastorale und finanzielle Aspekte wichtig, wenn es um die Nutzung dieser historischen Räume geht. Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson wendet sich dabei an die aktuelle Praxis und nennt Beispiele wie Kiez-Treffs und Ausstellungsräume, die als Modell für die zukünftige Nutzung dienen sollen.

Strategie zur Mehrfachnutzung

Ein zentraler Aspekt der neuen Arbeitsgruppe ist die Entwicklung einer Strategie zur Mehrfachnutzung. Diese Strategie soll auch kleineren Religionsgemeinschaften zugutekommen, die sich möglicherweise nicht in der Lage sehen, ihre Räume entsprechend zu verwalten. In Gesprächen zwischen dem Senat und dem Erzbistum wurde die Bedeutung kirchlicher Räume für die Berliner Bevölkerung thematisiert. Es herrscht Einigung über die Notwendigkeit einer gemeinsamen Nach- und Mehrfachnutzung, um diese Orte als lebendige Räume des Miteinanders und gesellschaftlichen Engagements zu erhalten.

Regierender Bürgermeister Kai Wegner hebt hervor, wie wichtig die Kirchen als Partner der Stadtgesellschaft sind und signalisiert Bereitschaft zur Diskussion über die zukünftige Nutzung kirchlicher Gebäude, die nicht mehr von den Kirchen unterhalten werden. Dabei werden auch Fragen zur Abgabe von Pfarr- und Gemeindehäusern thematisiert, um eine Zusammenarbeit zwischen Senat und Erzbistum voranzutreiben.

Herausforderungen im Bausektor

Im Kontext der Umnutzung kirchlicher Gebäude ist auch die Herausforderung im Bausektor nicht zu unterschätzen. Eine Masterarbeit von Reingard Hesse beleuchtet die Problematik im Zusammenhang mit Abriss und Neubau. In Berlin wurden im Jahr 2020 etwa 300 Gebäude abgerissen, was zu einem signifikanten Verlust von Ressourcen und grauer Energie führte. 80% dieser Abrisse geschahen zugunsten von Neubauten, was die Notwendigkeit eines Umdenkens im Bausektor unterstreicht. Dies geschieht in dem Kontext, das Ziel der 1,5°C-Grenze des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Ein Beispiel bietet die Zuversichtskirche in Berlin-Spandau, die aufgrund sinkender Mitgliederzahlen und baulicher Defizite einen Neubau eines Begegnungszentrums plante. Eine Analyse schlägt vor, den bestehenden Gebäudebestand zu nutzen, statt ihn abzureißen, und sieht dies als Chance, um die bestehenden Ressourcen optimal einzusetzen. Diese Diskussion um den Erhalt und die Umnutzung von kirchlichen Immobilien ist somit nicht nur eine Frage der städtebaulichen Entwicklung, sondern auch des ökologischen Bewusstseins und der gesellschaftlichen Verantwortung.

Die Weiterentwicklung der kirchlichen Räume in Berlin verspricht durch die Zusammenarbeit von Senat und Kirchen eine innovative Perspektive für die Stadt, die den aktuellen Herausforderungen in Bezug auf Raum, Integration und gesellschaftliche Teilhabe Rechnung trägt.

Für weitere Informationen können Sie die Artikel von RBB24, Berlin.de und NBL lesen.