Das Mommsenstadion in Berlin ist mehr als nur ein Sportplatz; es ist ein historischer Ort, der die Entwicklung des Fußballs in Deutschland maßgeblich geprägt hat. Am 31. Oktober 1957 fand im Stadion eines der ersten inoffiziellen Länderspiele der Frauen mit deutscher Beteiligung statt, in dem Deutschland gegen die Niederlande 2:0 gewann. Doch der Weg dorthin war steinig, denn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte 1955 Frauenabteilungen in den Vereinen verboten, was bis 1970 Bestand hatte. Dieses Verbot wurde mit der Behauptung begründet, dass der Damenfußball die weibliche Anmut beeinträchtigen könnte und gesundheitliche Schäden verursachen würde. Dr. Hubert Claessen, ein DFB-Vorstandsmitglied, stellte den konservativen Geist der Delegierten heraus, die eine Ablehnung des Damenfußballs propagierten. Dennoch blieben Frauen nicht untätig; sie spielten weiterhin außerhalb des DFB und organisierten sich.

Die Entwicklung des Frauenfußballs im Mommsenstadion steht exemplarisch für diesen Wandlungsprozess. Dort bekamen die Mädchen und Frauen in den 1970er Jahren einen Platz im Sport, unterstützt durch Pionierinnen wie Rita Cygon. In dieser Zeit gewann die zweite Mannschaft von Hertha BSC, bekannt als „Hertha-Bubis“, Berühmtheit, als sie 1992/93 das DFB-Pokal-Finale erreichte und den Titelverteidiger Hannover 96 sowie den 1. FC Nürnberg besiegte. Diese Erfolge trugen dazu bei, das Bild des Frauenfußballs in der Gesellschaft zu verändern.

Widerstand gegen das Verbot

Die Zeit des Verbots war geprägt von Widerstand und der Gründung inoffizieller Teams. Diesen Mutige engagierten sich für den Fußballsport, während der DFB seine Position aufrechterhielt. Trotz der offiziellen Verbote tauchten in den 1950er Jahren erste Frauenfußballmannschaften auf, wie der DFC Rhenania in Essen, der trotz Widerständen Spiele organisierte. Auch im Westdeutschen Damenfußball-Verband, gegründet 1956, wurde versucht, den Damenfußball zu fördern. Ein bedeutendes Zeichen dieser Zeit war das erste Länderspiel der deutschen Damenfußballmannschaft gegen Holland im September 1956, das vor 18.000 Zuschauern stattfand. Deutschland gewann dieses Spiel mit 2:1 und bewies damit, dass das Interesse an Frauenfußball durchaus vorhanden war.

Die Diskriminierung und Herabwürdigung von Frauen, die Fußball spielten, war lange Zeit Teil des Alltags. So bezeichnete Josef „Sepp“ Herberger, einer der bekanntesten Fußballtrainer, den Sport als „Kampfsport“, der für Frauen nicht geeignet sei. Diese Ansichten standen dem wachsenden Interesse an Frauenfußball jedoch nicht im Weg. Bis 1970 organisierte die DFB-Frauenfußballmannschaft zahlreiche inoffizielle Spiele und erlangte zunehmend Popularität.

Der Wandel nach 1970

Der DFB hob schließlich am 31. Oktober 1970 das Verbot des Frauenfußballs auf, was einen Wendepunkt in der Geschichte darstellt. Diese Entscheidung eröffnete den Frauen neue Möglichkeiten im Fußball. In der DDR war der Frauenfußball nicht verboten, jedoch wurde er nicht gefördert und galt als minderwertig. Der DFB führte seitdem bedeutende Änderungen ein, darunter die Einführung des DFB-Pokals der Frauen im Jahr 1980 und die Gründung der Frauen-Bundesliga nach dem positiv verlaufenen EM-Turnier 1989.

Die Entwicklung des Frauenfußballs, symbolisiert durch das Mommsenstadion, ist ein eindrucksvolles Beispiel für den langen Kampf um Gleichberechtigung im Sport. Historisch betrachtet bleibt festzuhalten, dass der Weg zur Akzeptanz und Integration von Frauen im Fußball lange war, vor allem durch gesellschaftlichen Widerstand und institutionelle Barrieren. Doch die Pionierinnen wie Christa Kleinhans und die Erfolge von Teams nach der Wiederherstellung des Rechts machen deutlich, dass der Frauenfußball gekommen ist, um zu bleiben.

Die Zukunft bleibt spannend; das Mommsenstadion wird weiterhin als wichtiger Schauplatz im Berliner Sportgeschehen agieren. Es verkörpert nicht nur die wechselvolle Geschichte des Fußballs, sondern auch den fortwährenden Kampf um Gleichheit, Respekt und Anerkennung der Frauen im Sport.

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