Berlin Aktuell

Rentnerin (84) fährt ungebremst in Parkbank: War es ein Fahrfehler oder ein technisches Problem?

Unfall am S-Bahnhof Hermsdorf: Rentnerin vor Gericht wegen fahrlässiger Tötung

Eine tragische und zugleich kuriose Geschichte ereignete sich im Juli letzten Jahres am S-Bahnhof Hermsdorf. Eine Rentnerin (84) verwechselte nach eigenen Angaben das Gas- und Bremspedal und raste mit ihrem Automatik-Kleinwagen ungebremst in eine Parkbank. Eine Frau (73) verlor dabei ihr Leben. Nun musste sich die Rentnerin vor Gericht verantworten.

Die Rentnerin, die als Schneiderin gearbeitet hatte und nur eine mickrige Rente von 305 Euro bezieht, beteuerte vor Gericht, dass das Auto "von selbst wie verrückt losgerast" sei. Sie habe lediglich das Gaspedal leicht angetippt, wie sie es immer beim Losfahren mache, und plötzlich hätte das Auto unkontrolliert beschleunigt. Sie sei jedoch keineswegs in die Menschenmenge gefahren, sondern habe alles versucht, um schlimmeres zu verhindern. Sie hätte das Lenkrad festgehalten, aber nicht gebremst.

Der Vorfall ereignete sich am 8. Juli 2022 um 13:45 Uhr am S-Bahnhof Hermsdorf. Während dutzende Fahrgäste auf den Bus warteten und zwei Frauen auf einer Parkbank saßen, stieg die Rentnerin in ihr Auto, das sie zuvor im Waldseeweg geparkt hatte. Ihre Fahrt führte sie entgegen der Einbahnstraße zur Parkbank, auf der die beiden Frauen saßen. Eine 73-jährige Frau verstarb bei dem Unfall, eine 18-jährige überlebte schwer verletzt.

Da der Führerschein der Rentnerin erst mehr als acht Monate nach dem Unfall beschlagnahmt wurde, gab es diesbezüglich Diskussionen. Die Rentnerin erklärte jedoch vor Gericht, dass ihr Mann ihr den Führerschein sofort nach dem Unfall abgenommen habe und sie sich seitdem nicht mehr hinters Steuer gesetzt habe. Nun gab sie ihren Führerschein vor Gericht freiwillig und unwiderruflich ab.

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Im Rahmen des Gerichtsverfahrens kam es zu einem Gutachter-Streit. Ein Unfallsachverständiger, Bill Böhme, gab an, dass das Auto mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h auf die Parkbank geprallt sei und jederzeit durch Betätigen der Bremse hätte gestoppt werden können. Die Bremsen waren laut seiner Aussage intakt. Die Verteidigung hingegen argumentierte, dass ein technischer Defekt nicht ausgeschlossen werden könne und es zu komplex sei, dies eindeutig festzustellen.

Am Ende erging das Urteil: Die Rentnerin wurde wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1600 Euro verurteilt. Der Richter betonte, dass die Rentnerin es versäumt habe, die Bremsen zu betätigen. Es gäbe keine Anhaltspunkte für einen technischen Defekt. Zudem sei die Rentnerin von der Situation überrascht gewesen. Jedoch betonte der Richter auch, dass jeder, der sich hinter das Steuer setzt, das Fahrzeug beherrschen muss.

Der Unfall am S-Bahnhof Hermsdorf wird wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Es bleibt die Frage offen, ob die Rentnerin tatsächlich das Gas- und Bremspedal verwechselt hat oder ob es einen technischen Defekt gab. Die genaue Ursache wird wohl nie eindeutig geklärt werden können.

Daniel Wom

Der in Berlin geborene Daniel Wom ist ein versierter Journalist mit einer starken Affinität für Wirtschaftsthemen. Er hat an der Freien Universität Berlin Journalistik und Wirtschaftswissenschaften studiert und arbeitet seit mehr als einem Jahrzehnt in den Medien. Daniel hat für verschiedene große Tageszeitungen und Online-Plattformen geschrieben und ist bekannt für seine tiefgründigen Analysen und klaren Darstellungen komplexer Sachverhalte. Er ist Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband und hat mehrere Auszeichnungen für seine exzellente Berichterstattung erhalten. In seiner Freizeit erkundet Daniel gerne die vielfältige Kulturszene Berlins und ist leidenschaftlicher Webentwickler.

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