Berlin

Ausstellung „Leseland DDR“ in Berlin: Als politisch unerwünschte Literatur nur mit „Giftschein“ zugänglich war.

20 Ausstellungstafeln mit Texten, Bildern und Videos laden zu einer anschaulichen Reise durch das Leseland DDR ein. Ein Land, dessen Behörden an die Macht des geschriebenen Wortes glaubten und es gleichzeitig fürchteten.

„Leseland DDR“ erzählt von der Sturheit derer, die sich ihre Lektüre nicht diktieren lassen wollten, die sich für seltene Bücher anstellten und auf der Leipziger Buchmesse so manchen begehrten Titel westdeutscher Verlage heimlich einsackten.

Außerdem erfahren die Besucher mehr über Literatur aus der Sowjetunion, die schreibenden Arbeiter des Sozialistischen Realismus und alte Kochbücher. Die Zeitreise endet mit den Schriftstellern der Friedlichen Revolution und der DDR als Thema der Gegenwartsliteratur.

Wo Lesen und Schreiben mit großem Aufwand gefördert wurden, politisch unerwünschte Literatur nur mit einem speziellen „Giftschein“ in Bibliotheken zugänglich war und Post und Reisende aus dem Westen nach Drucksachen durchsucht wurden. Die zukünftigen Dichter wurden am Leipziger Literaturinstitut ausgebildet.

Es war eine Zeit, in der jedes gedruckte Wort einer strengen Zensur unterlag. Einerseits glaubte die Partei an die Macht der Worte – andererseits fürchtete sie kritische Texte. DDR-Autoren hatten große Privilegien und wurden geschätzt. Wer sich jedoch nicht der Zensur unterwarf oder sich widerspenstig verhielt, musste mit der Übernahme durch die Stasi rechnen.

500 Science-Fiction-Buchtitel wurden von 1949 bis 1990 in der DDR veröffentlicht

Manche Bücher galten in der DDR als „Gift des Klassenfeindes“. Zum Beispiel George Orwells Roman 1984. Ebenso konnte der Besitz von Büchern durch sowjetische Dissidenten zu Verhaftungen führen. Viele Bücher wurden in den wissenschaftlichen Bibliotheken weggesperrt und konnten nur mit einem sogenannten „Giftgutschein“ eingesehen werden. Nach Angaben des DDR-Museums konnten Besucher mit einer solchen Urkunde im Lesesaal unter Aufsicht in Sonderlesungen hineinschauen. An den Grenzen kontrollierte Zollbeamte und westliche Pakete wurden durchsucht.

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„Leseland DDR“ ist ein Beitrag zur Kulturgeschichte der SED-Diktatur und zugleich eine Anregung für Jung und Alt, nach dem Besuch die alten Bücher aufzuschlagen, um die Geschichte der DDR im Spiegel ihrer Literatur neu zu erforschen .

Initiiert wurde die Ausstellung von der Bundesstiftung Aufarbeitung, die die 20 Informationstafeln zur Verfügung stellte. Autor ist der Historiker Stefan Wolle. Die Plakate können gegen eine Gebühr von 30 Euro bei der Bundesstiftung bestellt werden und wurden bereits an zahlreichen Orten in Deutschland gezeigt. Vom 16. November bis 31. Januar 2023 werden die Ausstellungstafeln im Bürgerbüro des Lichtenberger SPD-Abgeordneten Dirk Liebe in der Freienwalder Straße 31 ausgestellt.

Die Sektion „Science-Fiction in der DDR“ wurde von Fanclubs aus den neuen Bundesländern auf Initiative des 1985 in Ost-Berlin gegründeten Science-Fiction-Clubs „Andymon“ entwickelt. Die Sendung vertieft den Blick auf das Genre in der DDR und ist es der begeisterten Leserschaft gewidmet, die seit den 1970er Jahren in Science-Fiction-Fandoms organisiert ist – meist unter dem Dach des Kulturbundes.

Science-Fiction in der DDR

Von 1949 bis 1990 wurden in der DDR ziemlich genau 500 Science-Fiction-Buchtitel veröffentlicht, fast die Hälfte davon von einheimischen Autoren. Das schreibt Eric Simon in einem Essay zu diesem Thema. Da ist zum Beispiel Ludwig Tureks Roman Die goldene Kugel (1949), in dem Außerirdische eine proletarische Revolution in den USA vorantreiben.

In „Heimkehr der Ahnen“ (1966) ließ E. del’Antonio seine Weltraumexpedition von „Titanus“ auf eine kommunistische Erde zurückkehren und entwarf damit die auf Jahre hinaus einzige Sozialutopie der ostdeutschen Science-Fiction.

Einzelne utopische Elemente finden sich etwa bei Curt Letsche („Leumdation eines Sterns“, 1968) oder – viel später (ab 1974) und im satirischen Kontext – bei Wolfgang Kellner, populär wurde Science-Fiction aber erst in der DDR in den 1980er Jahren wieder komplexe Gesellschaftsmodelle entworfen.

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