Berlin

Auf Trappensafari im Havelland: Diese Vögel können so viel wiegen wie ein Reh

Da ist er, der Hahn, stolziert mit sicherem Schritt auf und ab und dreht gelegentlich den Kopf. Hier und da ertönt ein leises „Ohhhh“, die Auslöser der Kameras klicken, sonst herrscht Stille im Aussichtsturm. Alle versuchen, einen Blick auf den stolzen Vogel zu erhaschen. Und der Hahn? Schenkt den heimlichen Beobachtern keinen Blick. Schade, denn es ist Balzzeit und der Aussichtsturm bietet einen ungehinderten Blick auf das, was Hans-Joachim König die Balzarena nennt – eine Wiese in der Nähe des kleinen Ortes Garlitz im Havelland.

Trappen kehren zur Balz immer an denselben Ort zurück. Dort geben die Hähne eine beeindruckende Vorstellung ab. Sie drehen ihr braun gefärbtes Gefieder um, so dass nur die weißen Federn sichtbar sind, der Schwanz schlägt nach hinten und der Hals bläht sich auf.

So transformiert erinnern die Hähne nun an überdimensionale Federbälle. Mit ruckartigen Bewegungen versuchen sie nun, einen unwiderstehlichen Eindruck auf die Hennen zu machen. „Die furzen auch“, erklärt Hans-Joachim König vom NABU. Vielleicht ist es gut, dass der Turm etwas abseits der Balzarena steht.

Auf dem Kirchturm befindet sich ein Fisch

Seit 2007 begeistert sich König für die Trappenbalz. Für den NABU führt er interessierte Besucher auf die Aussichtstürme der Balz Arena. Zuvor erzählt er den Besuchern alles über den Brandenburger Strauß, wie die Trappe auch genannt wird.

Treffpunkt ist die Staatliche Vogelwarte in Buckow, etwa zwei Kilometer von Garlitz entfernt. Am Ortsrand, umgeben von Wiesen und Feldern, schaut ein Weißstorch neugierig vom Storchennest nebenan auf die Gäste herab.

Weiter hinten ragt der Kirchturm in den Havelländer Himmel. Wer genau hinschaut, wird feststellen, dass dort, wo sonst ein Kreuz oder eine Wetterfahne die Kirche ziert, hier ein Fisch thront. Es erinnert an eine Zeit, als die Landschaft sumpfig und sumpfig war. Der Havelländer Luch.

Weltweit leben etwa 55.000 Großtrappen

Im 18. Jahrhundert wurde das Land für die Landwirtschaft trockengelegt. Das Wasser ging zurück und erst dann entstand ein Lebensraum für die Großtrappe. Da Großtrappen Steppenvögel sind, lieben sie den weiten Blick. Bäume oder gar Waldränder sind nichts für sie.

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Die Trappe behält gerne den Überblick, erklärt König. Deshalb ist die Haltung in Zoos sehr schwierig. Weltweit leben etwa 55.000 Großtrappen, und ihre Population gilt als gefährdet. Etwa die Hälfte der Großtrappen lebt in Spanien. In Brandenburg, wo sie im letzten Jahrhundert noch als Plage galten, werden sie auf der sogenannten Roten Liste gefährdeter Arten als „vom Aussterben bedroht“ geführt.

Um 1940 gab es in Brandenburg rund 3000 Großtrappen, Mitte der 1990er Jahre sank der Bestand auf 57 Vögel, 2007 waren es 110 Großtrappen. Heute leben 315 Großtrappen in drei brandenburgischen Regionen. Sie siedeln neben dem Havelländischen Luch in den Belziger Landschaftswiesen und im Fiener Bruch.

Ein Großtrappenhahn kann 17 Kilogramm wiegen

Die Hühner und Hähne bleiben die meiste Zeit des Jahres unter sich. Großtrappen gehören zu den schwersten Flugvögeln der Welt. Die Hähne sind deutlich größer als die Hühner, der Unterschied ist größer als bei jeder anderen Vogelart. Ein Großtrappenhahn kann 17 Kilogramm wiegen, er wiegt also etwa so viel wie ein Reh.

Die Henne und der Hahn kommen zusammen, um zu balzen, und wenn er an der Reihe ist, legt sie ein oder zwei olivgrüne Eier. Großtrappen sind Bodenbrüter, die Vögel bauen kein Nest. Die Eier haben wenig Schutz, große Landmaschinen, Fressfeinde mit Appetit auf Eier können ein vorzeitiges Ende der Brut herbeiführen. Gehen die Eier verloren, versucht es die Henne erneut. Zwei weitere Versuche seien möglich, sagt König.

Auch in der Buckower Vogelwarte werden Eier künstlich ausgebrütet. Eines wird mit zwei Eiern aus Nestern genommen. Wenn die Jungen schlüpfen, wartet viel Arbeit auf die menschliche Trappenmutter. Sie versucht, den Küken alles beizubringen, was die Henne ihnen normalerweise auf ihrem Weg ins Trappenleben beibringt. Dazu gehören Übungen wie das Bücken, wenn der Seeadler seine Kreise zieht. Das mache die Henne besser, sagt König. Und doch ist diese Nachhilfe wichtig, um die Bestände zu erhalten.

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Großtrappen mögen wenig Bewegung und reagieren empfindlich auf Störungen. Je weniger menschliche Infrastruktur, desto besser für die Großtrappe. Das mögen andere Tiere auch und so sind die Trappen den hungrigen Mägen von Füchsen, Marderhunden und Seeadlern ausgeliefert. „So ist das“, sagt König und verweist auf den ewigen Kreislauf von Fressen und Gefressenwerden.

Während die Hühner die Jungen aufziehen, tun die Hähne nicht viel. „Zwei Monate im Jahr müssen sie arbeiten, dann haben sie Freizeit“, beschreibt König das Leben einer Trappe. Im Winter bleiben die Tiere, sitzen, fressen, was um sie herum ist, das ist alles. Pflanzliches Essen, dazu Insekten und manchmal eine Maus.

Die Küken ernähren sich zunächst von Insekten – allein in den ersten zwei Lebenswochen fressen sie mehr als 10.000. Doch die Wirbellosen verschwinden immer mehr, für die Trappenhenne ist es eine große Herausforderung, genügend Futter für den hungrigen Nachwuchs zu finden.

Die moderne Landwirtschaft ist eine der Bedrohungen für die Großtrappe: Pestizide, der Verlust der Artenvielfalt auf Wiesen und Feldern, sie entziehen der Großtrappe ihre Lebensgrundlage. Statt der Drei-Felder-Wirtschaft, in der für die Großtrappen immer etwas dabei war, gibt es jetzt eine intensive Landwirtschaft mit großen Maschinen, vor denen es keine Sicherheit gibt, sich zu ducken. Umso wichtiger ist der Schutz der Vögel.

Wer die seltenen Tiere von den Aussichtstürmen aus beobachten möchte, nimmt am besten ein Fernglas und die entsprechende Fotoausrüstung mit und trägt warme Kleidung, denn dort oben herrscht viel Zugluft. Die besten Zeiten sind früh morgens, wenn aufsteigender Nebel die Sicht beeinträchtigen kann, oder am Abend.

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Die Trappengebiete können weder befahren noch durchwandert werden. Was auch wenig Sinn macht, trotz ihrer Größe sind die Vögel schwer zu erkennen. Wenn die Trappe keine Lust auf Balz hat, lassen sich von den Türmen aus auch Rehe, Feldhasen, Fasane und manchmal sogar Wiesenweihen und Kraniche beobachten.

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