Julia Schrod-Thiel, die Bezirksstadträtin für Ordnung, Umwelt und Verkehr in Reinickendorf, hat überraschend ihren Rücktritt erklärt. Am Dienstagvormittag kündigte sie an, dass sie aus persönlichen Gründen von ihrem Amt zurücktritt. Der Rücktritt kommt nach vier Jahren im Dienst und erfolgt vor der Bezirksverordnetenversammlung, wo sie am Mittwochabend ihren letzten Auftritt haben wird. Schrod-Thiel möchte sich in Zukunft mehr Zeit für Familie und Freunde nehmen, was sie als einen der Hauptgründe für ihre Entscheidung angibt. Ihr Rücktritt kam, so tagesspiegel.de, überraschend, selbst für die eigene Partei, die CDU.

In den letzten Monaten war Schrod-Thiel unter Druck geraten. Insbesondere nach der Bezirkswahl im Herbst, bei der ihre Wiederwahl wahrscheinlich nicht mehr in Betracht gezogen worden wäre, stand sie auf der politischen Abschussliste. Ihre Abteilungen, die für den Wahlerfolg der CDU als Schlüsselressorts gelten, waren von Kritik betroffen. In den Reihen der CDU wurden ihre Erfolge in den zuständigen Ressorts, wie dem Straßen- und Grünflächenamt, als unzureichend empfunden. Zu den Problemen, die während ihrer Amtszeit auftraten, zählen ein abgesagtes Osterfeuer, strittige Baumfällungen sowie anhaltende Müllprobleme in den Parks der Region.

Persönliche Gründe und politische Spannungen

Das Verhältnis zu Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner, ebenfalls von der CDU, war angespannt, da sie das Krisenmanagement nach unliebsamen Unwettern übernahm. Während Schrod-Thiel in der Opposition mehr Verständnis fand, berichtete ihr Fraktionschef Marco Käber von einer sachlichen und kollegialen Zusammenarbeit. Nach ihrem Rücktritt dankte Marvin Schulz, der Kreisvorsitzende der CDU Reinickendorf, im Namen der Partei für ihre geleistete Arbeit.

Die Verantwortung für die von Schrod-Thiel geleiteten Ressorts wird interimistisch von Harald Muschner und mit Unterstützung von Demirbüken-Wegner weitergeführt, bis ein Nachfolger gewählt ist. Sebastian Pieper, der als Nachfolger nominiert wurde, ist auch CDU-Spitzenkandidat für das Bürgermeisteramt. Pieper hat bereits angekündigt, Parks und Grünanlagen in Reinickendorf besser zu pflegen und die Vermüllung zu reduzieren. Die CDU plant, Pieper im März in der BVV-Sitzung zur Wahl zu stellen.

Obwohl ihr Rücktritt von vielen als überraschend empfunden wurde, bleibt Schrod-Thiel aktiv und tritt weiterhin als Vorsitzende des örtlichen CDU-Verbands in Lübars-Waidmannslust auf, was ihre politische Karriere nicht ganz beendet.