Berlin

15 Jahre Berliner Sozialkaufhaus: Für faires Einkaufen im „fairen Kaufhaus“

In Bahnhofsnähe befindet sich das kleinste Kaufhaus Spandaus: das „Fairkaufhaus“. Hier spricht Antje Dettloff-Grygier über das Sozialkaufhaus, über Kunden und Spenden – und Wünsche an das Rathaus und die Berliner Politik. Sie ist stellvertretende Leiterin der Einrichtung. Das Interview erschien wie immer zuerst im Kreisblatt Spandau, dessen aktuelle Ausgabe in voller Länge unter abrufbar ist www.tagesspiegel.de/bezirke lesen können – kostenlos.

Sehr geehrte Frau Dettloff-Grygier, das Fairkaufhaus feiert in diesem Herbst sein 15-jähriges Bestehen. Glückwunsch! Was haben Sie vom Stadtrat geschenkt bekommen?
„Vielen Dank für die lieben Wünsche! Die beiden zuständigen Stadträte haben mit uns gefeiert und in ihren Grüßen unsere Arbeit und das Kaufhaus sehr gewürdigt.“

Nicht jeder kennt das Fairkaufhaus. Wo ist das?
„Das Fairkaufhaus besteht aus zwei Geschäften: Bekleidung und Haushaltswaren in der Altonaer Straße 6-8. Und Möbel, Medien, Elektroartikel und Kreativartikel in der Borkumer Straße 17-18, direkt an der Klosterstraße. Es ist nur fünf Gehminuten vom Bahnhof entfernt.“

Und was machen Sie da?
„Ich selbst bin seit zehn Jahren Teil des Teams und es wurde eigentlich nie langweilig. Ich wollte an einem ungewöhnlichen Projekt arbeiten – es hat geklappt.“

Seit 15 Jahren gibt es das Sozialkaufhaus in Spandau

Kurz gesagt: Was steht in den Regalen?
„Wir verkaufen alles, was in gutem Zustand ist, von Abendkleidern bis zu Zeitungsständern, von schicken Schuhen bis zu Kleiderschränken – die natürlich nicht in den Regalen stehen – von Beatles-Platten und Pavarotti-CDs bis hin zu britischen oder italienischen Kochbüchern. Es muss nur vorher gespendet werden…“

Und was kommt nicht in die Regale?
„Wir verkaufen keine Kosmetik, Lebensmittel, Autos, Reifen, Langeweile oder gebrauchte Teppiche, Matratzen und Unterwäsche… und vieles hängt auch bei uns: frisch gewaschen und gebügelt.“

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Darf jeder ins Kaufhaus gehen?
„Jeder, der sich anständig benimmt – und kein Wiederverkäufer ist! Natürlich kommen viele unserer Kunden aus der näheren Umgebung. Übrigens: Wer ein geringes Einkommen hat, kann bei Nachweis und mit eine Kundenkarte bekommen Es gibt weitere 30 Prozent Rabatt auf den ohnehin schon günstigen Einkauf.“

Wie bekommt man all diese Dinge?
„Spenden werden oft direkt an das Fairkaufhaus übergeben. Es ist wichtig, dass alles in gutem Zustand ist, damit Sie es selbst wieder kaufen würden. Auf unserer Website erfahren Sie mehr darüber, zum Beispiel welche Artikel in welchem ​​Haus angenommen werden, wie die Spendenzeiten sind. Firmenspenden kommen vor, sind aber eher die Ausnahme als die Regel. Das meiste bekommen wir privat von befreundeten Spandauer Bürgern.“

Das Fairkaufhaus bietet betreute Beschäftigung für geistig behinderte Menschen, nicht in einer „künstlichen“ Umgebung, sondern in einem ganz normalen Laden.

Antje Dettloff-Grygier

Was machen Sie mit den Einnahmen aus dem Verkauf?
„Das Fairkaufhaus bietet betreute Beschäftigung für geistig behinderte Menschen. Dem Inklusionsgedanken folgend, tun wir dies nicht in einer „künstlichen“ Umgebung, sondern in einem ganz normalen Betrieb. Die Einnahmen aus dem Verkauf decken hauptsächlich die Miete, Nebenkosten, Material und Werkzeuge aller Art – und das ist eine ganze Menge! – sowie eine Motivationsprämie, die Mitarbeiter für ihre Leistung erhalten.“

Sie kommen persönlich aus Spandau?
„Ich habe eine Zeit lang in Spandau gelebt, in Siemensstadt und dann in der Nähe der Altstadt und habe mich hier sehr wohl gefühlt, aber mein Gemüse wächst außerhalb der Stadt einfach besser.“

Das Rathaus liest mit. 3 Dinge, die auf die lokale Agenda gehören?
„Erstens: Der Weg vom Bahnhof und den Passagen über die Klosterstraße zum Fairkaufhaus könnte sauberer und fußgänger- und walkerfreundlicher sein…

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Zweitens?
„Für die Beschäftigten im Fairkaufhaus ist es sehr schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Das bedeutet, dass die Politik bei Neubauprojekten auf angemessene Anteile pochen muss.“

Dritte?
„Die Nutzer solcher Angebote sollten mehr gehört und mehr hinterfragt werden, bevor Entscheidungen in diesem Bereich getroffen werden – sie haben keine Kammer, keine Gewerkschaft und kaum eine Lobby …“

…und was an vierter Stelle auf der Liste steht. Gerne eine Utopie!
„Damit wir dahin kommen, wünschen wir uns einen durchlässigeren Arbeitsmarkt mit individuellen Fördermöglichkeiten. Manche der Menschen, die die Kitas im Fairkaufhaus besuchen, könnten in ganz unterschiedlichen Branchen tolle Arbeitskräfte sein, oft aber nur zu besonderen Konditionen, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Leider ist dies derzeit noch nicht möglich – das fragmentierte Sozial- und Gesundheitssystem mit vielen unterschiedlichen Anlaufstellen und Zuständigkeiten erschwert dies systematisch.“

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  • Spandau bekommt 5 neue Straßen im Herbst! Weißt du alles?
  • Baujahr 1965über 100 Mitarbeiter: Was wird aus Karstadt in der Altstadt?
  • Florida-Eis: Schließen in Spandau, in Magdeburg vor der Eröffnung
  • „Eine Stationsmission für Spandau“: Der Stadtrat spricht über den ICE-Bahnhof und die Obdachlosen an der Havel
  • Das „faire Kaufhaus“: Wer steckt hinter dem Sozialkaufhaus?
  • Eber Probleme in Kladow: „Gefahrenlage für den Jäger“
  • Neue Grundschule in der Heerstraße: Erste Skizze des neuen Schulhofs in Staaken
  • Neues Gymnasium im Neubaugebiet: erste Details zum Schulneubau in Wasserstadt
  • Ehemalige Kaiser und jetzt? Update zur Supermarktbrache in Hakenfelde
  • Viele Neuigkeiten aus der Nachbarschaft: Absperrungen für die Pepitahöfe, Wasser für den Siemenspark, Blaulicht am Wannsee
  • Viele Termine, viele Tipps: Martinsmarkt, Gottesdienste, kulturelle Veranstaltungen, Gedenkfeiern
  • Bowling: Spitzenspiel und Berliner Derby in Siemensstadt
  • AchtungBVV und WM-Spiel kollidieren!
  • Ihre Hilfe wird benötigt: Wo finden Weihnachtsmärkte statt?
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