Wasserkrise am Hafenplatz: Mieter*innen in großer Gefahr!
Berliner Wasserbetriebe warnen vor Wasserlieferstop am Hafenplatzkomplex wegen offener Rechnungen. Mieter*innen sollen informiert werden.

Wasserkrise am Hafenplatz: Mieter*innen in großer Gefahr!
Am 27. Oktober 2025 informierten die Berliner Wasserbetriebe (BWB) das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg über die drohende Sperrung der Wasserlieferungen am Hafenplatzkomplex. Dies geschieht aufgrund ausstehender Wasserrechnungen, die sich im oberen sechsstelligen Bereich bewegen. Der Hafenplatzkomplex beherbergt hunderte private Mieter*innen sowie eine Geflüchtetenunterkunft mit etwa 600 Bewohner*innen.
Die Eigentümergesellschaften des Komplexes erhalten regelmäßig Wasserabschlagszahlungen von den Mietenden, verwenden diese Gelder jedoch offenbar nicht zur Begleichung der Wasserkosten. Dies wirft die Vermutung einer möglichen Entmietungsstrategie auf. Eine Abstellung der Wasserversorgung würde zur Unbewohnbarkeit des gesamten Wohnkomplexes führen, und die Bewohner*innen müssten in Notunterkünfte umgesiedelt werden.
Behörden reagieren auf die Situation
Um die drohende Sperrung zu verhindern, bot das Bezirksamt den Wasserbetrieben an, die fälligen Abschlagszahlungen ab November 2025 zu übernehmen. Die Wasserbetriebe stimmten dem Angebot Ende letzter Woche zu, während das Bezirksamt juristisch prüft, wie die Abschlagszahlungen direkt an die Wasserbetriebe überwiesen werden können. Dies soll Kündigungen wegen Mietrückständen vermeiden. In den kommenden Wochen werden die Mieter*innen umfassend über die Situation informiert.
Florian Schmidt, Bezirksstadtrat für Bauen, äußerte sich empört über die Geschäftspraxis der Eigentümergesellschaften. Die Verwaltung sieht sich zudem auch weiteren Immobilien mit ähnlichen Problemen gegenüber, die durch personalintensive Verfahren angegangen werden müssen. Dabei erschweren Kürzungen des Senats und begrenzte Personalkapazitäten im Stadtentwicklungsamt den Mieterschutz erheblich. Das Bezirksamt plant, Mieter*innen sowohl am Hafenplatz als auch an anderen Orten zu unterstützen und sie vor Verdrängung zu schützen.
Kosten und Gebühren für Wasser
Die finanziellen Herausforderungen werden nicht nur durch sich anstauende Schulden an den Berliner Wasserbetrieben ausgelöst. Die Entwässerungstarife beinhalten verschiedene Gebühren, die für die Entsorgung von Abwasser, Oberflächenwasser und Fäkalien anfallen. Der volumetrische Preis für Abwasser beträgt 2,210 Euro pro Kubikmeter, während die Gebühr für die Ableitung von Oberflächenwasser 1,797 Euro pro Quadratmeter und Jahr beträgt. Die Beseitigung von Fäkalwasser kostet 1,898 Euro pro Kubikmeter, und die Entsorgung von Fäkalien-Schlamm aus kleinen Kläranlagen schlägt mit 11,882 Euro pro Kubikmeter zu Buche. Diese Gebühren sind von der Mehrwertsteuer befreit und stellen eine zusätzliche finanzielle Belastung für die Mieter*innen dar, die bereits von einer kritischen wohnpolitischen Situation betroffen sind.
Nationale Wasserstrategie für langfristige Lösungen
Vor diesem Hintergrund ist die am 15. März 2023 verabschiedete Nationale Wasserstrategie von Bedeutung. Sie soll die Grundlage für ein zukunftsfähiges Management der Wasserressourcen legen und den Gewässerschutz stärken. Herausforderungen wie Klimawandel, Globalisierung und demografischer Wandel erfordern einen nachhaltigen Umgang mit Wasserressourcen bis 2050 und darüber hinaus. Zu den langfristigen Zielen gehören der Zugang zu qualitativ hochwertigem Trinkwasser und die Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Grund- und Oberflächengewässern.
Insgesamt wurden 78 Maßnahmen des Aktionsprogramms definiert, die bis 2030 schrittweise umgesetzt werden sollen. Dabei konzentriert sich die Strategie auf verschiedene Themen, darunter die Sicherung naturnaher Wasserhaushalte und die klimaangepasste Weiterentwicklung der Wasserinfrastruktur. Ein umfassender Nationaler Wasserdialog, der zwischen 2018 und 2020 durchgeführt wurde, hat zur Entwicklung dieser Strategie beigetragen und die Mitwirkung der Gesellschaft in Wasserfragen gefördert.
Die aktuellen Herausforderungen im Hafenplatzkomplex sind damit nicht nur ein lokales Problem, sondern reflektieren auch die dringende Notwendigkeit einer umfassenden wasserpolitischen Strategie, die sowohl soziale Gerechtigkeit als auch nachhaltige Ressourcenbewirtschaftung in den Mittelpunkt stellt.