Am 16. Oktober 2025 hat der Bezirk Lichtenberg seine geplante Überarbeitung des Zentren- und Einzelhandelskonzepts bekannt gegeben. Dieses Konzept dient der Sicherung der Nahversorgung, der Stärkung bestehender Zentren und der gezielten Steuerung des Einzelhandels. Dabei spielt die Kartierung von zentralen Versorgungsbereichen eine zentrale Rolle. Die Karte unterteilt die Einzelhandelsstandorte in drei Kategorien: Blaue Betriebe sind zentrenrelevant, grüne Betriebe bieten wohnortnahe Nahversorgung und gelbe Betriebe sind nicht zentrenrelevant. Diese Klassifizierung soll als Planungsgrundlage für zukünftige Standort- und Sortimentsentscheidungen dienen, um eine lebendige und wirtschaftlich starke Nachbarschaft zu fördern, die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aktivitäten miteinander vereint.
Die Bezirksstadträtin Camilla Schuler hebt die Bedeutung sozialer Gerechtigkeit und inklusiver Nahversorgung hervor. „Faire Mietkonditionen sind essenziell, um die Nahversorgung gerecht und zugänglich zu gestalten“, sagt Schuler. Das Konzept orientiert sich an den Zielen der Vereinten Nationen und strebt einen sparsamen Umgang mit Flächen an, während es gleichzeitig klimafreundliche Mobilitätsformen und den Erhalt der bestehenden Bausubstanz fördert. Die Entwicklung basiert auf einer gründlichen Bestands- und Bedarfsanalyse, die den veränderten Konsumgewohnheiten Rechnung trägt. Ein Fokus liegt dabei auf der regionalen Herkunft von Produkten und fairer Produktion.
Einladung zur Bürgerbeteiligung
Die Lichtenberger Bürger sind eingeladen, das aktualisierte Einzelhandelskonzept einzusehen und ihre Anregungen sowie Fragen einzubringen. Die Fortschreibung des Konzepts wurde in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Gremien aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft erarbeitet. Ein besonders hervorzuhebendes Ziel ist es, die bestehenden Zentren zu erhalten und gleichzeitig wohnortnahe Versorgungsstrukturen abzusichern. Der Entwurf des Konzepts wird auf einer Beteiligungsplattform zur Verfügung gestellt, wo Bürger ihre Eingaben über mein.Berlin oder per E-Mail an die Stadtplanung senden können.
Im Kontext der Entwicklungen in urbanen Räumen ist es unerlässlich, sich mit der Rolle des Einzelhandels in Innenstädten auseinanderzusetzen. Dr. Joachim Will von der ecostra GmbH beleuchtet in seinen Analysen die Herausforderungen, vor denen der Einzelhandel gegenwärtig steht, insbesondere durch die zunehmende Digitalisierung. Online-Shopping hat mittlerweile einen Marktanteil von ca. 13,2 Prozent im gesamten Einzelhandel und sogar 41,8 Prozent in der Modebranche erreicht.
Die Zukunft des Einzelhandels
Der Rückgang der Versorgungsfunktion des stationären Handels, besonders im Bereich nicht nahversorgungsrelevanter Waren, ist unverkennbar. Dennoch bleibt der stationäre Einzelhandel nach Ansicht vieler Experten von zentraler Bedeutung für soziale Interaktionen und die städtebauliche Identität. Es wird betont, dass zukünftige Einzelhandelskonzepte eine Neuausrichtung benötigen, um den städtebaulichen Aspekten und den veränderten Bedürfnissen der Verbraucher gerecht zu werden. Dabei sollten Innenstädte als „dritte Orte“ gestaltet werden, die den sozialen Austausch und die Aufenthaltsqualität fördern. Der Einzelhandel muss dabei nicht nur als wirtschaftlicher Faktor, sondern auch als gesellschaftlicher Raum wahrgenommen werden.
Insgesamt strebt der Bezirk Lichtenberg mit seiner neuen Strategie eine ausgewogene, soziale und nachhaltige Stadtentwicklung an, die den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht und mit den sich wandelnden Rahmenbedingungen im Einzelhandel Schritt hält. Für weitere Informationen können Sie die umfassende Übersicht auf den Webseiten von Entwicklungsstadt, Berlin.de und Stadt und Wirtschaft besuchen.