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„Löwin“ von Kleinmachnow: Berlin-Kritik ist fehl am Platz

„Löwin“ von Kleinmachnow: Berlin-Kritik ist fehl am Platz

Die vergangenen Tage standen ganz im Zeichen der "Löwenjagd" in Kleinmachnow. Dabei handelte es sich jedoch nicht um einen echten Löwen, sondern um ein stattliches Wildschwein, das für Aufsehen sorgte. Das Tier konnte sich fast zwei Tage lang in den Vorgärten der Kleinstadt vergnügen, bevor es schließlich eingefangen wurde.

Doch anstatt die lustige und zugleich lehrreiche Geschichte zu genießen, wird nun von allen Seiten abgerechnet. Die Polizei wird kritisiert, weil sie ein Schwein nicht von einem Löwen unterscheiden konnte. Die Kosten für den Einsatz werden bemängelt und das Ordnungsamt der Stadt steht in der Kritik, genauso wie der ängstliche Bürgermeister. Selbst die Hauptstadt Berlin wird für den Vorfall verantwortlich gemacht. Es fehlt nur noch, dass sich auch Markus Söder, der bayerische Löwe, einmischt.

Doch wer die Ereignisse von Kleinmachnow so negativ betrachtet, hat offenbar den eigentlichen Kern der Geschichte verpasst. Die Reaktion der Bevölkerung zeigt nämlich, dass wir in einem Land leben, in dem jede noch so absurde Gefahr immer noch bemerkt und bekämpft wird.

Wenn man die ganze Angelegenheit mit einem Augenzwinkern betrachtet, wird schnell klar, dass sich eigentlich alle Beteiligten ein dickes Lob verdient haben. Die Polizistinnen und Polizisten, die sich nachts im Unterholz abmühten, die Hubschrauberpiloten, die im gefährlichen Nachtflug unterwegs waren, sowie die Jäger und Jagdhelfer haben alle einen entspannten Feierabend oder einen Knochen verdient.

Doch leider gibt es auch diejenigen, die diese Geschichte nutzen, um Berlin wieder einmal als Deppenhauptstadt darzustellen. Auf rechtspopulistischen Plattformen wird bewusst das Land Brandenburg mit Berlin verwechselt und die Löwenjagd als typisches Versagen der Hauptstadt hochgejazzt. Auch das ZDF ließ es sich nicht nehmen, mit Kommentaren wie "Murkserei-Hauptstadt" und "typische Trotteligkeit" weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Solche Äußerungen sind einfach nur peinlich.

Wir sollten die Löwenjagd als das nehmen, was sie war - eine lustige und einprägsame Episode. Kritik an Berlin ist hier fehl am Platz. Wir sollten stattdessen alle gemeinsam darüber schmunzeln und uns bei allen Beteiligten bedanken, die ihren Teil dazu beigetragen haben. Denn am Ende zeigt diese Geschichte vor allem, dass wir in einem Land leben, in dem auch der kleinste Anschein einer Gefahr eine beeindruckende Welle der Hilfe auslöst.

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Quelle: Jörg Quoos, Berliner Morgenpost, 22.07.2023

Daniel Wom

Der in Berlin geborene Daniel Wom ist ein versierter Journalist mit einer starken Affinität für Wirtschaftsthemen. Er hat an der Freien Universität Berlin Journalistik und Wirtschaftswissenschaften studiert und arbeitet seit mehr als einem Jahrzehnt in den Medien. Daniel hat für verschiedene große Tageszeitungen und Online-Plattformen geschrieben und ist bekannt für seine tiefgründigen Analysen und klaren Darstellungen komplexer Sachverhalte. Er ist Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband und hat mehrere Auszeichnungen für seine exzellente Berichterstattung erhalten. In seiner Freizeit erkundet Daniel gerne die vielfältige Kulturszene Berlins und ist leidenschaftlicher Webentwickler.

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