Schwimm-Demo in Berlin: Recht auf die Spree für alle!
Am 17. Juni 2025 protestierten circa 300 Berliner für die Aufhebung des Badeverbots in der Spree. Flussbad Berlin fordert verbesserte Wasserqualität und Zugang zum Schwimmen.

Schwimm-Demo in Berlin: Recht auf die Spree für alle!
Am Dienstag, dem 17. Juni 2025, sprangen etwa 300 Demonstrierende an der Berliner Museumsinsel in die Spree, um gegen ein vor rund 100 Jahren erlassenes Badeverbot zu protestieren. Der Verein Flussbad Berlin hatte zu dieser Schwimm-Demonstration aufgerufen, um damit zu zeigen, dass das Baden im Fluss durchaus möglich ist. Dieser Protest stand im Zeichen der Forderungen des Vereins, der seit Jahren eine Wiederzulassung des Badens in der Spree anstrebt. Der Vereinsvorstand Jan Edler äußerte, dass das Schwimmverbot nicht mehr zeitgemäß sei und forderte die Schaffung von Pilotbadestellen ab Sommer 2026.
Das Badeverbot, das seit 1925 besteht, wurde von der Senatsverwaltung mit Hinweis auf hygienische Bedenken erlassen. Ursprünglich wurden die Flussbadeanstalten in Alt-Berlin aufgrund von Sicherheitsbedenken und der potentiellen Gefährdung durch Fäkalkeime geschlossen, insbesondere bei Regen, wenn Abwässer kurzfristig aus der Kanalisation in die Spree fließen können. Auch heute wird die Wasserqualität weiterhin kritisch betrachtet; Wasserqualitätsuntersuchungen des Kompetenzzentrums Wasser werden noch ausgewertet und Ergebnisse zur Wasserqualität sind noch in diesem Jahr zu erwarten.
Forderungen nach Modernisierung
Die Demonstrierenden argumentieren, dass die Regelungen für das Baden in Oberflächengewässern Berlins modernisiert und die Badegewässerverordnung überarbeitet werden müsste. Dies sei nötig, um den aktuellen Herausforderungen der Wasserqualität gerecht zu werden und um die Flussbad-Initiative voranzubringen. Zudem wird eine Übernahme der Spree in das Eigentum des Landes Berlin gefordert. Dies könnte der Weg sein, um den Zugang zu den Gewässern zu verbessern und gleichzeitig den Gewässerschutz zu stärken.
In der Vergangenheit gab es bereits ähnliche Aktionen, die jedoch von der Berliner Wasserschutzpolizei aufgrund von Sicherheitsbedenken untersagt wurden. Die Wasserqualität steht daher ganz oben auf der Agenda: Je nach Verunreinigung könnte die Schwimm-Demonstration im Vorfeld um eine Woche verschoben werden. Aktivisten sehen die moderne Technik zur Überwachung der Wasserqualität als Grundlage dafür, das Badeverbot aufzuheben.
Zusammenhang mit anderen Regionen
Der Fall der Spree erinnert an Entwicklungen in anderen Ländern, wie beispielsweise der Schweiz. Dort wurde das Baden in viele Gewässer lange Zeit aufgrund von schweren Umweltverschmutzungen eingeschränkt. Bis in die 1960er-Jahre waren nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung an eine Abwasserreinigung angeschlossen und es gab gravierende Gesundheitsrisiken durch verunreinigtes Wasser. Mit einem erheblichen Ausbau der Abwasserinfrastruktur in den darauffolgenden Jahrzehnten hat sich die Wasserqualität jedoch signifikant verbessert. Der Erfolg in der Schweiz zeigt, dass ein aktives Umweltbewusstsein und die Forderung nach besserem Gewässerschutz Schritt für Schritt Veränderungen bewirken können.
Die Bedenken des Berliner Senats hinsichtlich der Sicherheit und Hygiene stehen also in einem größeren Kontext von rechtlichen und gesundheitlichen Überlegungen. Dennoch bleibt die Frage offen, wie lange das Badeverbot noch fortbestehen kann, wenn immer mehr Stimmen laut werden, die für eine Modernisierung und Wiedereröffnung der Flussbadebereiche eintreten.