In Berlin wird eine bedeutende Ausstellung eröffnet, die sich mit der queeren Kunst in der DDR auseinandersetzt. Unter dem Titel „QUEERE KUNST IN DER DDR? Biografien zwischen Underground und Propaganda“ untersucht die Ausstellung, unter der Kuratela von Stephan Koal, die Bedingungen, unter denen queere Kunst in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) entstand. Die Kooperationspartner dieser Ausstellung sind das Mitte Museum, KVOST – Kunstverein Ost e.V., die neue Gesellschaft für bildende Kunst (nGbk) sowie das Werkbundarchiv – Museum der Dinge. Diese beeindruckende Sammlung wird an mehreren Orten in Berlin zu sehen sein, darunter KVOST, nGbK, Mitte Museum und Werkbundarchiv – Museum der Dinge.

Die Ausstellung legt ihren Fokus auf die Biografien von neun herausragenden Künstlerinnen: Toni Ebel, Andreas Fux, Harry Hachmeister, Jochen Hass, Dorothea von Philipsborn, Erika Stürmer-Alex, Rita „Tommy“ Thomas, Jürgen Wittdorf und Egon Wrobel. Ihr Werk umfasst Gemälde, Fotografien, Grafiken, Skulpturen, Keramiken und Installationen und thematisiert die verschiedenen Reaktionen der Künstlerinnen auf die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Zeit. Zensur, staatliche Kontrolle und die ständige Überwachung durch die Staatssicherheit prägten das künstlerische Schaffen und die privaten Lebensbereiche dieser Personen.

Einblicke in die Künstlerbiografien

Die Ausstellung zeigt die Spannungen zwischen Anpassung und Widerstand, Sichtbarkeit und Verbergen sowie Selbstbehauptung und Verletzlichkeit. Besonders hervorzuheben ist, dass der Begriff „queer“ in dieser Ausstellung als Sammelbegriff für verschiedene Identitäten dient, darunter Lesben, Schwule, Bisexuelle, transgeschlechtliche und nichtbinäre Personen. Obwohl der Paragraf 175, der Homosexualität kriminalisierte, 1968 abgeschafft wurde, blieb die gesellschaftliche Stigmatisierung bestehen. Die Kunst war stark politisiert und sollte den sozialistischen Staat unterstützen, was zu einem komplexen Spannungsfeld für die Künstlerinnen führte.

Nach dem Mauerfall verbesserte sich die Situation queerer Künstlerinnen nicht signifikant. Viele von ihnen drohten in Vergessenheit zu geraten, während gleichzeitig ein wachsendes allgemeines Interesse an DDR-Kunst und queeren Lebensrealitäten entstand. Die Verbindung zwischen queeren Biografien und künstlerischen Ausdrucksformen in der DDR ist bisher ein unerforschtes Feld. Das Projekt zielt darauf ab, diese Brüche und Widersprüche sichtbar zu machen und die künstlerischen Positionen aus dieser Zeit neu zu lesen. Die begleitende Publikation, die im DISTANZ Verlag erscheint, wird Essays von renommierten Autorinnen enthalten, die die Thematik weiter vertiefen.

Veranstaltungen und Kooperationen

Die Eröffnung der Ausstellung ist für den 27. März 2026 geplant, wobei bereits am 25. und 26. März verschiedene Soft Openings stattfinden werden. Neben den bereits genannten Kooperationspartnern sind auch Institutionen wie das Feministische Archiv FFBIZ, das Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, das Museum Lichtenberg, das Schwule Museum sowie die Universität Leipzig und zahlreiche Zeitzeuginnen an dem Projekt beteiligt.

Insgesamt bietet die Ausstellung nicht nur einen einzigartigen Einblick in die queere Kunstszene der DDR, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur historischen Aufarbeitung dieser Zeit. Künstler*innen-Positionen werden beleuchtet, und die Ausstellung stellt die Frage, wie sexuelle Orientierung die künstlerische Praxis und berufliche Entwicklung in einer von staatlicher Kontrolle geprägten Gesellschaft beeinflusste. Für weitere Informationen zur Ausstellung besuchen Sie bitte die offizielle Webseite hier oder die Webseite des Werkbundarchivs hier.