Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf wurde gestern mit der Auszeichnung „Klimaschutzpartner des Jahres 2025“ von der IHK Berlin geehrt. Diese Ehrung gilt einem innovativen Projekt, das die Nutzung von Pflanzenkohle in der Stadt Berlin thematisiert. Im Rahmen des Pilotprojekts „Pflanzenkohle als CO₂-Senke und Schwamm – Ein Feldversuch im Volkspark Jungfernheide“ wurde von 2021 bis 2023 eine zentrale Wiese saniert, die mit etwa drei Hektar als Kaltluftschneise für angrenzende Wohngebiete wie Siemensstadt und die Paul-Hertz-Siedlung fungiert. Durch jahrelange Nutzung und die Auswirkungen des Klimawandels war die Funktion dieser Wiese erheblich beeinträchtigt.
Pflanzenkohle hat in diesem Kontext das Potenzial, signifikante Veränderungen herbeizuführen. Die im Projekt eingesetzte Kohle kann bis zu 70 Tonnen CO₂ dauerhaft im Boden binden und zudem die Wasserspeicherfähigkeit der Rasenfläche erheblich verbessern. Die 22 Tonnen Pflanzenkohle, die in die Wiese eingebracht wurden, sind in der Lage, bis zum Fünffachen ihres Eigengewichts an Wasser zu speichern und dieses langsam wieder abzugeben. Dadurch wird die Widerstandsfähigkeit der Wiese gegenüber Trockenheit und extremen Wetterereignissen erhöht.
Innovative Ansätze zur Bodenverbesserung
Das Projekt nutzt eine neuartige Methode, die in dieser Größenordnung in Deutschland bisher nicht umgesetzt wurde. Die Pflanzenkohle wurde mit Mykorrhizapilzen angereichert, die den Austausch von Nährstoffen und Wasser zwischen Boden und Pflanzen fördern. Zudem wurde ausschließlich standortangepasstes Regiosaatgut verwendet, das ohne künstliche Bewässerung und Düngung gedeihen kann. Dies trägt nicht nur zur Schonung der Trinkwasserreserven bei, sondern verbessert auch die Bodengesundheit nachhaltig.
Oliver Schruoffeneger, Bezirksstadtrat für Grünflächen, hebt den innovativen Charakter des Projekts hervor. Die Niederschlagsmengen, die in der Wiese durch die Pflanzenkohle gespeichert werden können, ermöglichen eine effektive Bewirtschaftung von Starkregenereignissen, das überschüssige Wasser kann versickern und dem Grundwasser zugeführt werden. Die wissenschaftliche Begleitung des Projektes erfolgt durch die Freie Universität Berlin und zeigt, wie erfolgreich die Maßnahmen waren, insbesondere im Frühjahr 2025, als die Wiese besser abschneidet als andere Rasenflächen in der Umgebung.
Internationale Aufmerksamkeit und zukünftig geplante Maßnahmen
Das Interesse an dem Projekt geht über die Grenzen Berlins hinaus; internationale Fachleute besuchen die neue Anwendung im Volkspark Jungfernheide. Langfristig plant das Bezirksamt, die Methode auf andere Parkanlagen auszuweiten und prüft die Möglichkeit, eine eigene Pflanzenkohle-Produktion ins Leben zu rufen. Diese könnten nicht nur zur weiteren Sanierung städtischer Flächen beitragen, sondern auch als Modell für andere Kommunen dienen.
Die Bedeutung von Pflanzenkohle als Negativ-Emissions-Technologie wird auch von Experten wie Dr. Nikolas Hagemann unterstrichen. Pflanzenkohle kann nicht nur den Boden verbessern und das Wasserspeichervermögen erhöhen, sondern bietet auch vielseitige Anwendungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft und weiteren Bereichen. Die Entwicklung eines mehrstufigen, nachhaltigen Schwammkonzepts für die zentrale Wiese im Volkspark Jungfernheide steht beispielhaft für diese Bemühungen.
Insgesamt verdeutlicht das Projekt im Volkspark Jungfernheide wie vielschichtig die Herausforderungen des Klimawandels sind und welche Lösungen durch innovative Ansätze wie die Verwendung von Pflanzenkohle möglich werden. Die ausgezeichneten Ergebnisse und die Aussicht auf zukünftige Projekte machen Mut und zeigen, dass auch in städtischen Räumen mit kreativen Ideen signifikante Fortschritte erzielt werden können.